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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 19.11.2002, Az.: 1 StR 442/02

Unterbringungsanordnung im Rahmen eines Sicherungsverfahrens; Verminderung der Schuldfähigkeit wegen erheblicher und nicht ausschließbare Verminderung der Einsichtsfähigkeit; Antrag auf Freispruch im Rahmen eines Verfahrens auf Anordnung einer Maßregel der Besserung und Sicherung

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
19.11.2002
Aktenzeichen
1 StR 442/02
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2002, 14449
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LG Traunstein vom 24.06.2002

Fundstelle

  • NStZ-RR 2004, 68 (Urteilsbesprechung von Ri Jörg-Peter Becker)

Tenor:

Die Revision des Beschuldigten gegen das Urteil des Landgerichts Traunstein vom 24. Juni 2002 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Beschuldigten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1

Ergänzend bemerkt der Senat:

2

1.

Die Strafkammer führt aus, der Beschuldigte leide "an einer ausgeprägten, anhaltend wahnhaften Störung . . . , sodaß nicht ausschließbar auf Grund der im Tatzeitraum gegebenen paranoiden und affektiven Symptomatik die Einsichtsfähigkeit erheblich vermindert und nicht ausschließbar aufgehoben war". Eine Unterbringungsanordnung gemäß § 63 StGB erfordert, daß die Voraussetzungen von § 20 StGB oder zumindest die Voraussetzungen von § 21 StGB sicher ("positiv") feststehen (st. Rspr. , vgl. nur BGH NStZ 1999, 610; Beschluß vom 17. Oktober 2000 - 1 StR 428/00 jew. m. w. N. ). Wäre eine erhebliche Verminderung der Schuldfähigkeit nur möglich ("nicht ausschließbar"), so stünde sie dagegen nicht sicher fest, so daß für eine Unterbringungsanordnung kein Raum wäre. Einer Gesamtschau der Urteilsgründe (zu deren Bedeutung vgl. auch BGH, Beschluß vom 17. Oktober 2000 - 1 StR 428/00), insbesondere der eingehenden Mitteilung des Inhalts des Sachverständigengutachtens, kann der Senat jedoch ohne weiteres entnehmen, daß es sich bei der genannten Formulierung um ein offenkundiges Fassungsversehen handelt und jedenfalls eine erhebliche Verminderung der Schuldfähigkeit des Angeklagten sicher feststeht.

3

2.

Für den - erkennbar versehentlich - in Ergänzung des Urteils beantragten Freispruch des Beschuldigten ist kein Raum. Ein Freispruch wäre nur geboten, wenn die Unterbringungsanordnung im Rahmen eines Strafverfahrens erfolgt wäre (vgl. BGH NStZ - RR 1998, 142). Hier erfolgte sie dagegen im Rahmen eines Sicherungsverfahrens (§§ 413 ff. StPO), also eines Verfahrens, das nur die Anordnung einer Maßregel der Besserung und Sicherung oder die Ablehnung des hierauf gerichteten Antrags (vgl. § 414 Abs. 2 Satz 4 StPO) als Ergebnis haben kann, nicht aber einen Freispruch (vgl. nur Pfeiffer StPO 4. Aufl. § 414 Rdn. 5, Paulus in KMR (8. Erg. Lfg. ) § 414 Rdn. 22).