Bundesgerichtshof
Beschl. v. 07.04.1998, Az.: 1 StR 120/98
Zulässigkeit einer Verfahrensrüge
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 07.04.1998
- Aktenzeichen
- 1 StR 120/98
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 1998, 16844
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- LG Ulm - 05.12.1997
Fundstelle
- NStZ 1998, 354-355 (Volltext mit red. LS)
Verfahrensgegenstand
Mordes u. a.
Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs
hat am 7. April 1998
einstimmig beschlossen:
Tenor:
Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Ulm vom 5. Dezember 1997 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Gründe
Ergänzend bemerkt der Senat:
1.
Die Verfahrensrügen des Angeklagten S., das Landgericht habe gegen § 244 Abs. 2 StPO verstoßen, sind nicht deshalb unzulässig, weil die Hilfsbeweisanträge nicht mit ihrem Wortlaut mitgeteilt wurden. Entscheidend für die Zulässigkeit einer Verfahrensrüge ist nur, daß der Beschwerdeführer die "die Rüge begründenden Tatsachen" mitteilt, so daß "das Revisionsgericht auf ihrer Grundlage prüfen kann, ob der geltend gemachte Verfahrensfehler vorliegt, wenn die behaupteten Tatsachen bewiesen werden" (BGH NStZ 1986, 819, 820 m. w. Nachw.). Dies kann er bei Anträgen und Entscheidungen mit eigenen Worten tun. Wesentlich ist die Vollständigkeit seines Vortrags, der gegebenenfalls auch die Tatsachen enthalten muß, die der Begründetheit seines Begehrens entgegenstehen.
Die Rügen sind, wie der Generalbundesanwalt zutreffend ausgeführt hat, jedenfalls unbegründet.
2.
Verwendet der Räuber bei seiner Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug und erfüllt er damit neben § 250 Abs. 1 StGB aF auch den mit gleicher Strafe bedrohten Qualifikationstatbestand nach § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB in der seit 1. April 1998 geltenden Fassung, so ist die letztgenannte Gesetzesfassung nicht das mildere Gesetz i.S. des § 2 Abs. 3 StGB.
Zwar umfaßt der bisherige Straftatbestand auch weniger strafwürdige Vorgehensweisen (z.B. bloßes Mitsichführen der Waffe o.ä.); die Neufassung nach § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB hat also bei gleichem Strafrahmen zu einer Tatbestandseinschränkung in der Form geführt, daß weniger gravierende Tathandlungen aus der Qualifikation herausgefallen sind. Die gebotene konkrete Betrachtungsweise muß aber die Gesamtkonstruktion der alten und der neuen Regelung berücksichtigen. Durch Aufspaltung in unterschiedlich strafwürdige Qualifikationen soll auch das bisherige Ausweichen der Praxis auf die Anwendung minder schwerer Fälle zurückgedrängt werden (vgl. BT-Drucks. 13/8587 S. 44 f.). Vor diesem Hintergrund kann nicht angenommen werden, daß bei Verwenden einer Waffe das neue Recht das mildere Gesetz i.S. des § 2 Abs. 3 StGB darstellt.
Ulsamer
Granderath
Brüning
Boetticher