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Bundesgerichtshof
Urt. v. 30.04.1991, Az.: XI ZR 298/90

AGB; Wertfestsetzung; Streitwert; Kreditinstitut; Tilgungsverrechnungsklausel

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
30.04.1991
Aktenzeichen
XI ZR 298/90
Entscheidungsform
Urteil
Referenz
WKRS 1991, 14683
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Fundstellen

  • NJW 1991, 2905 (red. Leitsatz)
  • NJW-RR 1991, 1074 (Volltext mit red. LS)

Amtlicher Leitsatz

Zur Höhe des Streitwerts in einem Verfahren gem. § 13 AGBG, in dem die von einem Kreditinstitut für einen bestimmten Zeitraum in seinen AGB verwandten Tilgungsverrechnungsklauseln für unwirksam erklärt wurden.

Gründe

1

Der klagende Verbraucherschutzverband hat gemäß § 13 AGBG gegen die Beklagte, eine öffentlich-rechtliche Bodenkreditanstalt, das Verbot erwirkt, eine vom 1. September 1978 bis 30. Juni 1981 und in leicht veränderter Form auch vom 30. Juni 1981 bis 1. September 1985 verwendete AGB-Klausel weiter zu benutzen, nach der die Kreditzinsen trotz vierteljährlicher Tilgungsleistungen jeweils nach dem Kapitalstand am Beginn des Tilgungsjahres berechnet werden sollen. Das Berufungsgericht hat den Wert der Beschwer auf 8.000 DM festgesetzt.

2

Dagegen wendet sich die Beklagte, die gegen das Berufungsurteil Revision eingelegt hat. Mit Recht begehrt sie eine Festsetzung des Wertes der Beschwer und des Revisionsstreitwerts auf einen 40.000 DM übersteigenden Betrag. Nach ihrem Vortrag beläuft sich der Zinsverlust, zu dem das Klauselverbot allein bei den Verträgen aus der Zeit vom 1. September 1978 bis 30. Juni 1981 führen kann, auf rund 1.172.000 DM. Dieser Betrag kann zwar nicht unmittelbar Maßstab für die begehrte Festsetzung sein, weil nach § 22 AGBG das Interesse der Allgemeinheit an der Ausschaltung der streitigen AGB-Klausel den Streitwert bestimmt (Lindacher in: Wolf/Horn/Lindacher AGBG 2. Aufl. § 22 Rdn. 5; Hensen in: Ulmer/Brandner/Hensen AGBG 6. Aufl. § 22 Rdn. 4) und Verbraucherschutzverbände als Kläger vor einem zu hohen Kostenrisiko geschützt werden sollen (Lindacher a.a.O. Rdn. 1).

3

Es erscheint aber nicht zulässig, bei einer AGB-Klausel von so erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung dem Verwender durch eine Wertfestsetzung unter 40.000 DM die Möglichkeit zu nehmen, das Berufungsurteil auch ohne Revisionszulassung gemäß § 546 Abs. 1 ZPO dem Bundesgerichtshof zur Überprüfung vorzulegen. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß sich das Überprüfungsinteresse der Allgemeinheit dann, wenn - wie hier - Grundsatzurteile des Bundesgerichtshofs zu vergleichbaren AGB-Klauseln bereits ergangen sind, bei den Folgeentscheidungen verringern kann. Im vorliegenden Fall erscheint es dem Senat danach angemessen, den Wert der Beschwer und den Streitwert für die Revisionsinstanz auf 50.000 DM festzusetzen.