Rechtswörterbuch

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Hundehaltung

 Normen 

Tiersch-HundeV

 Information 

1. Allgemein

Die Mindestbedingungen für die Haltung von Hunden im Freien sind in der Tierschutz-Hundeverordnung geregelt, die nicht zu verwechseln ist mit den von den einzelnen Bundesländern überwiegend im Sommer 2000 erlassenen Verordnungen zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden (Hundeverordnung).

Derzeit (August 2020) befindet sich der Entwurf der Reform der Tierschutz-Hundeverordnung im Gesetzgebungsverfahren. Dabei soll es u.a. zu folgenden Änderungen kommen:

  • Auslauf des Hundes: Einem Hund ist mindestens zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers sowie mehrmals täglich Umgang mit der Person, die den Hund hält, betreut oder zu betreuen hat (Betreuungsperson) zu gewähren.

  • Die Gruppenhaltung ist so zu gestalten, dass für jeden Hund der Gruppe ein Liegeplatz zur Verfügung steht, eine individuelle Fütterung sowie erforderlichenfalls eine individuelle gesundheitliche Versorgung möglich ist und keine unkontrollierte Vermehrung stattfindet.

  • Die Anbindehaltung wird ausnahmslos verboten.

  • Die Zahl der Zuchthunde mit Nachwuchs, für die eine Betreuungsperson zur Verfügung stehen muss, soll auf maximal fünf begrenzt werden. Für die ausreichende Versorgung und Sozialisation der Hunde ist darüber hinaus eine Vorgabe dahingehend erforderlich, dass eine Betreuungsperson maximal drei Hündinnen mit Welpen, also drei Würfe, gleichzeitig betreuen darf.

  • Es wird ein Ausstellungsverbot für Hunde erlassen, die Qualzuchtmerkmale aufweisen. Das Verbot gilt auch dann, wenn die Qualzuchtmerkmale nicht gezielt herausgezüchtet worden sind. Durch das Verbot entfällt der Zuchtanreiz, Hunde, die Qualzuchtmerkmale aufweisen, auszustellen und dabei gegebenenfalls auch Preise gewinnen zu können. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass diese Hunde von einem Publikum wahrgenommen werden und dadurch die Nachfrage nach ihnen steigt.

Hinweis:

Die Verordnung zum Halten von Hunden im Freien dient dem Tierschutz, der der Bundesgesetzgebung unterliegt. Der Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden ist rechtlich eine Gefahrenabwehr und fällt somit in die Gesetzgebungszuständigkeit der Länder.

Die Zulässigkeit einer Hundehaltung in einer Mietwohnung ist eine Frage des Mietrechts.

2. Angeleinte Hunde

Noch derzeitige Rechtslage:

Die angeleinte Haltung von Hunden ist nur zulässig, wenn ihnen ein trockener, sauberer und wärmegedämmter Schutzraum zur Verfügung steht.

Bei hohen Außentemperaturen muss sich der Hund zusätzlich an einen schattigen Platz zurückziehen können.

Das Halsband darf nicht einschneiden, die Anbindung muss mit zwei drehbaren Wirbeln versehen sein, die Anbindleine muss mindestens 6 m lang sein.

Verboten ist die angeleinte Hundehaltung bei tragenden Hündinnen im letzten Drittel der Trächtigkeit, bei säugenden Hündinnen, kranken Hunden oder bei anhaltender nasser Witterung.

3. Allgemeine Hundehaltung

Noch derzeitige Rechtslage:

Es ist gemäß § 2 Tiersch-HundeV jedem Hund Auslauf im Freien und täglich Kontakt zu einer Betreuungsperson zu gewähren. Auch im Zwinger oder an einer Anbindehaltung gehaltenen Hunden ist der Auslauf zu gewähren.

Mehrere Hunde sind gemeinsam zu halten, es sei denn, dass andere Rechtsvorschriften, das Verhalten eines Hundes oder der Gesundheitszustand eines Hundes dem entgegenstehen.

Welpen dürfen gemäß § 2 Abs. 4 Tiersch-HundeV erst im Alter von acht Wochen von der Mutter getrennt werden.

Hunde dürfen nur in Räumen gehalten werden, wenn diese über einen Tageslichteinfall verfügen, der mindestens ein Achtel der Bodenfläche beträgt, es sei denn den Hunden steht ein Auslauf ins Freie zur Verfügung.

4. Gewerbsmäßiges Züchten

Noch derzeitige Rechtslage:

Für jeweils bis zu zehn Zuchthunde muss gemäß § 3 Tiersch-HundeV eine Betreuungsperson zur Verfügung stehen, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten bei der zuständigen Behörde nachgewiesen hat.

5. Rassen mit Aggressionssteigerungen

Noch derzeitige Rechtslage:

Hunde, die ein übersteigertes Angriffs- und Kampfverhalten aufweisen, das durch artgemäße Signale nicht hinreichend gesteuert wird, dürfen gemäß § 11 Tiersch-HundeV nicht vermehrt werden.

Die Aggressionssteigerung wird bei Pitbull-Terriern, Staffordshire Bullterriern, American Staffordshire Terriern, Bullterriern sowie Kreuzungen dieser Arten vermutet.

6. Zwingerhaltung

Noch derzeitige Rechtslage:

Die Mindestgrundfläche hängt gemäß § 6 Tiersch-HundeV wie folgt von der Widerristhöhe des Hundes ab:

WiderristhöheMindestgrundfläche
bis 50 cm6 qm
50 - 65 cm8 qm
über 65 cm10 qm

Bei jedem weiteren Hund bzw. Hündin mit Welpen erhöht sich die Mindest-Grundfläche jeweils um die Hälfte des jeweiligen Tabellenwerts.

Die Einfriedung des Zwingers muss aus gesundheitsunschädlichem Material bestehen, mindestens eine Seite des Zwingers muss dem Hund eine freie Sicht nach außen ermöglichen. Unzulässig ist es, Hunde in einem Zwinger anzubinden. Der Zwinger muss mit einer Schutzhütte ausgestattet sein, die aus einem wärmedämmenden und gesundheitsunschädlichem Material hergestellt. Die Öffnung der Hütte muss einen Schutz vor Regen und Wind gewährleisten. Die Größe der Hütte muss gewährleisten, dass sich der Hund artgerecht bewegen kann und doch den Raum durch die eigene Körperwärme warm halten kann.

7. Hundeausbildung

Der Einsatz von Elektroreizgeräten (sogenannte Tele-Takt-Geräte) in der Hundeausbildung ist gemäß dem Urteil BVerwG 23.02.2006 - 3 C 14/05 verboten.

 Siehe auch 

Hunde - freilaufende

Hundeverordnung

Tierhaltung

Köster: Die Besteuerung der Hundehaltung im Rahmen eines landwirtschaftlichen Betriebs; Kommunale Steuer-Zeitschrift - KStZ 2005, 67

Vahle: Ausgewählte Rechtsfragen der Hundehaltung; Neue Wirtschafts-Briefe - NWB 2004, 3503