Anlage 2 MTWV - Mikrobiologische Untersuchungsverfahren
Bibliographie
- Titel
- Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser (Mineral- und Tafelwasser-Verordnung)
- Redaktionelle Abkürzung
- MTWV
- Normtyp
- Rechtsverordnung
- Normgeber
- Bund
- Gliederungs-Nr.
- 2125-40-33
Anlage 2
(zu § 4 Abs. 3)
- 1
Escherichia coli und coliformen Keimen gemeinsam ist die Fähigkeit, bei einer Temperatur von 37 Grad Celsius +/- 1Grad Celsius Laktose innerhalb von 20 +/- 4 Stunden unter Gas- und Säurebildung abzubauen.
- 1.1
Die Untersuchung auf Escherichia coli in mindestens 250 Milliliter Wasser kann durch:
- a)
Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Laktosebouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius oder 42 Grad Celsius +/- 0,5 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44 +/- 4 Stunden), oder
- b)
Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters auf Laktose-Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar), Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius oder 42 Grad Celsius +/- 0,5 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20+/-4 Stunden, erfolgen.
Eine endgültige Diagnose ist durch das Stoffwechselmerkmal "Gas- und Säurebildung aus Laktose", bzw. Bildung von fuchsinroten Kolonien auf dem bebrüteten Membranfilter allein nicht möglich, sodass zusätzlich nach Sub- bzw. Reinkultur auf Endoagar mindestens folgende Stoffwechselmerkmale geprüft werden müssen:
Cytochromoxydasereaktion: negativ
Laktosevergärung: Gas- und Säurebildung bei 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius innerhalb 20 +/- 4 Stunden
Indolbildung aus tryptophanhaltiger Bouillon: positiv
Spaltung von Laktose, Dextrose oder Mannit bei 44 Grad Celsius +/- 0,5 Grad Celsius innerhalb von 20 +/- 4 Stunden zu Gas und Säure: positiv.
Ausnutzung von Citrat als einziger Kohlenstoffquelle: negativ.
- 1.2
Die Untersuchung auf coliforme Keime in mindestens 250 Milliliter Wasser kann durch:
- a)
Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Laktosebouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden (Bebrütung und Beobachtungszeit bis 44 +/- 4 Stunden), oder
- b)
Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters auf Laktose-Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar), Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden,
erfolgen.
Eine endgültige Diagnose ist durch das Stoffwechselmerkmal "Gas- und Säurebildung aus Laktose" bzw. durch die Bildung von fuchsinroten Kolonien auf dem bebrüteten Membranfilter nicht möglich, sodass zusätzlich nach Sub- bzw. Reinkultur auf Endoagar mindestens folgende Stoffwechselmerkmale geprüft werden müssen:
Cytochromoxydasereaktion: negativ
Laktosevergärung: Gas- und Säurebildung bei 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius nach 44 +/- 4 Stunden
Indolbildung aus tryptophanhaltiger Bouillon: in der Regel negativ (positive Reaktion möglich)
Spaltung von Dextrose, Laktose oder Mannit zu Gas und Säure bei 44 Grad +/- 0,5 Grad Celsius innerhalb von 20+?- 4 Stunden : in der Regel negativ (positive Reaktion möglich)
Ausnutzung von Citrat als einziger Kohlenstoffquelle: positiv oder negativ
Coliforme Keime spalten also in jedem Falle Laktose bei 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius unter Gas- und Säurebildung, weichen aber in der Indolbildung und/oder im Zuckerabbau bei einer Bebrütungstemperatur von 44 Grad Celsius +/- 0,5 Grad Celsius und/oder im Citratabbau von den für Escherichia coli genannten Merkmalen ab.
- 2
Die Untersuchung auf Faekalstreptokokken kann durch:
- a)
Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Azid-Dextrose-Bouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Sunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44 +/- Stunden), oder
- b)
Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters entweder auf Tetrazolium-Natriumazid-Agar, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden oder in einfach konzentrierter Azid-Dextrose-Bouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44 +/- 4 Stunden)
erfolgen.
Die endgültige Diagnose ist durch Wachstum in Azid-Dextrose-Bouillon oder auf Tetrazolium-Natriumazid-Agar nicht möglich, sodass zusätzlich nach Sub- und Reinkultur auf Blutagar mindestens folgende Merkmale geprüft werden müssen:
Aesculinabbau:
positiv nach Verimpfen in Aesculinbouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 40 +/- 4 Stunden, Farbreaktion mit frischer 7%iger wässriger Lösung von Eisen-II-Chlorid
Wachstum bei pH 9,6:
positiv nach Verimpfen in Nährbouillon pH 9,6, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden
Wachstum bei 6,5%igem Kochsalzzusatz:
positiv nach Verimpfen in Nährbouillon mit 6,5 % Kochsaltzzusatz, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden.
- 3.
Die Untersuchung auf Pseudomonas aeruginosa kann durch:
- a)
Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Malachitgrünbouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütungszeit bis 44 +/- 4 Stunden), oder
- b)
Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters in einfach konzentrierter Malachitgrünbouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütungszeit bis 44 +/- 4 Stunden),
erfolgen.
Die endgültige Diagnose ist durch Wachstum in Malachitgrünbouillon nicht möglich, sodass zusätzlich nach Sub- und Reinkultur auf Laktose-Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar) oder einen anderen geeigneten Selektivagar mindestens folgende Stoffwechselmerkmale geprüft werden müssen:
Bildung von Fluorescein:
positiv nach Verimpfen auf das Medium nach King (B)F, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 44 +/- 4 Stunden
und Bildung von Pyocyanin:
positiv nach Verimpfen auf das Medium nach King (A)P, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 44 +/- 4 Stunden
oder Bildung von Ammoniak aus Acetamid:
positiv nach Verimpfen auf (ammoniumfreie) Acetamid-Standard-Mineralsalzlösung, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden, positive Reaktion mit Nessler's Reagenz.
- 4
Die Untersuchung auf sulfitreduzierende, Sporen bildende Anaerobier kann durch
- a)
Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters unter einer Schicht von Dextrose-Eisensulfat-Natriumsulfitagar, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden, Beobachtung für weitere 20 +/- 4 Stunden, Auszählung der schwarzen Kolonien, oder
- b)
Flüssiganreicherung in 50 ml doppelt konzentrierter Dextrose-Eisencitrat-Natriumsulfit-Bouillon, Bebrütungstemperatur 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius, Bebrütungszeit 20 +/- 4 Stunden, Beobachtung für weitere 20 +/- 4 Stunden, positiv bei Schwärzung des Flüssignährbodens,
erfolgen.
- 5
Bestimmung der Koloniezahl
Als Koloniezahl wird die Zahl der mit 6- bis 8facher Lupenvergrößerung sichtbaren Kolonien bezeichnet, die sich aus den in 1 ml des zu untersuchenden Wassers befindlichen Bakterien in Plattengusskulturen mit nährstoffreichen peptonhaltigen Nährböden (1 % Fleischextrakt, 1 % Pepton) bei einer Bebrütungstemperatur von 20 Grad Celsius +/- 2 Grad Celsius, nach 44 +/- 4 Stunden oder bei einer Bebrütungstemperatur von 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius nach 20 +/- 4 Stunden Bebrütungszeit bilden.
Die verschiedenen bei der Bestimmung verwendeten Nährböden unterscheiden sich hauptsächlich durch das Verfestigungsmittel, sodass folgende Methoden möglich sind:
- 5.1
Gelatinenährboden, Bebrütungstemperatur 20 Grad Celsius +/- 2 Grad Celsius,
- 5.2
Agarnährboden, Bebrütungstemperatur 20 Grad Celsius +/- 2 Grad Celsius oder 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius,
- 5.3
Kieselsäure-Phosphatbouillon-Nährboden, Bebrütungstemperatur 20 Grad Celsius +/- 2 Grad Celsius oder 37 Grad Celsius +/- 1 Grad Celsius.
- 6
Werden bei den Untersuchungen nach Nummer 1.2 und 2 bis 5 Ergebnisse erzielt, die auf eine Überschreitung der festgelegten Grenzwerte hindeuten, so ist an mindestens 4 weiteren Proben festzustellen, dass die Grenzwerte im Wasser nicht überschritten werden.