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Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 04.07.1995, Az.: 1 BvF 4/87

Arbeitskampf; Maßnahmen zur Wahrung der Tarifautonomie; Strukturelle Ungleichheiten der Tarifvertragsparteien; Parität; Grundrecht der Koalitionsfreiheit

Bibliographie

Gericht
BVerfG
Datum
04.07.1995
Aktenzeichen
1 BvF 4/87
Entscheidungsform
Urteil
Referenz
WKRS 1995, 31902
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Fundstellen

  • BVerfGE 92, 365 - 411
  • AuR 1995, 265 (Kurzinformation)
  • AuR 1996, 33-37 (Volltext mit amtl. LS)
  • AuR 1996, 11-16 (Urteilsbesprechung von Prof. Dr. Joachim Heilmann, Arno Menke)
  • BB 1995, 1538-1542 (Volltext mit amtl. LS)
  • DB 1995, 1464-1468 (Volltext mit amtl. LS)
  • DVBl 1995, 915-920 (Volltext mit amtl. LS)
  • JZ 1995, 1169-1174 (Volltext mit amtl. LS u. Anm.)
  • JuS 1996, 352
  • MDR 1995, 1039-1041 (Volltext mit amtl. LS)
  • NJ 1995, 446 (amtl. Leitsatz)
  • NJW 1996, 185-190
  • NVwZ 1996, 261 (amtl. Leitsatz)
  • NZA 1995, 1121-1126 (Urteilsbesprechung von Prof. Dr. Eckhard Kreßel)
  • NZA 1995, 754-760 (Volltext mit amtl. LS)
  • NZA 1996, 406-410 (Urteilsbesprechung von Rechtsanwalt Dr. Stephan Ory)
  • SGb 1995, 493 (amtl. Leitsatz)
  • WM 1995, 1278-1286 (Volltext mit amtl. LS)

Verfahrensgegenstand

I. über die Anträge festzustellen,

daß Art. 1 Nr. 3 b des Gesetzes zur Sicherung der Neutralität der Bundesanstalt für Arbeit bei Arbeitskämpfen vom 15. Mai 1986 (BGBl. I S. 740) mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist,

II. die Verfassungsbeschwerde gegen § 116 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 sowie Abs. 6 des Arbeitsförderungsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Sicherung der Neutralität der Bundesanstalt für Arbeit bei Arbeitskämpfen vom 15. Mai 1986 (BGBl. I S. 740)

- 1 BvR 1421/86 -

Hinweis

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Volltext siehe unter:
BVerfG - 04.07.1995 - AZ: 1 BvF 2/86

Weitere Verbundverfahren:
BVerfG - 04.07.1995 - AZ: 1 BvF 1/87
BVerfG - 04.07.1995 - AZ: 1 BvF 2/87
BVerfG - 04.07.1995 - AZ: 1 BvF 3/87
BVerfG - 04.07.1995 - AZ: 1 BvR 1421/86

Amtlicher Leitsatz

  1. 1.

    § 116 Abs. 3 Satz 1 AFG ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Treten in der Folge dieser Regelung strukturelle Ungleichheiten der Tarifvertragsparteien auf, die ein ausgewogenes Aushandeln der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen nicht mehr zulassen und durch die Rechtsprechung nicht ausgeglichen werden können, muß der Gesetzgeber Maßnahmen zur Wahrung der Tarifautonomie treffen.

  2. 2.

    Das Grundrecht der Koalitionsfreiheit bedarf der Ausgestaltung durch die Rechtsordnung, soweit es die Beziehungen zwischen Trägern widerstreitender Interessen zum Gegenstand hat. Dem Gesetzgeber kommt dabei ein weiter Handlungsspielraum zu. Bei der Beurteilung, ob die Parität zwischen den Tarifvertragsparteien gestört ist und welche Auswirkungen eine Regelung auf das Kräfteverhältnis hat, steht ihm eine Einschätzungsprärogative zu.

In den Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
des Vizepräsidenten Henschel,
der Richter Seidl, Grimm, Söllner, Kühling und der Richterinnen Seibert, Jaeger, Haas
aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 4. April 1995
durch Urteil
für Recht erkannt:

Tenor:

§ 116 Absatz 3 Satz 1 Nummer 2 und Absatz 6 des Arbeitsförderungsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Sicherung der Neutralität der Bundesanstalt für Arbeit bei Arbeitskämpfen vom 15. Mai 1986 (Bundesgesetzblatt I Seite 740) ist mit dem Grundgesetz vereinbar. § 116 Absatz 3 Satz 2 dieses Gesetzes ist nach Maßgabe der Gründe mit dem Grundgesetz vereinbar.

Die Verfassungsbeschwerde wird zurückgewiesen.

Henschel
Seidl
Grimm
Söllner
Kühling
Seibert
Jaeger
Haas