Bundesgerichtshof
Beschl. v. 24.06.2003, Az.: 1 StR 25/03
Kenntnisnahme vom Wortlaut von Urkunden durch Richter und Schöffen im Selbstleseverfahren ; Aufnahme in das Protokoll durch den Richter über die Feststellung der Kenntnisnahme von Urkunden ; Protokoll als Beweis für die Richtigkeit einer Feststellung ; Verwerfung einer Revison aufgrund fehlender Revisionsrechtfertigung
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 24.06.2003
- Aktenzeichen
- 1 StR 25/03
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2003, 25981
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- LG Mannheim - 18.07.2002
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- Kriminalistik 2004, 528 (red. Leitsatz)
- NStZ 2004, XI Heft 1 (Kurzinformation)
- NStZ 2004, 111-112 (Volltext mit amtl. LS)
- NStZ-RR 2004, 227 (Urteilsbesprechung von Ri Jörg-Peter Becker)
- StraFo 2003, 431 (Volltext)
Verfahrensgegenstand
Bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge u.a.
Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat
am 24. Juni 2003
beschlossen:
Tenor:
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Mannheim vom 18. Juli 2002 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
Ergänzend bemerkt der Senat:
Richter und Schöffen müssen nach Anordnung des Selbstleseverfahrens gemäß § 249 Abs. 2 StPO vom Wortlaut der Urkunden Kenntnis genommen haben, wie die Revision zutreffend ausführt. Der Vorsitzende muß gemäß § 249 Abs. 2 Satz 3 StPO die Feststellung "über die Kenntnisnahme" in das Protokoll aufnehmen (BGHR StPO § 249 Kenntnisnahme 1; BGH NStZ 2000, 47 = Beschluß vom 21. September 1999 - 1 StR 389/99). Das Gesetz schreibt weder vor, auf welche Art und Weise der Vorsitzende die Kenntnisnahme festzustellen hat noch die Formulierung dieser Feststellung im Protokoll. In der Sitzungsniederschrift ist - im Zusammenhang mit der Anordnung des Selbstleseverfahrens gemäß § 249 Abs. 2 StPO - vermerkt:
"Es wird festgestellt, daß die Schöffen und die Berufsrichter erklärten, daß sie vom Inhalt aller im Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführten Urkunden Kenntnis genommen haben."
Da dieser Feststellung nach dem Protokoll die Anordnung des Selbstleseverfahrens vorausgegangen ist, läßt die Gesamtheit des Protokolls den Schluß zu, daß die festgestellte Kenntnisnahme laut abgegebener Erklärungen durch Selbstlesen erfolgt ist. Dann aber haben die Erklärenden sowohl vom Inhalt als auch vom Wortlaut Kenntnis genommen. Das Protokoll beweist hier die Feststellung der Kenntnisnahme. Es kann grundsätzlich keinen Beweis (§ 274 StPO) für die Richtigkeit der Feststellung erbringen, ob nämlich die Erklärenden tatsächlich vom Wortlaut Kenntnis genommen haben.
Vorsorglich hat der Senat dienstliche Äußerungen eingeholt, in denen die Berufsrichter und Schöffen bestätigt haben, daß die Kenntnisnahme - auch des Wortlauts - durch Selbstlesen erfolgt ist. Dies war nach den dienstlichen Äußerungen auch Inhalt der abgegebenen Erklärungen und damit auch der protokollierten "Feststellung".
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