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Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 21.11.2001, Az.: 1 BvR 2358/94

Wert des Gegenstandes einer anwaltlichen Tätigkeit

Bibliographie

Gericht
BVerfG
Datum
21.11.2001
Aktenzeichen
1 BvR 2358/94
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2001, 32767
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
SG Halle - 30.06.1992 - AZ: S 5 An 138/92
SG Magdeburg 18.08.1992 - S (KG) 8 An 4/92
SG Magdeburg - 18.08.1992 - AZ: S (KG) 8 An 4/92
SG Halle - 18.05.1993 - AZ: S 4 An 9/93
SG Leipzig - 08.07.1993 - AZ: S 5 An 48/92
SG Potsdam - 08.07.1993 - S 3a An 829/92
LSG Sachsen-Anhalt - 25.08.1993 - AZ: L 1 An 40/92
LSG Sachsen-Anhalt - 25.08.1993 - AZ: L 1 An 44/92
LSG Brandenburg - 20.01.1994 - AZ: L 2 An 27/93
BSG - 10.05.1994 - AZ: 4 RA 47/93
BSG - 10.05.1994 - AZ: 4 RA 49/93
BSG - 29.09.1994 - AZ: 4 RA 7/94
BSG -15.12.1994 - AZ: 4 RA 23/94
nachfolgend
BVerfG - 21.11.2001 - AZ: 1 BvL 19/93
BVerfG - 21.11.2001 - AZ: 1 BvR 308/95
BVerfG - 22.01.2003 - AZ: 1 BvR 1513/94
BVerfG - 22.01.2003 - AZ: 1 BvR 2358/94
BVerfG - 22.01.2003 - AZ: 1 BvR 308/95

Fundstellen

  • BVerfGE 104, 126 - 150
  • DVBl 2002, 606-608 (Volltext mit amtl. LS)

Verfahrensgegenstand

Verfassungsrechtliche Prüfung,
ob § 11 Abs. 5 Satz 2 des Gesetzes zur Überführung der Ansprüche und Anwartschaften aus Zusatz- und Sonderversorgungssystemen des Beitrittsgebiets (Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz - AAÜG) in der Fassung des Gesetzes zur Herstellung der Rechtseinheit in der gesetzlichen Renten- und Unfallversicherung (Renten-Überleitungsgesetz - RÜG) vom 25. Juli 1991 (BGBl. I S. 1606, 1677) insoweit Art. 3 Abs. 1 GG verletzt, als Dienstbeschädigungsteilrenten, die neben Invalidenrenten gewährt wurden, ab 1. August 1991 eingestellt worden sind,
und
ob § 9 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AAÜG in der Fassung des Renten-Überleitungsgesetzes insoweit Art. 3 Abs. 1 GG verletzt, als Dienstbeschädigungsteilrenten auf Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit angerechnet werden,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Sozialgerichts Leipzig vom 8. Juli 1993 - S 5 An 48/92 -
- 1 BvL 19/93 -

und Verfassungsbeschwerden
I.
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Bundessozialgerichts vom 10. Mai 1994 - 4 RA 49/93 -,
b) das Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 25. August 1993 - L 1 An 44/92 -,
c) das Urteil des Sozialgerichts Magdeburg vom 18. August 1992 - S (KG) 8 An 4/92 -,
d) den Bescheid des Wehrbereichsgebührnisamtes VII vom 23. Juli 1991 - 67-01-00 - in der Fassung des Widerspruchsbescheids der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 3. Dezember 1991 - II B 4 Az 20-01-10 -,
2. mittelbar gegen § 11 Abs. 2 und Abs. 5 Satz 2 AAÜG
- 1 BvR 1318/94 -,
II.
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Bundessozialgerichts vom 10. Mai 1994 - 4 RA 47/93 -,
b) das Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 25. August 1993 - L 1 An 40/92 -,
c) das Urteil des Sozialgerichts Halle vom 30. Juni 1992 - S 5 An 138/92 -,
d) den Bescheid der Bezirksregierung Halle vom 20. September 1991 in der Fassung des Widerspruchsbescheids vom 22. Januar 1992 - 14.P -,
2. mittelbar gegen § 11 Abs. 5 Satz 2 AAÜG
- 1 BvR 1513/94 -,
III.
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Bundessozialgerichts vom 29. September 1994 - 4 RA 7/94 -,
b) das Urteil des Sozialgerichts Halle vom 18. Mai 1993 - S 4 An 9/93 -,
c) den Bescheid des Wehrbereichsgebührnisamtes VII vom 29. Mai 1992 in der Fassung des Widerspruchsbescheids der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 18. Dezember 1992 - II B 4.030 Az 20-01-10 -,
2. mittelbar gegen § 11 Abs. 5 Satz 2 AAÜG
- 1 BvR 2358/94 -,
IV.
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Bundessozialgerichts vom 15. Dezember 1994 - 4 RA 23/94 -,
b) das Urteil des Landessozialgerichts für das Land Brandenburg vom 20. Januar 1994 - L 2 An 27/93 -,
c) das Urteil des Sozialgerichts Potsdam vom 8. Juli 1993 - S 3a An 829/92 -,
d) den Bescheid des Bundesverwaltungsamtes - Außenstelle Berlin-Lichtenberg - vom 31. Juli 1991 in der Fassung des Widerspruchsbescheids vom 7. November 1991 - IX 4 -,
2. mittelbar gegen§ 11 Abs. 5 Satz 2 AAÜG
- 1 BvR 308/95 -

Hinweis

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Volltext siehe unter:
BVerfG -21.11.2001 -AZ: 1 BvR 19/93

Weitere Verbundverfahren:
BVerfG - 21.11.2001 - AZ: 1 BvR 1318/94
BVerfG - 21.11.2001 - AZ: - 1 BvR 1513/94
BVerfG - 21.11.2001 - AZ: - 1 BvR 308/95

Amtlicher Leitsatz

Es verstößt gegen Art. 3 Abs. 1 GG, wenn der Gesetzgeber im Zuge der Wiedervereinigung die Zahlung von Dienstbeschädigungsteilrenten beendet, die den Angehörigen von Sonderversorgungssystemen der Deutschen Demokratischen Republik zum Ausgleich einer durch Dienstunfall oder Diensterkrankung verursachten Beschädigung gewährt wurden, demgegenüber aber die ostdeutschen Unfallrenten in die gesamtdeutsche gesetzliche Unfallversicherung überführt.

In dem Verfahren zur verfassungsrechtlichen Prüfung und
in den Verfahren über die Verfassungsbeschwerden
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
des Vizepräsidenten Papier,
der Richterinnen Jaeger, Haas,
der Richter Hömig, Steiner,
der Richterin Hohmann-Dennhardt und
der Richter Hoffmann-Riem, Bryde
am 21. November 2001
beschlossen:

Tenor:

  1. 1.

    § 9 Absatz 1 Nummer 2 Satz 2 des Gesetzes zur Überführung der Ansprüche und Anwartschaften aus Zusatz- und Sonderversorgungssystemen des Beitrittsgebiets (Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz - AAÜG) vom 25. Juli 1991 (Bundesgesetzblatt I Seite 1606, 1677) ist mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit auf Grund der in der Vorschrift angeordneten Anrechnung die Dienstbeschädigungsteilrente wegfällt.

  2. 2.

    § 11 Absatz 2 und Absatz 5 Satz 2 des Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetzes sowie § 11 Absatz 2 Satz 1 und Absatz 5 Satz 2 dieses Gesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Änderung und Ergänzung des Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetzes (AAÜG-Änderungsgesetz - AAÜG-ÄndG) vom 11. November 1996 (Bundesgesetzblatt I Seite 1674) sind mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit danach Dienstbeschädigungsteilrenten nicht gewährt werden.

  3. 3.

    Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 10. Mai 1994 - RA 49/93 -, das Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 25. August 1993 - L 1 An 44/92 -, das Urteil des Sozialgerichts Magdeburg vom 18. August 1992 - S (KG) 8 An 4/92 - und der Bescheid des Wehrbereichsgebührnisamtes VII vom 23. Juli 1991 - 67-01-00 - in der Fassung des Widerspruchsbescheids der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 3. Dezember 1991 - II B 4 Az 20-01-10 - verletzen den Beschwerdeführer zu 1 in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Urteile des Bundessozialgerichts und des Landessozialgerichts werden aufgehoben. Die Sache wird an das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt zurückverwiesen.

  4. 4.

    Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 10. Mai 1994 - 4 RA 47/93 -, das Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 25. August 1993 - L 1 An 40/92 -, das Urteil des Sozialgerichts Halle vom 30. Juni 1992 - S 5 An 138/92 - und der Bescheid der Bezirksregierung Halle vom 20. September 1991 in der Fassung des Widerspruchsbescheids vom 22. Januar 1992 - 14.P - verletzen den Beschwerdeführer zu 2 in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Urteile des Bundessozialgerichts und des Landessozialgerichts werden aufgehoben. Die Sache wird an das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt zurückverwiesen.

  5. 5.

    Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 29. September 1994 - 4 RA 7/94 -, das Urteil des Sozialgerichts Halle vom 18. Mai 1993 - S 4 An 9/93 - und der Bescheid des Wehrbereichsgebührnisamtes VII vom 29. Mai 1992 in der Fassung des Widerspruchsbescheids der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 18. Dezember 1992 - II B 4.030 Az 20-01-10 - verletzen den Beschwerdeführer zu 3 in seinem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Urteile werden aufgehoben. Die Sache wird an das Sozialgericht Halle zurückverwiesen.

  6. 6.

    Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 15. Dezember 1994 - 4 RA 23/94 -, das Urteil des Landessozialgerichts für das Land Brandenburg vom 20. Januar 1994 - L 2 An 27/93 -, das Urteil des Sozialgerichts Potsdam vom 8. Juli 1993 - S 3a An 829/92 - und der Bescheid des Bundesverwaltungsamtes - Außenstelle Berlin-Lichtenberg - vom 31. Juli 1991 in der Fassung des Widerspruchsbescheids vom 7. November 1991 - IX 4 - verletzen die Beschwerdeführerin zu 4 in ihrem Grundrecht aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Urteile des Bundessozialgerichts und des Landessozialgerichts werden aufgehoben. Die Sache wird an das Landessozialgericht für das Land Brandenburg zurückverwiesen.

  7. 7.

    Die Bundesrepublik Deutschland hat den Beschwerdeführern die notwendigen Auslagen zu erstatten.