Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 11.02.2003, Az.: 1 BvR 70/01
Gesetzliches Verbot Impfstoffe an Ärzte zu versenden; Werbung für Impfstoffe gegenüber Ärzten; Verletzung der Berufsfreiheit der Apotheker; Vermeidung der Mehrbelastung der Krankenkassen durch Preiswettbewerb; Gewährung der Arzneimittelsicherheit durch Übersendungsverbote; Versandhandelsverbot zwischen Apotheke und Arzt zur Begegnung von Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung bei Vorsorgeimpfungen
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 11.02.2003
- Aktenzeichen
- 1 BvR 70/01
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2003, 22239
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- BGH - 06.04.2000 - AZ: I ZR 294/97
- OLG Hamm - 21.10.1997 - AZ: 4 U 70/97
- LG Münster - 14.02.1997 - AZ: 23 O 13/97
- BVerwG - 19.10.2000 - AZ: 3 C 32/99
- OVG Nordrhein-Westfalen - 26.08.1999 - AZ: 13 A 202/99
Rechtsgrundlage
Fundstellen
- BVerfGE 107, 186 - 205
- ArztR 2004, 75
- DVBl 2003, 658-661 (amtl. Leitsatz)
- MedR 2003, 289 (Pressemitteilung)
- WRP 2003, 491-496 (Volltext mit red. LS) "Impfstoffversand an Ärzte"
- ZAP 2003, 701
Amtlicher Leitsatz
Das gesetzliche Verbot, Impfstoffe an Ärzte zu versenden und hierfür zu werben, verletzt die Apotheker in ihrem Grundrecht aus Art. 12 Abs. 1 GG.
Tenor:
- 1.
§ 43 Absatz 1 Satz 1 des Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz) in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Dezember 1998 (Bundesgesetzblatt I Seite 3586), § 17 Absatz 1 Satz 1 und Absatz 2 Satz 1 der Verordnung über den Betrieb von Apotheken (Apothekenbetriebsordnung - ApBetrO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 26. September 1995 (Bundesgesetzblatt I Seite 1195) sowie § 8 Absatz 1 Satz 1 des Gesetzes über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Oktober 1994 (Bundesgesetzblatt I Seite 3068) sind mit Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig, soweit die genannten Normen dem Apotheker verbieten, Impfstoffe an Ärzte zu versenden und hierfür zu werben.
- 2.
Die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 6. April 2000 - I ZR 294/97 -, des Oberlandesgerichts Hamm vom 21. Oktober 1997 - 4 U 70/97 - und des Landgerichts Münster vom 14. Februar 1997 - 23 O 13/97 - verletzen das Grundrecht des Beschwerdeführers zu I. aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes. Das Urteil des Bundesgerichtshofs wird aufgehoben. Das Verfahren wird an den Bundesgerichtshof zurückverwiesen.
- 3.
Die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Oktober 2000 - 3 C 32. 99 -, des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 26. August 1999 - 13 A 202/99 -, der Widerspruchsbescheid der Bezirksregierung Köln vom 30. Oktober 1995 - 24. 31. 06 - und die Untersagungsverfügung des Oberkreisdirektors des Rheinisch-Bergischen Kreises vom 9. Juni 1995 - 5322 - verletzen das Grundrecht des Beschwerdeführers zu II. aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wird aufgehoben. Das Verfahren wird an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwiesen.
- 4.
Die Bundesrepublik Deutschland hat den Beschwerdeführern die notwendigen Auslagen zu erstatten.
Hinweis: verbundenes Verfahren
Volltext unter BVerfG vom 11.02.2003 - Az: 1 BvR 1972/00