Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 20.09.2007, Az.: 1 BvR 1644/00
Vorliegen einer schriftlichen Vollmacht als zwingende Wirksamkeitsvoraussetzung für beim Bundesverfassungsgericht anhängig gemachte Anträge; Grundsatz der Offizialmaxime beim Nachweis der Bevollmächtigung
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 20.09.2007
- Aktenzeichen
- 1 BvR 1644/00
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2007, 40965
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- LG Köln - 08.10.1998 - AZ: 15 O 411/95
- OLG Köln - 30.03.2000 - AZ: 1 U 108/98
- BVerfG - 20.08.2002 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 20.08.2002 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 04.02.2003 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 04.02.2003 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 10.12.2003 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 10.12.2003 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 14.05.2004 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 14.05.2004 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 10.11.2004 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 10.11.2004 - AZ: 1 BvR 1644/00
- BVerfG - 19.04.2005 - AZ: 1 BvR 1644/00
- nachfolgend
- OLG Köln - 11.05.2009 - AZ: 2 U 77/05
- BGH - 13.04.2011 - AZ: IV ZR 102/09
Rechtsgrundlagen
Fundstelle
- NJW-RR 2008, 447-448 (Volltext mit red. LS)
Verfahrensgegenstand
Verfassungsbeschwerde
1. unmittelbar gegen
a) das Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 30. März 2000 - 1 U 108/98 -,
b) das Schlussurteil des Landgerichts Köln vom 8. Oktober 1998 - 15 0 411/95 -,
2. mittelbar gegen
§§ 829, 2303, 2333 Nr. 1 und 2, §§ 2337, 2339 Abs. 1 Nr. 1, §§ 2343, 2345 Abs. 2 BGB
und Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung
hier: sofortige Beschwerde gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss vom 30. März 2007
In dem Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
des Präsidenten Papier,
des Richters Steiner,
der Richterin Hohmann-Dennhardt und
der Richter Hoffmann-Riem, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier
am 20. September 2007
beschlossen:
Tenor:
Die sofortige Beschwerde gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss vom 30. März 2007 wird verworfen.
Gründe
Die nach § 11 Abs. 1 RPflG in Verbindung mit § 104 Abs. 3 ZPO statthafte sofortige Beschwerde ist nicht wirksam erhoben, weil der Vertreter des Beschwerdeführers - auch nach Aufforderung durch das Gericht - den Nachweis seiner Bevollmächtigung gemäß § 22 Abs. 2 BVerfGG nicht geführt hat.
Nach § 22 Abs. 2 BVerfGG ist eine Vollmacht schriftlich zu erteilen und muss sich ausdrücklich auf das verfassungsgerichtliche Verfahren beziehen. Der das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht beherrschende Grundsatz der Offizialmaxime erfordert, dass das Gericht das Vorliegen einer Vollmacht von Amts wegen nachprüft (vgl. BVerfGE 1, 433 <436>[BVerfG 18.09.1952 - 1 BvR 49/51]). Das Vorliegen einer schriftlichen Vollmacht ist zwingende Wirksamkeitsvoraussetzung für die beim Bundesverfassungsgericht anhängig gemachten Anträge. Zwar kann der Nachweis der Bevollmächtigung auch noch nach Eingang der Anträge beim Bundesverfassungsgericht geführt werden. Wird dem Mangel der Vollmacht jedoch nicht abgeholfen, so kann der Antrag als unzulässig verworfen werden (vgl. BVerfGE 62, 194 <200>[BVerfG 03.11.1982 - 2 BvH 3/80]).
§ 22 Abs. 1 BVerfGG, der die Prozessvertretung regelt, bezieht sich ausdrücklich auf die Vertretung "in jeder Lage des Verfahrens". Nach Wortlaut, systematischer Stellung und Normzweck ist auch § 22 Abs. 2 BVerfGG in jedem Verfahrensstadium zu beachten. Der Grundsatz, dass die schriftliche Vollmacht Wirksamkeitsvoraussetzung ist, gilt daher auch für Rechtsmittel im Rahmen des Kostenfestsetzungsverfahrens. Da insoweit eine Sonderregelung für das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht besteht, scheidet ein Rückgriff auf das geltende sonstige Prozessrecht aus (vgl. BVerfGE 1, 109 <110 f.>[BVerfG 31.01.1952 - 1 BvR 68/51]).
Der Vertreter des Beschwerdeführers wurde mit Schreiben vom 4. Juni 2007 darauf hingewiesen, dass sich die von ihm in Bezug genommene Vollmacht nicht bei den Akten befinde, und gebeten, eine Vollmacht entsprechend § 22 BVerfGG zu übersenden. Eine schriftliche Vollmacht wurde bis heute nicht vorgelegt.
Die sofortige Beschwerde konnte daher als unzulässig verworfen werden (vgl. BVerfGE 62, 194 <200>[BVerfG 03.11.1982 - 2 BvH 3/80]).
Steiner
Hohmann-Dennhardt
Hoffmann-Riem
Bryde
Gaier
Eichberger
Schluckebier