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Bundesarbeitsgericht
Urt. v. 22.05.2012, Az.: 9 AZR 575/10

Verfall des tariflichen Mehrurlaubs gemäß § 26 TVöD bei Arbeitsunfähigkeit

Bibliographie

Gericht
BAG
Datum
22.05.2012
Aktenzeichen
9 AZR 575/10
Entscheidungsform
Urteil
Referenz
WKRS 2012, 21005
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LAG Rheinland-Pfalz - 19.08.2010 - AZ: 10 Sa 244/10

Fundstellen

  • AUR 2012, 269-270
  • AUR 2012, 413
  • ArbRB 2012, 165 (Pressemitteilung)
  • ArbRB 2013, 71-72
  • ArztR 2012, 300
  • AuA 2012, 433
  • AuR 2012, 269-270
  • AuR 2012, 413
  • BB 2012, 2304
  • BB 2013, 1975
  • DB 2012, 19
  • DStR 2012, 2238-2239
  • EzA-SD 11/2012, 11 (Pressemitteilung)
  • EzA-SD 18/2012, 12
  • FA 2012, 220-221 (Pressemitteilung)
  • FA 2012, 319-320
  • FStBay 2012, 776-777
  • NJ 2012, 8
  • NZA 2012, 8 (Pressemitteilung)
  • NZA-RR 2013, 48-50
  • PersR 2012, 411-413
  • ZTR 2012, 275
  • ZTR 2012, 330
  • ZTR 2012, 576
  • schnellbrief 2012, 7

1. Die Tarifvertragsparteien können Urlaubs- und Urlaubsabgeltungsansprüche, die den von Art. 7 Abs. 1 der Arbeitszeitrichtlinie gewährleisteten und von § 3 Abs. 1 BUrlG begründeten Anspruch auf Mindestjahresurlaub von vier Wochen übersteigen (tariflicher Mehrurlaub), frei regeln.

2. Sie können deshalb auch bei fortdauernder Arbeitsunfähigkeit wirksam den Verfall von tariflichen Mehrurlaubsansprüchen am Ende des Urlaubsjahres und/oder eines kurzen Übertragungszeitraums von wenigen Monaten vorsehen.

3. Ob die Tarifvertragsparteien den tariflichen Mehrurlaub gemäß den Regeln über den gesetzlichen Mindesturlaub behandelt wissen oder abweichende Regeln schaffen wollten, ist durch Auslegung zu ermitteln. Ein "Gleichlauf" des gesetzlichen Urlaubsanspruchs und des Anspruchs auf tariflichen Mehrurlaub bezüglich des Verfalls ist nicht gewollt, wenn die Tarifvertragsparteien entweder bei der Befristung und Übertragung bzw. beim Verfall des Urlaubs zwischen gesetzlichem Mindesturlaub und tarifvertraglichem Mehrurlaub unterschieden oder sich vom gesetzlichen Fristenregime gelöst und eigenständige, vom Bundesurlaubsgesetz abweichende Regelungen zur Befristung und Übertragung bzw. zum Verfall des Urlaubsanspruchs getroffen haben.

4. Aus der nach diesen Grundsätzen vorzunehmenden Tarifauslegung folgt, dass die Tarifvertragsparteien des TVöD ein eigenständiges Fristenregime für den Verfall des Mehrurlaubs geschaffen haben, sodass dieser auch bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit nicht mehr in Anspruch genommen werden kann.