Bundesgerichtshof
Beschl. v. 18.02.2003, Az.: XI ZB 10/02
Reisekostenerstattung bei Zuziehung eines ortsansässigen Rechtsanwalts im Rechtsstreit an einem auswärtigem Gericht; Zuziehung eines Rechtsanwalts in der Nähe des Wohnsitzes als Maßnahme zweckentsprechender Rechtsverfolgung bei einem auswärtigem Rechtsstreit; Notwendigkeit eingehender Mandantengespräche für die Prozessführung; Erfordernis der mündlichen Besprechung bei Routinefällen
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 18.02.2003
- Aktenzeichen
- XI ZB 10/02
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2003, 23597
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- OLG Dresden vom 16.04.2002
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- AnwBl 2003, 311
- BRAGOreport 2003, 94
- JurBüro 2003, 427 (Volltext mit red. LS)
- ZAP 2003, 514
Tenor:
Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des 3. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 16. April 2002 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.
Der Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren beträgt 434,45 EUR.
Gründe
Die gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist zulässig, jedoch unbegründet. Die Klägerin kann von dem Beklagten die Reisekosten ihrer erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten erstattet verlangen.
Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, daß die Zuziehung eines in der Nähe ihres Wohn- oder Geschäftsortes ansässigen Rechtsanwalts durch eine an einem auswärtigen Gericht klagende oder verklagte Partei im Regelfall eine notwendige Maßnahme zweckentsprechender Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung im Sinne von § 91 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 ZPO darstellt (Beschlüsse vom 16. Oktober 2002 - VIII ZB 30/02, EBE/BGH 2002, 398, 399 f. und vom 12. Dezember 2002 - I ZB 29/02, Umdr. S. 5, 6).
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz kann dann eingreifen, wenn schon im Zeitpunkt der Beauftragung des Rechtsanwalts feststeht, daß ein eingehendes Mandantengespräch für die Prozeßführung nicht erforderlich sein wird (BGH, Beschluß vom 16. Oktober 2002 aaO S. 400). Diese Voraussetzungen liegen hier jedoch nicht vor. Das Beschwerdegericht hat rechtsfehlerfrei festgestellt, daß es für die Klägerin angesichts der Besonderheiten des Falles kein Routinegeschäft gewesen ist, den Beklagten im Wege der Klage aus der von ihm übernommenen Bürgschaft in Anspruch zu nehmen. Bei dieser Sachlage war es auch aus Sicht der Klägerin, einer über eine Rechtsabteilung verfügenden Bank, ohne weiteres denkbar, daß eine sachgerechte und ihre Interessen vollständig wahrende Prozeßführung die mündliche Besprechung tatsächlicher oder rechtlicher Fragen mit dem Prozeßbevollmächtigten erforderlich machen würde.
Streitwertbeschluss:
Der Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren beträgt 434,45 EUR.