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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 09.10.2006, Az.: II ZR 303/05

Voraussetzungen des Eingreifens der Insolvenzverschleppungshaftung nach § 64 Absatz 2 GmbH-Gesetz (GmbHG) wegen einer Überschuldung im Sinne des § 19 Absatz 2 Insolvenzordnung (InsO); Zur Auslegung des Begriffs der Überschuldung in § 19 Absatz 2 InsO

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
09.10.2006
Aktenzeichen
II ZR 303/05
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2006, 24580
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LG Berlin - AZ: 21 O 523/04 - 11.01.2005
KG Berlin - 01.11.2005 - AZ: 7 U 49/05

Fundstellen

  • BB 2007, 125 (Volltext mit amtl. LS)
  • BBKM 2007, 85
  • BBKM 2007, 131-132
  • BGHR 2007, 17
  • BGHReport 2007, 17
  • BKR 2007, 372 (Volltext mit amtl. LS)
  • DB 2006, 17
  • DB 2006, XI Heft 46 (amtl. Leitsatz)
  • DStR 2006, XII Heft 48 (amtl. Leitsatz)
  • DStR 2007, 628-629 (Kurzinformation)
  • DZWIR 2007, 42 (Volltext mit amtl. LS)
  • GmbH-StB 2007, 7 (Volltext mit amtl. LS u. Anm.)
  • GmbHR 2006, 1334
  • JZ Information 2006, 664* (amtl. Leitsatz)
  • KSI 2007, 88-89
  • MDR 2007, 358 (Volltext mit amtl. LS)
  • NZI 2007, 44 (Volltext mit red./amtl. LS)
  • NZI (Beilage) 2007, 46 (amtl. Leitsatz)
  • WM 2006, 2254 (Volltext mit amtl. LS)
  • WuB 2007, 117
  • WuB 2007, 151
  • ZIP 2006, 2171 (Volltext mit amtl. LS)
  • ZInsO 2007, 36-37 (Volltext mit amtl. LS)

Amtlicher Leitsatz

Zur Auslegung des Begriffs der Überschuldung in § 19 Abs. 2 InsO im Hinblick auf die Insolvenzverschleppungshaftung nach § 64 Abs. 2 GmbHG.

Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat
am 9. Oktober 2006
durch
den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und
die Richter Dr. Kurzwelly, Prof. Dr. Gehrlein, Caliebe und Dr. Reichart
beschlossen:

Tenor:

  1. I.

    Die Beschwerde des Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 7. Zivilsenats des Kammergerichts Berlin vom 1. November 2005 wird auf seine Kosten zurückgewiesen.

  2. II.

    Streitwert: 90.338,32 EUR.

Gründe

1

Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegründet.

2

Es liegt keiner der im Gesetz vorgesehenen Gründe vor, nach denen der Senat die Revision zulassen darf (§ 543 Abs. 2 ZPO). Der Rechtsstreit der Parteien hat weder grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert er eine Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung.

3

Entgegen der Ansicht der Nichtzulassungsbeschwerde, die sich hierfür auf keine Belege in Rechtsprechung und Wissenschaft berufen kann, ist die Auslegung der neuen Vorschrift des § 19 Abs. 2 InsO nicht zweifelhaft. Aus dem Aufbau der Norm des § 19 Abs. 2 InsO folgt ohne weiteres, dass die Überschuldungsprüfung nach Liquidationswerten in Satz 1 den Regelfall und die nach Fortführungswerten in Satz 2, der eine positive Fortbestehensprognose voraussetzt, den Ausnahmefall darstellt. Im Haftungsprozess wegen Insolvenzverschleppung nach § 64 Abs. 2 GmbHG hat die Geschäftsleitung daher die Umstände darzulegen und notfalls zu beweisen, aus denen sich eine günstige Prognose für den fraglichen Zeitraum ergibt. Aus dem Gesetzeswortlaut des § 19 Abs. 2 Satz 2 InsO folgt außerdem zweifelsfrei, dass eine günstige Fortführungsprognose sowohl den Fortführungswillen des Schuldners bzw. seiner Organe als auch die objektive - grundsätzlich aus einem aussagekräftigen Unternehmenskonzept (sog. Ertrags- und Finanzplan) herzuleitende - Überlebensfähigkeit des Unternehmens voraussetzt.

4

Von einer weiteren näheren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. Halbsatz ZPO abgesehen.

Streitwertbeschluss:

Streitwert: 90.338,32 EUR.

Goette
Kurzwelly
Gehrlein
Caliebe
Reichart