Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 23.06.2004, Az.: 1 BvL 2/03
Berücksichtigung von Arbeitsentgelten oder Arbeitseinkommen zusatzversorgter und sonderversorgter Personen in der gesetzlichen Rentenversicherung; Überleitung von Renten aus Zusatzversorgungssystemen und Sonderversorgungssystemen der DDR in die gesetzliche Rentenversicherung des wiedervereinigten Deutschlands; Benachteiligung gegenüber Rentnern aus dem Beitrittsgebiet; Aussonderung "politisch überhöhter" und damit für die Wertbestimmung von Rentenrechten nach dem SGB VI außer Acht zu lassende Entgeltanteile oder Verdienstanteile; Begrenzung von systembedingten Privilegien entspringenden überhöhten Arbeitsentgelten; Gleichstellung von "hohem Einkommen" und "überhöhtem Einkommen"; Rentenrechtliche Berücksichtigung altersabhängiger Einkommenselemente; Vorliegen einer Privilegierung beim Arbeitsentgelt durch eine besondere Systemnähe
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 23.06.2004
- Aktenzeichen
- 1 BvL 2/03
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2004, 30448
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- SG Berlin - 30.09.2002 - AZ: S 35 RA 549/96 W01
- SG Berlin - 15.04.2002 - AZ: S 18 RA 3109/96 W00 W02
- SG Halle - 17.02.1998 - AZ: S 6 An 157/97
Rechtsgrundlagen
- § 6 Abs. 2 S. 1 AAÜG 1996
- § 6 Abs. 2 S. 2 AAÜG 1996
- § 6 Abs. 3 Nr. 8 AAÜG 2001
- § 5 Abs. 1 AAÜG
- Art. 13 Abs. 7 des 2. AAÜG-Änderungsgesetzes 2001
- Art. 3 Abs. 1 GG
- Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG
- Art. 20 Abs. 1 GG
- Art. 1 RÜG
- § 254b Abs. 1 SGB VI
- § 254d Abs. 1 Nr. 1 SGB VI
Fundstellen
- BVerfGE 111, 115 - 146
- LKV 2005, 351-354 (Volltext mit amtl. LS)
- ZTR 2004, 548
Verfahrensgegenstand
Verfassungsrechtliche Prüfung,
ob § 6 Abs. 2 Satz 1 und 2 AAÜG in der Fassung des AAÜG-ÄndG vom 11. November 1996 (BGBl I S. 1674) insoweit mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist, als die bei der Berechnung einer Rente nach dem SGB VI zugrunde zu legenden Arbeitsentgelte aus einer Tätigkeit als Offizier der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik in jedem Fall zu kürzen sind, falls sie die Werte der Anlage 4 zum AAÜG bei einer Addition der in § 6 Abs. 2 Satz 2 AAÜG genannten Entgelte - insbesondere der Vergütung für das Dienstalter - überschreiten,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Sozialgerichts Halle vom 17. Februar 1998
(S 6 An 157/97) -,
- 1 BvL 3/98 -,
ob § 6 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 Nr. 8 in Verbindung mit den Anlagen 4 und 5 AAÜG in der Fassung des 2. AAÜG-Änderungsgesetzes vom 27. Juli 2001 (BGBl I S. 1939) insoweit mit Art. 3 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 Satz 1 sowie Art. 20 Abs. 1 des Grundgesetzes vereinbar ist, als die sozialversicherungspflichtigen Entgelte in jedem Fall um die Beträge oberhalb der jeweiligen Durchschnittsverdienste, wie sie in der Anlage 5 des AAÜG bestimmt sind, gekürzt werden, falls die Summe der in § 6 Abs. 2 Satz 2 AAÜG genannten Einkünfte die jeweiligen Werte der Anlage 4 zum AAÜG überschreitet,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Sozialgerichts Berlin vom 15. April 2002 (S
18 RA 3109/96 - W00-W02) -,
- 1 BvL 9/02 -,
ob § 6 Abs. 2 Satz 1 und 2 AAÜG in der Fassung des 2. AAÜG-Änderungsgesetzes vom 27. Juli 2001 (BGBl I S. 1939) insoweit mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist, als die bei der Berechnung einer Rente nach dem SGB VI zugrunde zu legenden Arbeitsentgelte aus einer Tätigkeit als Abteilungsleiter im Ministerium für Bauwesen der Deutschen Demokratischen Republik in jedem Fall zu kürzen sind, falls sie die Werte der Anlage 4 zum AAÜG bei einer Addition der in § 6 Abs. 2 Satz 2 AAÜG genannten Beträge erreichen,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Sozialgerichts Berlin vom 30. September 2002
(S 35 RA 549/96 W01) -,
- 1 BvL 2/03 -
Amtlicher Leitsatz
Zur Verfassungsmäßigkeit der Regelungen des § 6 Abs. 2 und des § 6 Abs. 3 Nr. 8 des Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetzes (AAÜG) in der Fassung des AAÜG-Änderungsgesetzes von 1996 und des 2. AAÜG-Änderungsgesetzes von 2001 über die Berücksichtigung von Arbeitsentgelten oder Arbeitseinkommen zusatz- und sonderversorgter Personen in der gesetzlichen Rentenversicherung (im Anschluss an BVerfGE 100, 59).
In dem Verfahren zur verfassungsrechtlichen Prüfung
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
der Richterinnen Jaeger, Haas,
der Richter Hömig, Steiner,
der Richterin Hohmann-Dennhardt,
der Richter Hoffmann-Riem, Bryde und
der Richterin Lübbe-Wolff
am 23. Juni 2004 beschlossen:
Tenor:
- 1.
§ 6 Absatz 2 (in Verbindung mit den Anlagen 4 und 5) und § 6 Absatz 3 Nummer 8 des Gesetzes zur Überführung der Ansprüche und Anwartschaften aus Zusatz- und Sonderversorgungssystemen des Beitrittsgebiets (Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz - AAÜG) vom 25. Juli 1991 (Bundesgesetzblatt I Seite 1606, 1677) in der Fassung des Gesetzes zur Änderung und Ergänzung des Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetzes (AAÜG-Änderungsgesetz - AAÜG-ÄndG) vom 11. November 1996 (Bundesgesetzblatt I Seite 1674) und des Zweiten Gesetzes zur Änderung und Ergänzung des Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetzes (2. AAÜG-Änderungsgesetz - 2. AAÜG-ÄndG) vom 27. Juli 2001 (Bundesgesetzblatt I Seite 1939) sind mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar.
- 2.
Der Gesetzgeber ist verpflichtet, bis zum 30. Juni 2005 eine verfassungsgemäße Regelung zu treffen.
Hinweis: Verbundenes Verfahren
Volltext siehe unter:
BVerfG - 23.06.2004 - AZ: 1 BvL 3/98Weitere Verbundverfahren:
BVerfG - 23.06.2004 - AZ: 1 BvL 9/02