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Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 09.12.2008, Az.: 2 BvL 1/08

Verfassungsmäßigkeit der Neuregelung der sog. "Pendlerpauschale" in § 9 Abs. 2 S. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) i.d.F. des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006; Anforderungen an eine folgerichtige Abgrenzung von Erwerbsaufwendungen im Einkommensteuerrecht; Gesetzgeberischer Gestaltungsspielraum für die Regelung der Absetzbarkeit der Aufwendungen eines Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte; Vorgaben bis zu einer gesetzlichen Neuregelung der sog. "Pendlerpauschale"; Umfang und verfassungsmäßige Grenzen des gesetzgeberischen Gestaltungsspielraums im Bereich des Steuerrechts bei der Auswahl des Steuergegenstandes und bei der Bestimmung des Steuersatzes; Folgen der Feststellung der Unvereinbarkeit einer Norm mit dem allgemeinen Gleichheitssatz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG durch das Bundesverfassungsgericht

Bibliographie

Gericht
BVerfG
Datum
09.12.2008
Aktenzeichen
2 BvL 1/08
Entscheidungsform
Urteil
Referenz
WKRS 2008, 26425
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
BFH - 10.01.2008 - AZ: VI R 17/07
BFH - 10.01.2008 - AZ: VI R 27/07
FG Saarland - 22.03.2007 - AZ: 2 K 2442/06
FG Niedersachsen - 27.02.2007 - AZ: 8 K 549/06

Fundstellen

  • BVerfGE 122, 210 - 248
  • AuA 2009, 47 (Kurzinformation)
  • DAR 2009, 28 (amtl. Leitsatz)
  • DB 2008, 2803-2809 (Volltext mit amtl. LS)
  • DB 2009, 94 (Kurzinformation)
  • DStR 2008, 2460-2467 (Volltext mit amtl. LS)
  • DStRE 2009, 63 (amtl. Leitsatz)
  • DStZ 2009, 1 (Kurzinformation)
  • DVBl 2009, 111-117 (Volltext mit amtl. LS)
  • DVBl 2009, A25 (Pressemitteilung)
  • HFR 2009, 180-186 (Volltext mit amtl. LS u. Anm.)
  • JZ 2009, 255-260 (Volltext mit amtl. LS u. Anm.)
  • JZ Information 2009, 1 (Kurzinformation)
  • JZ Information 2009, 34 (amtl. Leitsatz)
  • JuS 2009, 363-364 (Volltext mit amtl. LS u. Anm.)
  • KÖSDI 2009, 16314-16315 (Kurzinformation)
  • NJ 2009, III Heft 1 (Pressemitteilung)
  • NJW 2008, XXXVI Heft 52 (Pressemitteilung)
  • NWB 2008, 4790-4791 (Kurzinformation)
  • NWB 2008, 4883 (Kurzinformation)
  • NWB 2009, 462-469 (Urteilsbesprechung von Prof. Dr. Hans-Joachim Kanzler)
  • Stbg 2009, M8 (amtl. Leitsatz)

Verfahrensgegenstand

Die verfassungsrechtliche Prüfungen,

ob § 9 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 ( BGBl I S. 1652) mit dem Grundgesetz unvereinbar und deshalb ungültig oder nichtig ist,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 27. Februar 2007 - 8 K 549/06 -
- 2 BvL 1/07 -,

1.
ob die durch Art. 1 des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl I S. 1652) eingeführte Vorschrift des § 9 Abs. 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz - EStG - mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist,

2.
ob die durch Art. 1 des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl I S. 1652) eingeführte Vorschrift des § 9 Abs. 2 Satz 1 EStG mit Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 GG vereinbar ist, soweit sie zu einer Beschränkung der Steuerfreiheit des Existenzminimums führen kann,

3.
ob die durch Art. 1 des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl I S. 1652) eingeführte Vorschrift des § 9 Abs. 2 Satz 1 EStG mit Art. 3 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 GG vereinbar ist, soweit sie für beiderseits beruftätige Ehegatten Geltung beansprucht,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Finanzgerichts des Saarlandes vom 22. März 2007 - 2 K 2442/06 -
- 2 BvL 2/07 -,

ob § 9 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes i. d. F. des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl I S. 1652) insoweit mit dem Grundgesetz vereinbar ist, als danach Aufwendungen des Arbeitnehmers für seine Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte keine Werbungskosten sind und keine weiteren einkommensteuerrechtlichen Regelungen bestehen, nach denen die vom Abzugsverbot betroffenen Aufwendungen ansonsten die einkommensteuerliche Bemessungsgrundlage mindern,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Bundesfinanzhofs vom 10. Januar 2008 - VI R 27/07 -
- 2 BvL 1/08 -,

ob § 9 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes i. d. F. des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BGBl I S. 1652) insoweit mit dem Grundgesetz vereinbar ist, als danach Aufwendungen des Arbeitnehmers für Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte keine Werbungskosten sind und keine weiteren einkommensteuerrechtlichen Regelungen bestehen, nach denen die vom Abzugsverbot betroffenen Aufwendungen ansonsten die einkommensteuerliche Bemessungsgrundlage mindern,
- Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Bundesfinanzhofs vom 10. Januar 2008 - VI R 17/07 -
- 2 BvL 2/08 -

Hinweis

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Volltext siehe unter: BVerfG - 09.12.2008 - AZ: 2 BvL 1/07

Weitere Verbundverfahren:
BVerfG - 09.12.2008 - AZ: 2 BvL 2/07
BVerfG - 09.12.2008 - AZ: 2 BvL 2/08

In den Verfahren
...
hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat -
unter Mitwirkung
der Richterinnen und Richter Vizepräsident Voßkuhle, Broß, Osterloh, Di Fabio, Mellinghoff, Lübbe-Wolff, Gerhardt, Landau
aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 10. September 2008
für Recht erkannt:

Tenor:

  1. 1

    § 9 Absatz 2 Satz 1 und Satz 2 des Einkommensteuergesetzes in der seit Inkrafttreten des Steueränderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (Bundesgesetzblatt I Seite 1652) geltenden Fassung ist mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar.

  2. 2

    Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung ist § 9 Absatz 2 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes im Wege vorläufiger Steuerfestsetzung (§ 165 Abgabenordnung) sowie entsprechend im Lohnsteuerverfahren, hinsichtlich der Einkommensteuervorauszahlungen und in sonstigen Verfahren, in denen das zu versteuernde Einkommen zu bestimmen ist, mit der Maßgabe anzuwenden, dass die tatbestandliche Beschränkung auf "erhöhte" Aufwendungen "ab dem 21. Entfernungskilometer" entfällt.