Bundesgerichtshof
Beschl. v. 15.03.2007, Az.: 3 StR 31/07
Begehen der Anlasstat im Zustand erheblich verminderter Einsichtsfähigkeit; Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus bei fehlender Unrechtseinsicht; Erneute Maßregelanordnung bei im Vollzug der Maßregel begangenen Taten
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 15.03.2007
- Aktenzeichen
- 3 StR 31/07
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2007, 12380
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- RPsych (R&P) 2007, 201
- StV 2007, 411 (Volltext mit red. LS)
Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf Antrag des Generalbundesanwalts und
nach Anhörung des Beschwerdeführers
am 15. März 2007
gemäß § 414 Abs. 1, § 154 Abs. 2, Abs. 1 Nr. 1 StPO
beschlossen:
Tenor:
- 1.
Das Verfahren wird im Hinblick auf die vom Landgericht Oldenburg mit Urteil vom 8. Februar 2001 (5 KLs 19/00) bereits angeordnete Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus eingestellt.
- 2.
Die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Beschuldigten fallen der Staatskasse zur Last.
Gründe
Hat der Täter die Anlasstat im Zustand erheblich verminderter Einsichtsfähigkeit im Sinne des § 21 StGB begangen, so kommt seine Unterbringung nach § 63 StGB nur in Betracht, wenn ihm aufgrund dieses Zustands die Unrechtseinsicht tatsächlich gefehlt hat (vgl. Tröndle/Fischer, StGB 54. Aufl. § 63 Rdn. 11 m. zahlr. w. N.). Im Übrigen bemerkt der Senat, dass Staatsanwaltschaft und Landgericht bei Einleitung und Durchführung des erneuten Sicherungsverfahrens den Beschluss des Senats vom 14. Juli 2005 (BGHSt 50, 199 [BGH 14.07.2005 - 3 StR 216/05]) missverstanden haben dürften. Nach den dort aufgestellten Grundsätzen rechtfertigen Taten, die der bereits in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebrachte Beschuldigte im Vollzug dieser Maßregel begangen hat, nur in Ausnahmefällen die erneute Maßregelanordnung nach § 63 StGB (s. BGH NStZ-RR 2007, 8). Diese liegt insbesondere fern, wenn es sich bei den neuen Taten um Bedrohungen und Beleidigungen handelt, die der Beschuldigte aufgrund seines Zustands aus dem psychiatrischen Krankenhaus heraus brieflich gegen Personen richtet, die an der Anordnung und dem Vollzug der Maßregel beteiligt waren oder sind. Dass hier eine andere Beurteilung gerechtfertigt sein könnte, lässt sich den Gründen der angefochtenen Entscheidung nicht entnehmen. Es wird zu prüfen sein, ob nicht durch vollzugsrechtliche Maßnahmen die Absendung derartiger Schreiben unterbunden werden kann.
Winkler
von Lienen
Becker
Hubert