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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 26.07.2007, Az.: VII ZR 197/06

Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch eine Zurückweisung der Berufung mangels ausreichender Berufungsbegründung; Verfahrensfehler wegen einer Verletzung der sich aus § 139 Zivilprozessordnung (ZPO) ergebenden Hinweispflicht

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
26.07.2007
Aktenzeichen
VII ZR 197/06
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2007, 36380
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LG Wiesbaden - 10.05.2005 - AZ: 7 O 464/04
LG Wiesbaden - 23.05.2005 - AZ: 7 O 464/04
OLG Frankfurt am Main - 26.07.2006 - AZ: 23 U 137/05

Fundstellen

  • NJW 2007, X Heft 41 (Kurzinformation)
  • NJW 2007, 3070 (Volltext mit red. LS)
  • NZA 2007, 804 (Volltext mit red. LS)
  • NZBau 2007, 706 (Volltext mit red. LS)
  • NZM 2007, 804 (Volltext mit red. LS)

Der VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
am 26. Juli 2007
durch
den Vorsitzenden Richter Dr. Dressler,
die Richter Dr. Kuffer, Prof. Dr. Kniffka, Bauner und
die Richterin Safari Chabestari
beschlossen:

Tenor:

Der Beschwerde wird teilweise stattgegeben.

Das Urteil des 23. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 26. Juli 2006 wird gemäß § 544 Abs. 7 ZPO im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als die Berufung der Klägerin in Höhe von 136.961,92 EUR (Klageforderung abzüglich geltend gemachten Mietzinsausfalls) zurückgewiesen worden ist.

In diesem Umfang wird die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.

Streitwert: 163.784,70 EUR; stattgebender Teil: 136.961,92 EUR

Gründe

1

Das Berufungsgericht hat den Anspruch der Klägerin auf rechtliches Gehör verletzt, Art. 103 Abs. 1 GG.

2

1.

Das Berufungsgericht geht davon aus, dass der in erster Instanz gehaltene Vortrag der Klägerin zu den Mängeln am Gemeinschaftseigentum mangels Bezugnahme in der Berufungsbegründung ihm nicht unterbreitet worden sei. Diese Ansicht trifft nicht zu.

3

Das Landgericht hat die Klage insoweit mit der unzutreffenden Begründung abgewiesen, es fehle an der notwendigen Mitwirkung der Wohnungseigentümergemeinschaft, die von der Klägerin vorgetragene Bevollmächtigung durch die übrigen Miteigentümer sei weder zeitlich noch inhaltlich näher konkretisiert. Die Klägerin hat in ihrer Berufungsbegründung diese Rechtsausführungen angegriffen und ihren vom Landgericht für unerheblich angesehenen Vortrag zu den einzelnen Mängeln nicht wiederholt. Damit hat sie, wenn auch nicht ausdrücklich so doch inzidenter, auch diesen Vortrag aufrechterhalten und auf ihn Bezug genommen. Diese Bezugnahme war zulässig (vgl. BGH, Urteil vom 29. September 2003 - II ZR 59/02, NJW 2004, 66 und BVerfG, Beschluss vom 23. November 1977 - 1 BvR 481/77, NJW 1978, 413).

4

2.

Auch die rechtlichen Schlussfolgerungen, die das Berufungsgericht aus einer von ihm so gesehenen mangelhaften Substantiierung des Vortrags der Klägerin zur Fertigstellung der Souterrainwohnung gezogen hat, beruhen auf einem Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG. Die Verletzung der sich aus § 139 ZPO ergebenden Hinweispflicht stellt hier nicht nur einen Verfahrensfehler dar, sondern hat im Hinblick darauf, dass die Klägerin durch verfehlte Rechtsauffassungen beider Instanzgerichte hinsichtlich der Notwendigkeit ihres Vortrags mehrfach fehlgeleitet worden ist, verfassungsrechtliche Bedeutung.

5

3.

Auf diesen Verstößen gegen das rechtliche Gehör der Klägerin kann die Klageabweisung mit Ausnahme der Aberkennung des Mietausfallschadens beruhen. Hinsichtlich des Letzteren ist ein Zulassungsgrund im Sinne des § 543 Abs. 2 ZPO nicht gegeben.

Streitwertbeschluss:

Streitwert: 163.784,70 EUR; stattgebender Teil: 136.961,92 EUR

Dressler
Kuffer
Kniffka
Bauner
Safari Chabestari