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Bundesverwaltungsgericht
Urt. v. 16.05.1991, Az.: BVerwG 4 C 17/90

Baurecht; Unbeabsichtigte Härte; Geändertes Abstandsflächenrecht; Nutzungsänderung; Bauordnungsrechtliche Befreiungsvorschrift; Eigentumsrechtliche Gewährleistung

Bibliographie

Gericht
BVerwG
Datum
16.05.1991
Aktenzeichen
BVerwG 4 C 17/90
Entscheidungsform
Urteil
Referenz
WKRS 1991, 12611
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
VG Koblenz 22.12.1986 - 1 K 245/85
OVG Koblenz 05.05.1989 - 1 A 17/87

Fundstellen

  • BVerwGE 88, 191 - 204
  • DVBl 1991, 819-823 (Volltext mit amtl. LS)
  • DÖV 1991, 886-889 (Volltext mit amtl. LS)
  • GuG 1991, 335-339 (Volltext mit red. LS)
  • JuS 1992, 440-441 (Volltext mit amtl. LS)
  • NJW 1991, 3293-3297 (Volltext mit amtl. LS)
  • NVwZ 1992, 165 (amtl. Leitsatz)

Amtlicher Leitsatz

1. Es kann eine "unbeabsichtigte Härte" i. S. einer bauordnungsrechtlichen Befreiungsvorschrift darstellen, wenn geändertes (neues) Abstandsflächenrecht eine Nutzungsänderung eines in früherer Zeit legal errichteten Gebäudes verhindert.

2. Das Abstandsflächenrecht in § 8 BauO RhPf 1986 stellt eine Regelung i. S. des Art. 14 I 2 GG dar.

3. Die bauordnungsrechtliche Befreiungsvorschrift des § 67 III Nr. 2 BauO RhPf 1986 ist vor dem Hintergrund der eigentumsrechtlichen Gewährleistung einerseits und der Sozialpflichtigkeit des Eigentums andererseits auszulegen. Sie ermöglicht, die Interessen der Grundeigentümer, die öffentlichen Interessen an einer sozialgerechten Ordnung und die Belange Dritter in einen angemessenen Ausgleich zu bringen.

4. Eine Auslegung, nach der eine bauordnungsrechtliche Befreiungsvorschrift nur bodenrechtliche, d. h. grundstücksbezogene Interessen des Grundeigentümers erfaßt, steht mit Art. 14 I GG in Einklang.

5. Ein Bestandsschutz, soweit damit eine eigenständige Anspruchsgrundlage gemeint sein soll, besteht nicht, wenn eine gesetzliche Regelung i. S. des Art. 14 I 2 GG vorhanden ist.