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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 24.03.1992, Az.: XI ZR 205/91

Unwirksamkeit einer Zweckerklärung ; Möglichkeit der Aufteilung fehlerhafter Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB) in unwirksame und wirksame Bestandteile ; Anwendbarkeit der Grundsätze der ergänzenden Vertragsauslegung im Anwendungsbereich des Gesetzes zur Regelung des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBG)

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
24.03.1992
Aktenzeichen
XI ZR 205/91
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 1992, 15980
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
OLG Schleswig - 11.07.1991

Prozessführer

Vera B., B. 5, F.,

Prozessgegner

Kreis- und Stadtsparkasse E.
vertreten durch den Vorstand, K. Straße 1, E.,

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat
durch
den Vorsitzenden Richter Schimansky und
die Richter Dr. Halstenberg, Dr. Siol, Dr. Bungeroth und Dr. van Gelder
am 24. März 1992
beschlossen:

Tenor:

Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 5. Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in Schleswig vom 11. Juli 1991 wird nicht angenommen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Revisionsverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Streitwert: 70.000,00 DM

Gründe

1

Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung. Die Revision hat im Ergebnis auch keine Aussicht auf Erfolg.

2

Das Berufungsgericht hat in der Zweckerklärung vom 19. Dezember 1983 zu Recht insoweit einen Verstoß gegen § 3 AGBG gesehen, als sie über die Besicherung des Darlehens hinausging, das K. von der Beklagten zur Refinanzierung von dessen Darlehen an die Klägerin erhalten hat. Es ist jedoch zu Unrecht davon ausgegangen, daß die Zweckerklärung nur in diesem Umfang unwirksam sei und insoweit wirksam bleibe, als sie die Besicherung des genannten Darlehens zum Gegenstand habe. Eine Aufteilung fehlerhafter AGB-Bestimmungen in unwirksame und wirksame Bestandteile ist nur dann zulässig, wenn es sich um äußerlich zusammengefaßte Regelungen handelt, die sinnvoll voneinander trennbar und aus sich heraus verständlich sind (BGHZ 93, 29, 37, 48 f.;  106, 25 f. [BGH 18.11.1988 - V ZR 75/87]; jeweils m.w.Nachw.). Eine solche Aufteilung muß im Wortlaut der betreffenden AGB-Regelung einen Ansatzpunkt finden; anderenfalls liefe sie auf eine nicht zulässige sog. geltungserhaltende Reduktion (vgl. dazu BGHZ 84, 109, 114 ff.;  96, 18, 25 f.;  108, 1, 10; jeweils m.w.Nachw.) hinaus. Im vorliegenden Fall bietet der Wortlaut der Zweckerklärung vom 19. Dezember 1983 keinen Ansatzpunkt für die vom Berufungsgericht vorgenommene Aufteilung.

3

Im Ergebnis erweist das Berufungsurteil sich gleichwohl als richtig. In besonders gelagerten Ausnahmefällen können die Grundsätze der ergänzenden Vertragsauslegung nämlich auch im Anwendungsbereich des AGB-Gesetzes zur Anwendung kommen. Wenn im Fall der Unwirksamkeit einer AGB-Klausel dispositives Gesetzesrecht nicht zur Verfügung steht und die ersatzlose Streichung der unwirksamen Klausel keine angemessene, den typischen Interessen beider Seiten Rechnung tragende Lösung bietet, so tritt diejenige Gestaltungsmöglichkeit ein, die die Parteien bei sachgerechter Abwägung ihrer beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben redlicherweise vereinbart hätten, wenn ihnen die Unwirksamkeit der Klausel bekannt gewesen wäre (BGHZ 90, 69, 75) [BGH 01.02.1984 - VIII ZR 54/83]. Diese Voraussetzungen sind hier gegeben: Ein ersatzloser Wegfall der durch dispositives Gesetzesrecht nicht ersetzbaren Zweckerklärung vom 19. Dezember 1983 wäre keine angemessene Lösung; hätten die Parteien die Unwirksamkeit der Zweckerklärung gekannt, so hätten sie sich vernünftigerweise auf eine Absicherung des Refinanzierungskredits der Beklagten an K. beschränkt.

Streitwertbeschluss:

Streitwert: 70.000,00 DM

Schimansky
Dr. Halstenberg
Dr. Siol
Dr. Bungeroth
Dr. van Gelder