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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 11.08.1995, Az.: 2 StR 329/95

Voraussetzungen für ein Handeltreiben mit Betäubungsmitteln

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
11.08.1995
Aktenzeichen
2 StR 329/95
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 1995, 18205
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LG Bonn - 20.04.1994

Verfahrensgegenstand

Unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge

Prozessführer

Murat A. aus Bo., geboren am ... 1977 in P. (T.), zur Zeit in Untersuchungshaft

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf Antrag des Generalbundesanwalts und
nach Anhörung des Beschwerdeführers
am 11. August 1995 einstimmig
beschlossen:

Tenor:

  1. I.

    Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bonn vom 20. April 1994 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

    Zur Sachrüge ist zu bemerken:

    Die Feststellungen tragen die Verurteilung des Angeklagten wegen täterschaftlichen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln auch im Falle B I der Urteilsgründe. Der Angeklagte hat sich an dem Verkauf von 1.004,5 g Heroin beteiligt, um die noch offene Darlehnsschuld seines Vaters gegenüber einem Mittäter in Höhe von 750,- DM (die vom Vater gezahlten Kosten der Einreise des Angeklagten) zu tilgen (UA S. 7 und 34). Handeltreiben erfordert das eigennützige Bemühen, den Umsatz von Betäubungsmitteln zu ermöglichen oder zu fördern. Eigennützig ist eine solche Tätigkeit nur, wenn das Handeln des Täters vom Streben nach Gewinn geleitet wird oder er sich irgendeinen anderen persönlichen Vorteil verspricht, durch den er materiell oder immateriell bessergestellt wird (BGHSt 34, 124, 126 [BGH 24.06.1986 - 5 StR 153/86]; BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Handeltreiben 34 m.w.N.). Selbst wenn den Angeklagten keine rechtliche Verpflichtung zur Bezahlung der Schuld seines Vaters getroffen hat, ist das Vorliegen von Eigennützigkeit bei ihm ausreichend belegt. Die Tilgung der Darlehensschuld bedeutete für den Angeklagten zumindest eine immaterielle Besserstellung, da er die Begleichung der Schuld nach den Feststellungen als seine familiäre "Pflicht" ansah. Das genügt aber bei der gegebenen Fallgestaltung für die Annahme von Eigennützigkeit (vgl. dazu BGHR a.a.O.).

  2. II.

    Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Jähnke
Theune
Detter
Athing
Otten