Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 30.03.2004, Az.: 2 BvR 1521/01
Grenzen der Anwendung des Straftatbestands der Geldwäsche auf die Annahme von Honorar durch Strafverteidiger; Wissentliche Entgegennahme von Bargeldbeträgen aus kriminellen Handlungen durch einen Rechtsanwalt ; Annahme bemakelten Geldes als Strafverteidigerhonorar in Kenntnis seiner Herkunft ; Tragweite der verfassungsrechtlich verbürgten Freiheit der Berufsausübung und die rechtsstaatliche Bedeutung der Institution der Strafverteidigung
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 30.03.2004
- Aktenzeichen
- 2 BvR 1521/01
- Entscheidungsform
- Urteil
- Referenz
- WKRS 2004, 13291
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- BGH - 04.07.2001 - AZ: 2 StR 513/00
- LG Frankfurt am Main - 15.01.2003 - AZ: 5/4 KLs 74/92 Js 33628.7/96 (St 1/01)
- LG Frankfurt am Main - 04.05.2000 - AZ: 5/17 KLs 92 Js 33628.7/96
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- BVerfGE 110, 226 - 274
- AnwBl 2004, 309-320 (Volltext mit amtl. LS)
- BRAK-Mitt 2004, 126
- EWiR 2004, 825
- JR 2004, 339 (amtl. Leitsatz)
- Jura 2004, Heft 11 Karteikarte
- NJW-Spezial 2004, 40-41 (Kurzinformation)
- NVwZ 2004, 974 (amtl. Leitsatz)
- RDV 2004, 168 (amtl. Leitsatz)
- StV 2004, 254-263
- StraFo 2004, 162-167
- ZBB 2004, 247 (amtl. Leitsatz)
- jura 2004, 759-765
Verfahrensgegenstand
Verfassungsbeschwerden gegen
a) das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 15. Januar 2003 - 5/4 KLs 74/92 Js 33628.7/96 (St 1/01) -,
b) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 4. Juli 2001 - 2 StR 513/00 -,
c) das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 4. Mai 2000 - 5/17 KLs 92 Js 33628.7/96 -
Amtlicher Leitsatz
- 1.
§ 261 Absatz 2 Nummer 1 des Strafgesetzbuchs ist mit dem Grundgesetz vereinbar, soweit Strafverteidiger nur dann mit Strafe bedroht werden, wenn sie im Zeitpunkt der Annahme ihres Honorars sichere Kenntnis von dessen Herkunft hatten.
- 2.
Strafverfolgungsbehörden und Gerichte sind bei der Anwendung des § 261 Absatz 2 Nummer 1 StGB verpflichtet, auf die besondere Stellung des Strafverteidigers schon ab dem Ermittlungsverfahren angemessen Rücksicht zu nehmen.
In den Verfahren über die Verfassungsbeschwerden
hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat -
unter Mitwirkung der Richterinnen und Richter
Vizepräsident Hassemer,
Jentsch, Broß, Osterloh, Di Fabio,
Mellinghoff, Lübbe-Wolff, Gerhardt
auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 19. November 2003
für Recht erkannt:
Tenor:
- 1.
Die Verfahren werden zu gemeinsamer Entscheidung verbunden.
- 2.
§ 261 Absatz 2 Nummer 1 des Strafgesetzbuchs ist mit dem Grundgesetz vereinbar, soweit Strafverteidiger nur dann mit Strafe bedroht werden, wenn sie im Zeitpunkt der Annahme ihres Honorars sichere Kenntnis von dessen Herkunft hatten.
- 3.
Die Verfassungsbeschwerden werden zurückgewiesen.
- 4.
Die Bundesrepublik Deutschland hat den Beschwerdeführern ihre notwendigen Auslagen je zur Hälfte zu erstatten.
Hinweis: Verbundenes Verfahren
Volltext siehe unter
BVerfG - 30.03.2004 - AZ: 2 BvR 1520/01
Streitwertbeschluss:
Streitwertbeschluss bezogen auf den Beschwerdeführer zu 2.:
BVerfG - 14.06.2004 - AZ: 2 BvR 1521/01
Streitwertbeschluss bezogen auf den Beschwerdeführer zu 1.:
BVerfG - 02.06.2005 - AZ: 2 BvR 1521/01