Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 20.04.2004, Az.: 1 BvR 1450/01
Bewerbung von Rechtsanwälten auf ausgeschriebene Notarstellen im Bereich des Anwaltsnotariats; Anforderungen an die Kriterien für die Notarauswahl; Ungleichgewicht zwischen den Merkmalen der Befähigung und der fachlichen Eignung; Bestenauslese als Ziel der Bewerberauswahl im Nur-Notariat wie auch im Anwaltnotariat
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 20.04.2004
- Aktenzeichen
- 1 BvR 1450/01
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2004, 18031
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- BGH - 03.12.2001 - AZ: NotZ 20/01
- BGH - 16.07.2001 - AZ: NotZ 1/01
- BGH - 16.07.2001 - AZ: NotZ 6/01
- BGH - 26.03.2001 - AZ: NotZ 30/00
- OLG Celle - 16.08.2001 - AZ: Not 16/01
- OLG Celle - 29.06.2001 - AZ: Not 16/01
- OLG Celle - 23.10.2000 - AZ: Not 14/00
- OLG Celle - 05.06.2000 - AZ: Not 14/00
- OLG Köln - 07.02.2001 - AZ: 2 VA (Not) 35/00
- OLG Frankfurt am Main - 14.09.2000 - AZ: 1 Not 5/2000
- nachfolgend
- BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 1303/01
- BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 340/02
- BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 838/01
- BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 1436/01
- BVerfG - 21.02.2005 - AZ: 1 BvR 1303/01
Rechtsgrundlagen
- § 3 Abs. 1 BNotO
- § 3 Abs. 2 BNotO
- § 4 BNotO
- § 6b Abs. 1 BNotO
- § 6 Abs. 3 BNotO
- Art. 33 Abs. 2 GG
- Art. 12 Abs. 1 GG
Fundstellen
- BVerfGE 110, 304 - 338
- NJW 2004, 1935-1941 (Volltext mit amtl. LS)
Verfahrensgegenstand
Verfassungsbeschwerden
gegen
1. den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 26. März 2001 - NotZ 30/00 -,
2. den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 23. Oktober 2000 - Not 14/00 -,
3. den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 5. Juni 2000 - Not 14/00 -,
4. den Bescheid der Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle vom 10. Mai 2000 - 3835 Hannover -,
- 1 BvR 838/01 -,
gegen
1. den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 29. Juni 2001 - Not 16/01 -,
2. den Bescheid der Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle vom 21. Mai 2001 - 3835 Hannover -,
- 1 BvR 1303/01 -,
gegen
1. den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 3. Dezember 2001 - NotZ 20/01 -,
2. den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 16. August 2001 - Not 16/01 -,
- 1 BvR 340/02 -,
gegen
1. den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16. Juli 2001 - NotZ 6/01 -,
2. den Beschluss des Oberlandesgerichts Köln vom 7. Februar 2001 - 2 VA (Not) 35/00 -,
3. den Bescheid des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen vom 25. Juli 2000 - 3830 - I B. 9 (Münster) -
- 1 BvR 1436/01 -,
gegen
1. den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16. Juli 2001 - NotZ 1/01 -,
2. den Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 14. September 2000 -
1 Not 5/2000 -
- 1 BvR 1450/01 -,
Amtlicher Leitsatz
Zur angemessenen Gewichtung fachspezifischer Leistungen beim Zugang zum Beruf des Notars im Nebenamt.
Redaktioneller Leitsatz
In der Bundesnotarordnung wird zwischen Notaren in hauptberuflicher Amtsausübung und solchen, die als Rechtsanwälte das Amt des Notars im Nebenberuf ausüben, den Anwaltsnotaren. In beiden Fällen werden nur so viele Notare bestellt, wie es den Erfordernissen einer geordneten Rechtspflege entspricht. Dabei werden das Bedürfnis nach einer angemessenen Versorgung Rechtssuchender mit notariellen Leistungen und die Wahrung einer geordneten Altersstruktur im Notarberuf berücksichtigt. Die geeigneten Bewerber sind durch Ausschreibung zu ermitteln.
In den Verfahren über die Verfassungsbeschwerden
hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
des Präsidenten Papier,
der Richterinnen Jaeger, Haas,
der Richter Hömig, Steiner,
der Richterin Hohmann-Dennhardt und
der Richter Hoffmann-Riem, Bryde
am 20. April 2004 beschlossen:
Tenor:
- I.
- 1.
a)
Der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 26. März 2001 - NotZ 30/00 -, der Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 23. Oktober 2000 - Not 14/00 -, der Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 5. Juni 2000 - Not 14/00 - und der Bescheid der Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle vom 10. Mai 2000 - 3835 Hannover - verletzen den Beschwerdeführer zu I. in seinem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes; die Beschlüsse werden aufgehoben.
b)
Der Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 29. Juni 2001 - Not 16/01 - und der Bescheid der Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle vom 21. Mai 2001 - 3835 Hannover - verletzen den Beschwerdeführer zu I. in seinem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes; der Beschluss wird aufgehoben.
c)
Der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 3. Dezember 2001 - NotZ 20/01 - und der Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 16. August 2001 - Not 16/01 - verletzen den Beschwerdeführer zu I. in seinem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes; sie werden aufgehoben.
- 2.
Die Sachen werden an das Oberlandesgericht zurückverwiesen.
- 3.
Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer zu I. die notwendigen Auslagen zu erstatten.
- II.
- 1.
Der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16. Juli 2001 - NotZ 1/01 - und der Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 14. September 2000 - 1 Not 5/2000 - verletzen den Beschwerdeführer zu III. in seinem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes; sie werden aufgehoben.
- 2.
Die Sache wird an das Oberlandesgericht zur Entscheidung über die Kosten des Ausgangsverfahrens zurückverwiesen.
- 3.
Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer zu III. die notwendigen Auslagen zu erstatten.
- III.
Die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers zu II. wird verworfen.
Hinweis: Verbundenes Verfahren
Volltext siehe unter:
BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 838/01Weitere Verbundverfahren:
BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 1303/01
BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 1436/01
BVerfG - 20.04.2004 - AZ: 1 BvR 340/02