Bundesgerichtshof
Urt. v. 15.04.1975, Az.: VI ZR 93/73
„Porno-Schriften“
Öffentliche Ordnung; Pornographische Schriften; Notwehr; Geschützte Individualinteressen; Persönlichkeitsrecht; Bahnhofskiosk; Buchhandlung
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 15.04.1975
- Aktenzeichen
- VI ZR 93/73
- Entscheidungsform
- Urteil
- Referenz
- WKRS 1975, 11343
- Entscheidungsname
- Porno-Schriften
- ECLI
- [keine Angabe]
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- BGHZ 64, 178 - 183
- DVBl 1975, 831 (amtl. Leitsatz)
- DVBl 1975, 579-581 (Volltext mit amtl. LS)
- JR 1975, 423
- JZ 1975, 535-537 (Volltext mit amtl. LS)
- MDR 1975, 919 (amtl. Leitsatz)
- MDR 1975, 656 (Volltext mit amtl. LS)
- NJW 1975, 1161-1163 (Volltext mit amtl. LS)
Amtlicher Leitsatz
1. Der einzelne kann einer Störung der öffentlichen Ordnung (hier: durch Anbieten und Verkauf von pornographischen Schriften in einem Bahnhofskiosk) unter Berufung auf Notwehr oder Nothilfe nur entgegentreten, wenn der Störer dadurch zugleich als solche geschützte Individualinteressen angreift; die Störung der öffentlichen Ordnung allein reicht hierzu nicht aus.
2. Durch das Auslegen pornographischer Schriften in einer Buchhandlung wird das Persönlichkeitsrecht eines Kunden auch dann nicht verletzt, wenn er das Zurschaustellen solcher Schriften als Mißachtung seiner Person und als Bedrohung seiner Intimsphäre empfindet.