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Bundesgerichtshof
Beschl. v. 20.06.2001, Az.: 3 StR 202/01

Umfang der Schilderung von Vorstrafen durch die Strafkammer; Berücksichtigung des höchstmöglichen Resorptionsdefizits bezüglich des Nachtrunks zu Gunsten eines Angeklagten

Bibliographie

Gericht
BGH
Datum
20.06.2001
Aktenzeichen
3 StR 202/01
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2001, 25864
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
LG Hildesheim - 27.02.2001

Verfahrensgegenstand

Vergewaltigung

Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs
hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und
nach Anhörung des Beschwerdeführers
am 20. Juni 2001
einstimmig beschlossen:

Tenor:

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 27. Februar 2001 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Gründe

1

Ergänzend zu den Ausführungen des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

2

Auch wenn bei der Berücksichtigung des Nachtrunks zu Gunsten des Angeklagten das höchstmögliche Resorptionsdefizit von 30 % zugrunde gelegt worden wäre, hätte sich eine maximale Tatzeitblutalkoholkonzentration von 1,98 %o und damit unter 2 %o ergeben. Der Senat kann ausschließen, daß die Strafkammer bei diesem Wert angesichts der festgestellten psychodiagnostischen Beweisanzeichen das Vorliegen der Voraussetzungen des § 21 StGB bejaht hätte.

3

In welchem Umfang Vorstrafen zu schildern sind, ist eine Frage des Einzelfalls. Die in der Revisionsbegründung zitierte Entscheidung BGHR StPO § 267 Darstellung 1 wendet sich gegen die wenig sachgerechte Praxis, Vorstrafenurteile undifferenziert und ohne Rücksicht auf die Notwendigkeit im einzelnen in wörtlicher Wiedergabe einzurücken oder einzukopieren. Ihr kann nicht entnommen werden, daß in Fällen wie dem vorliegenden der Urteilssachverhalt der einzelnen Vorstrafen hätte festgestellt und wiedergegeben werden müssen. Denn die Strafkammer hat hier keine Folgerungen aus einzelnen bestimmten Vorverurteilungen gezogen, sondern lediglich berücksichtigt, daß der Angeklagte, zwar nicht einschlägig, aber doch vielfach und über einen sehr langen Zeitraum bestraft werden mußte und damit gezeigt hat, daß er nicht bereit ist, sich an gesetzliche Vorschriften zu halten. Diese angesichts von 27 Vorstrafen (seit Anwendung des Erwachsenenstrafrechts) durchaus berechtigte Feststellung bedurfte nicht der Mitteilung von Einzelheiten der Urteilssachverhalte, vielmehr genügte die Darlegung von Zeitpunkt, Schuldspruch und Rechtsfolgen (BGHR StPO § 267 III 1 Strafzumessung 13, 16). Denn Urteilsgründe sollen sich auf das Wesentliche beschränken.

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