Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 19.03.1984, Az.: 2 BvR 1/84
Auslieferungsverfahren; Rechtswidrige Tat; Vorsatz; Element der Schuld; Geltungsbereich des Grundgesetzes; Individuelles Freiheitsrecht; Kunstwerke; Entfaltung künstlerischer Aktivitäten; Eigentumsrechte anderer
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 19.03.1984
- Aktenzeichen
- 2 BvR 1/84
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 1984, 11770
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- OLG Schleswig
Rechtsgrundlagen
- Art. 2 Abs. 1 EuAlÜbk
- Art. 3 Abs. 1 EuAlÜbk
- Art. 2 Abs. 1 GG
- Art. 2 Abs. 2 GG
- Art. 2 Abs. 3 GG
- Art. 3 Abs. 1 GG
- Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG
- Art. 20 Abs. 3 GG
- § 3 Abs. 1 IRG
- § 6 Abs. 2 IRG
- § 10 Abs. 1 S. 1 IRG
- § 303 StGB
Fundstellen
- NJW 1984, 1293-1295 (Volltext mit amtl. LS)
- NJW 1985, 237-246 (Urteilsbesprechung von Dr. Josef Hoffmann)
Redaktioneller Leitsatz
1. Wenn im Auslieferungsverfahren den Begriff der rechtswidrigen Tat (§ 11 Abs. 1 Nr. 5 StGB) dahingehend ausgelegt wird, daß der Vorsatz als Element der Schuld angesehen wird, so verletzt das weder das Grundrecht aus Art. 3 GG noch sonstige Grundrechte.
2. a) Das Freiheitsrecht sich künstlerisch zu betätigen, Kunstwerke darzubieten und zu verbreiten, beinhaltet Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG.
b) Es ist laut Verfassung nicht erlaubt die fachgerichtlichen Entscheidungen dahingehend auszulegen, daß Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG das Recht einräume sich bei der Entfaltung künstlerischer Aktivitäten über die Eigentumsrechte anderer hinwegzusetzen.