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Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 09.04.2003, Az.: 1 BvR 1724/01

Zulässigkeit einer Urteilsverfassungsbeschwerde; Verfahrensrechtliche Möglichkeiten des so genannten biologischen Vaters; Zulässigkeit einer Beschwerde des biologischen Vaters im umgangsrechtlichen Verfahren; Rechtmäßigkeit des Ausschlusses der Anfechtungsmöglichkeit des leiblichen Vaters; Umfang des Schutzes der Familie; Elternbegriff des Art. 6 Abs. 2 S. 1 Grundgesetz (GG); Umgangsrecht des nicht rechtlichen Vaters mit seinem Kind; Begriff der Familie im Sinne des Art. 6 Abs. 1 GG

Bibliographie

Gericht
BVerfG
Datum
09.04.2003
Aktenzeichen
1 BvR 1724/01
Entscheidungsform
Beschluss
Referenz
WKRS 2003, 32933
Entscheidungsname
[keine Angabe]
ECLI
[keine Angabe]

Verfahrensgang

vorgehend
OLG Köln - 30.08.2001 - AZ: 14 UF 119/01
AG Leverkusen - 28.02.2001 - AZ: 30 (33) F 223/00
OLG Köln - 14.06.1996 - AZ: 16 Wx 105/96
LG Köln - 05.09.1995 - AZ: l T 657/94
AG Köln - 25.01.1994 - AZ: 52 X 138/93

Fundstellen

  • BVerfGE 108, 82 - 122
  • FF 2003, 134-135
  • FamRB 2003, 211-213
  • FamRZ 2003, 816-825 (Volltext mit red. LS)
  • FamRZ 2008, 2185 (red. Leitsatz)
  • FuR 2003, 553 (amtl. Leitsatz)
  • KindPrax 2003, 141-145 (Volltext mit amtl. LS)
  • MDR 2003, 748 (red. Leitsatz)
  • NJW 2003, 2151-2158 (Volltext mit amtl. LS)
  • NJW 2003, 3153-3160 (Urteilsbesprechung von RA Priv.doz. Dr. Wolfgang Roth,LL.M.)
  • NVwZ 2003, 1503 (amtl. Leitsatz)
  • NWB 2003, 1483
  • Rpfleger 2003, 417-423
  • StAZ 2003, 210-216 (Volltext mit amtl. LS)

In den Verfahren hat
das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat -
unter Mitwirkung
des Präsidenten Papier,
der Richterinnen Jaeger, Haas,
der Richter Hömig, Steiner,
der Richterin Hohmann-Dennhardt und
der Richter Hoffmann-Riem, Bryde
am 9. April 2003
beschlossen:

Tenor:

  1. I.
    1. 1.

      § 1685 des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Fassung des Gesetzes zur Reform des Kindschaftsrechts (Kindschaftsrechtsreformgesetz - KindRG) vom 16. Dezember 1997 (Bundesgesetzblatt I Seite 2942) ist mit Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes insoweit nicht vereinbar, als er in den Kreis der Umgangsberechtigten den leiblichen, aber nicht rechtlichen Vater eines Kindes auch dann nicht mit einbezieht, wenn zwischen ihm und dem Kind eine sozial-familiäre Beziehung besteht oder bestanden hat.

    2. 2.

      Dem Gesetzgeber wird aufgegeben, bis zum 30. April 2004 eine verfassungsgemäße Regelung zu treffen. Bis zur gesetzlichen Neuregelung sind gerichtliche Verfahren auszusetzen, soweit die Entscheidung von der Verfassungsmäßigkeit des § 1685 des Bürgerlichen Gesetzbuches abhängt.

    3. 3.

      Der Beschluss des Oberlandesgerichts Köln vom 14. Juni 1996 - 16 Wx 105/96 -, der Beschluss des Landgerichts Köln vom 5. September 1995 - l T 657/94 - und der Beschluss des Amtsgerichts Köln vom 25. Januar 1994 - 52 X 138/93 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes. Die Beschlüsse werden aufgehoben. Die Sache wird an das Amtsgericht Köln zurückverwiesen.

    4. 4.

      Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer seine notwendigen Auslagen zu erstatten.

  2. II.
    1. 1.

      § 1600 des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Fassung des Gesetzes zur Reform des Kindschaftsrechts (Kindschaftsrechtsreformgesetz - KindRG) vom 16. Dezember 1997 (Bundesgesetzblatt I Seite 2942) ist mit Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes insoweit nicht vereinbar, als er den leiblichen, aber nicht rechtlichen Vater eines Kindes ausnahmslos von der Anfechtung einer Vaterschaftsanerkennung ausschließt.

    2. 2.

      Dem Gesetzgeber wird aufgegeben, bis zum 30. April 2004 eine verfassungsgemäße Regelung zu treffen. Bis zur gesetzlichen Neuregelung sind gerichtliche Verfahren auszusetzen, soweit die Entscheidung von der Verfassungsmäßigkeit des § 1600 des Bürgerlichen Gesetzbuches abhängt.

    3. 3.

      Das Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 30. August 2001 - 14 UF 119/01 - und das Urteil des Amtsgerichts Leverkusen vom 28. Februar 2001 - 30 (33) F 223/00 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes. Die Urteile werden aufgehoben. Die Sache wird an das Amtsgericht Leverkusen zurückverwiesen.

    4. 4.

      Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer seine notwendigen Auslagen zu erstatten.

Hinweis: Verbundenes Verfahren

Verbundverfahren:
BVerfG - 09.04.2003 - 1 BvR 1493/96

Haas
Hömig
Steiner
Hohmann-Dennhardt
Hoffmann-Riem
Bryde