„Digitaler Nachlass“ – Der Tod im Internet

Fachartikel aus dem Bereich Internet, IT und Telekommunikation - 06.01.2017 - 637 mal gelesen, 2 mal kommentiert.
Die fortschreitende Digitalisierung wirkt sich nicht nur auf das Leben der Menschen aus, sondern hat auch Auswirkungen nach ihrem Tod. Ein Erblasser hinterlässt mit E-Mail-Accounts, Profilen in sozialen Netzwerken, im Internet gespeicherten Fotos etc. einen sog. „digitalen Nachlass“.
„Digitaler Nachlass“ – Der Tod im Internet

Die fortschreitende Digitalisierung wirkt sich nicht nur auf das Leben der Menschen aus, sondern hat auch Auswirkungen nach ihrem Tod. Ein Erblasser hinterlässt mit E-Mail-Accounts, Profilen in sozialen Netzwerken, im Internet gespeicherten Fotos etc. einen sog. „digitalen Nachlass“. Der Tod des Nutzers ändert zunächst nichts an dieser Internetpräsenz. Der Fortbestand sämtlicher Internet-Profile und sonstiger Daten ist allerdings nicht immer im Sinne der Erben. Zum einen müssen die Erben ggf. über das Internet abzuwickelnde Vertragsbeziehungen beenden (z.B. den Netflix-Account kündigen oder eine E-Bay-Auktion abwickeln) zum anderen wünschen viele Erben die dauerhafte Präsenz des Erblassers (z.B. auf Facebook o.ä. sozialen Netzwerken) samt der damit einhergehenden möglichen Kontaktaufnahmeversuche nicht.

Es stellt sich also im Todesfall die Frage, wer auf die Daten des Verstorbenen zugreifen darf bzw. ob Internetdienstanbieter den Erben den Zugriff auf den digitalen Nachlass verweigern dürfen. Die Rechtsprechung hat sich in Deutschland in einem ersten (noch nicht rechtskräftigen) Urteil des Landgerichts Berlin (Az. 20 O 172/15) mit diesem Problem auseinandergesetzt. Das Gericht entschied, dass die Erben berechtigt sind, auf die Daten des Verstorbenen zuzugreifen. Eine Trennung zwischen Vermögenswerten und höchstpersönlichen Rechten, wie in der Rechtsliteratur teilweise vorgeschlagen, lehnte das LG Berlin ab. Vielmehr trete der Erbe in die Rechtsstellung des Nutzers ein und sei daher zum Zugriff auf sämtliche Daten berechtigt. Eine abschließende Klärung der Problematik steht allerdings noch aus. Problematisch ist die Beurteilung der Rechtsfragen insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Internetanbieter regelmäßig nicht in Deutschland ansässig sind und es daher zunächst zu klären gilt, welches Landesrecht anzuwenden ist. Angesichts der ungeklärten Situation verwundert es nicht, dass Anbieter von Internetdienstleistungen bislang sehr unterschiedlich mit dem Tod ihrer Nutzer umgehen.

Jedem Internetnutzer ist daher anzuraten, selbst Vorsorge für den Todesfall zu treffen. Zum Beispiel kann der Nutzer im Testament oder einer Vorsorgevollmacht Regelungen zum Umgang mit seinem digitalen Nachlass treffen. Außerdem kann eine sicher aufbewahrte Passwortliste, die den Erben nach dem Tod zugänglich wird, den Erben helfen, den digitalen Nachlass des Erblassers abzuwickeln. Die Aufnahme der Passwörter in ein (notarielles) Testament ist wegen der regelmäßig vorzunehmenden Änderungen der Passwörter allerdings nicht zweckmäßig. In Betracht kommt jedoch, ein Masterpasswort, das den Erben den Zugang zu sämtlichen Passwörtern gewährt, ins Testament aufzunehmen.

Fazit:

Der ungeklärte Umgang mit dem digitalen Nachlass und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Internetdienstleistern erschwert den Hinterbliebenen die Abwicklung des Nachlasses. Daher sollte jeder Internetnutzer sich Gedanken darüber machen, ob und wie Hinterbliebene Zugang zu den entsprechenden Daten bekommen.

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Autor: Albert Brückmann Datum: 19.01.2017, 15:49

Danke für diese gute Zusammenfassung. Ich sehe das Thema „Digitaler Nachlass“ einem stetig wachsenderem Interesse ausgesetzt – zumindest vonseiten der Medien und einzelner Treibender. Nachdem ich mich bereits seit 2008 damit beschäftigt hatte, was mit den Hinterlassenschaften der Digitalen Profile passiert, habe ich Meminto gegründet. Meminto kümmert sich, nicht wie andere Anbieter um die Nachsorge, sondern will schon früher, bei der Vorsorge ansetzen. Da das Thema Sterben niemals attraktiv war und es auch nicht sein wird, stehen wir vor großen Herausforderungen, wie man Menschen, die am liebsten noch lange nicht mit diesem Thema konfrontiert werden möchten, damit auf eine innovative Art begegnen.

Bei Meminto legen wir deshalb wert darauf, das Thema weiter mit dem Leben des Verstorbenen zu verknüpfen und schon zu Lebzeiten neuartige Funktionen zu ermöglichen, die bspw. eine fast automatisch erstellende Biographie hervorbringt. Vor allem ältere Menschen möchte für Kinder und Enkel Erinnerungen aufbewahren. Die heutigen 30- bis 40-Jährigen sind die „Grannies“ von morgen – und in 20 bis 30 Jahren werden da eine Menge Daten zusammen gekommen sein.

Eine kleine Vorschau in die noch beginnende Arbeit von Meminto lässt sich hier finden: https://meminto.com

Autor: Albert Brückmann Datum: 06.01.2017, 21:45

Danke für diesen Beitrag! Seit Jahren verfolgen wir das Thema "Digitaler Nachlass" und haben uns entschlossen, Benutzern ein System dafür an die Hand zu geben, damit zumindest ein Zugänge zu Accounts sicher weitergegeben werden können, wenn der Todesfall eingetreten sein sollte. Dies wird durch das System sogar selbstständig erkannt. Kostenlos in der geschlossenen Betaphase Nutzbar: https://meminto.com