Illegales Online-Glücksspiel: Rückforderung von Verlusten

01.01.2026 60 Mal gelesen Autor: Istvan Cocron
Illegales Online-Glücksspiel: Rückforderung von Verlusten über das Zivilrecht Teil 2 unseres Leitfadens für Betroffene illegaler Glücksspielangebote

Viele Spieler von Online-Casinos oder Sportwetten sind verunsichert, wenn sie erstmals durch ein Schreiben der Staatsanwaltschaft erfahren, dass der genutzte Anbieter keine deutsche Erlaubnis besaß und das Spielen damit rechtswidrig war. Häufig entsteht das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben – und zugleich jede Hoffnung, zumindest einen Teil der Verluste aus illegalem Online-Glücksspiel zurückzuerhalten.

Dieser Beitrag schließt an den strafrechtlichen Leitfaden an und zeigt auf, welche zivilrechtlichen Handlungsmöglichkeiten Spielern offenstehen – unabhängig davon, ob ein Ermittlungsverfahren noch andauert oder bereits beendet ist.

„Ein laufendes Ermittlungsverfahren steht zivilrechtlichen Ansprüchen nicht entgegen.“

Über István Cocron

Rechtsanwalt István Cocron beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der zivilrechtlichen Durchsetzung von Rückforderungsansprüchen aus Online-Glücksspiel. In diesem Bereich hat er bereits über 3.000 Mandanten gegenüber nicht lizenzierten Plattformen vertreten.

Für die rechtliche Bewertung ist es dabei unerheblich, ob ein Spieler wenige hundert Euro oder sehr hohe Beträge verloren hat. Die zugrunde liegenden rechtlichen Fragen sind identisch. Auch kleinere Verluste können grundsätzlich zurückgefordert werden.

Aus diesem Grund arbeitet Cocron eng mit Strafverteidigern wie Rechtsanwalt René Scheier zusammen, insbesondere wenn gegen Spieler parallel strafrechtlich ermittelt wird.

„Ein spezialisierter Anwalt kann typische Strukturen und Vorgehensweisen der Anbieter erkennen.“

Die Annahme, ein Schreiben der Staatsanwaltschaft bedeute das endgültige Aus, ist in vielen Fällen unzutreffend.
Häufig stellt ein Ermittlungsverfahren vielmehr den Ausgangspunkt einer umfassenden rechtlichen Bewertung dar. Während im Strafrecht geprüft wird, ob ein strafbares Verhalten vorliegt, verfolgt das Zivilrecht einen anderen Ansatz: Ob dem Spieler durch das Glücksspielangebot ein Vermögensschaden entstanden ist und ob der Anbieter hierfür haftet. Beide Verfahren sind rechtlich voneinander getrennt.

Dass es sich dabei um kein Randphänomen handelt, zeigt ein Blick auf die Praxis. Aktuell sind in Deutschland rund 15.000 zivilrechtliche Verfahren anhängig, in denen Spieler ihre Verluste aus Online-Glücksspiel zurückverlangen.

„Die Vielzahl der Verfahren verdeutlicht, dass viele Spieler ihre Ansprüche prüfen lassen.“

In welchen Fällen ist eine Rückforderung möglich?

Zivilrechtlich lassen sich zwei grundlegende Konstellationen unterscheiden.

Zum einen betrifft dies Anbieter, die ihr Glücksspielangebot ohne gültige deutsche Lizenz auf dem deutschen Markt bereitgestellt haben. In solchen Fällen fehlt eine rechtliche Grundlage für die Annahme der Einsätze, was Rückforderungsansprüche der Spieler begründen kann.

Typische Beispiele sind Plattformen mit Sitz in Curaçao, die bis heute keine deutsche Zulassung besitzen. Auch die derzeit von deutschen Influencern beworbene spanische Weihnachtslotterie ist in Deutschland nicht genehmigt.

Zum anderen können Rückforderungsansprüche auch gegenüber Anbietern bestehen, die zwar über eine deutsche Lizenz verfügen, jedoch gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen haben. Besonders relevant ist hierbei das gesetzlich festgelegte monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das anbieterübergreifend gilt und nur unter engen Voraussetzungen erhöht werden darf.

„Maßgeblich ist, ob eine Lizenz fehlte oder gesetzliche Grenzen überschritten wurden.“

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Ansprüche können grundsätzlich bis zu zehn Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Für eine juristische Prüfung werden insbesondere drei Informationen benötigt: Transaktionsübersichten der Anbieter mit Ein- und Auszahlungen, Angaben zu möglichen Spielphasen aus dem Ausland sowie der Name des jeweiligen Anbieters.

Diese Transaktionslisten können Spieler kostenfrei über eine DSGVO-Anfrage erhalten.

„Für die rechtliche Bewertung werden Zahlungsdaten und Anbieterinformationen zusammengetragen.“

Typische Fehler von Betroffenen

Anbieter illegalen Glücksspiels sind sich des Prozessrisikos bewusst und haben entsprechende Gegenstrategien entwickelt.

Ein häufiges Vorgehen besteht darin, nach der Anforderung von Transaktionslisten frühzeitig Vergleichsangebote zu unterbreiten – meist in einer Höhe, die deutlich unter den tatsächlichen Verlusten liegt.

In der Praxis erhalten Spieler nicht selten Angebote über beispielsweise 5.000 Euro, obwohl ihre Verluste deutlich höher ausfallen. Wer ein solches Angebot vorschnell annimmt, verzichtet häufig auf erhebliche weitere Ansprüche.

István Cocron rät daher davon ab, vorschnell mit dem Anbieter zu verhandeln, und empfiehlt, zunächst anwaltlichen Rat einzuholen und eine klare Strategie festzulegen.

„Vergleiche werden gezielt eingesetzt, um das finanzielle Risiko der Anbieter zu begrenzen.“

Ablauf eines Rückforderungsverfahrens

Zu Beginn ermittelt der Anwalt die relevanten Informationen zur Plattform, zur Nutzung durch den Spieler sowie zur Höhe der Einzahlungen und Verluste. Anschließend wird die Forderung gerichtlich geltend gemacht. Aufgrund des häufig bestehenden Auslandsbezugs kann bereits die Zustellung zeitintensiv sein. Es folgen Schriftsätze, eine mündliche Verhandlung und schließlich eine gerichtliche Entscheidung oder ein Vergleich.

Bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung vergeht in der Regel ein Zeitraum von acht bis zwölf Monaten.

„Mit anwaltlicher Begleitung ist das Verfahren überschaubar und strukturiert.“

Kosten und Finanzierung

Kommt es zu einem gerichtlichen Erfolg, trägt in der Regel die Gegenseite die Kosten des Verfahrens. Auch im Rahmen von Vergleichen wird häufig eine Kostenregelung zugunsten der Kläger getroffen.

Zusätzlich bestehen – abhängig von der persönlichen Situation – Möglichkeiten wie Prozesskostenhilfe, Ratenzahlung oder die Einschaltung externer Prozessfinanzierer.

„Die Finanzierung eines Verfahrens ist in vielen Fällen gut planbar.“

Wir helfen Ihnen bei der Rückforderung Ihrer Verluste

Viele Betroffene zögern aus Unsicherheit, Scham oder Angst vor finanziellen Folgen. Dabei handelt es sich weder um seltene noch um außergewöhnliche Fälle. Die hohe Zahl anhängiger Verfahren zeigt deutlich, dass die juristische Aufarbeitung von Online-Glücksspielverlusten längst Alltag geworden ist.

Zivilrechtliche Ansprüche bestehen häufig auch dann, wenn Spieler selbst nicht damit rechnen. Eine fundierte rechtliche Einschätzung kann helfen, die eigene Situation realistisch einzuordnen und vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden.

Bei Fragen oder Beratungsbedarf steht Ihnen Rechtsanwalt René Scheier gerne zur Verfügung.

Strafverfahren möglichst milde abschließen:
Im ersten Teil unserer Blogreihe erfahren Sie, wie René Scheier Sie unterstützt, wenn ein Ermittlungsverfahren wegen illegalen Glücksspiels gegen Sie eingeleitet wurde.
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FAQ: Häufige Fragen zur Rückforderung von Glücksspielverlusten

Kann ich meine Verluste zurückfordern, obwohl ich selbst gespielt habe?
Ja, sofern das Glücksspielangebot ohne deutsche Lizenz erfolgte oder gesetzliche Vorgaben verletzt wurden.

Ist eine Rückforderung auch bei ausländischen Anbietern möglich?
Ja, auch Anbieter mit Sitz im Ausland können in Deutschland in Anspruch genommen werden.

Wie weit können Verluste rückwirkend geltend gemacht werden?
In der Regel bis zu zehn Jahre rückwirkend.