assistance-blockchain.org – Vorsicht "Blockchain-Betrug"!

20.07.2026 13 Aufrufe Autor: Arthur Wilms
E-Mails einer angeblichen Blockchain-Finanzabteilung können Teil eines Betrugssystems sein. Betroffene sollten Zahlungsaufforderungen kritisch prüfen.

Immer wieder wenden sich Anleger an unsere Kanzlei, nachdem ihnen hohe Auszahlungen aus angeblichen Kryptoinvestitionen oder Online-Handelsplattformen zugesagt wurden. Kurz bevor das Geld ausgezahlt werden soll, meldet sich plötzlich eine weitere Person, die sich als Mitarbeiter einer Blockchain-Abteilung, Compliance-Abteilung oder Finanzabteilung vorstellt. Genau dieses Vorgehen wurde unserer Kanzlei auch im Zusammenhang mit der Domain assistance-blockchain.org geschildert.

Nach den uns vorliegenden Informationen erfolgte die Kommunikation unter anderem über die E-Mail-Adresse sandra.champagne@assistance-blockchain.org. Die betreffende Person trat als angebliche Mitarbeiterin einer Blockchain-Finanzabteilung auf und erklärte, eine bereits genehmigte Auszahlung könne erst nach Zahlung weiterer Gebühren freigegeben werden.

Ob die Verantwortlichen der Domain tatsächlich betrügerisch handeln, ist von den zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu klären. Der geschilderte Ablauf weist jedoch deutliche Parallelen zu bekannten Betrugsmustern im Bereich des Online-Anlagebetrugs auf.

Wie verlief der unserer Kanzlei bekannte Fall?

Unserer Kanzlei liegt ein Sachverhalt vor, bei dem ein Anleger zunächst über eine vermeintliche Online-Handelsplattform investierte. Auf seinem Handelskonto wurden über Wochen hinweg erhebliche Gewinne angezeigt. Nachdem der Anleger erstmals die Auszahlung seines Guthabens verlangte, wurde ihm zunächst erklärt, es müssten noch verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden.

Schließlich erhielt der Anleger sogar eine schriftliche Bestätigung, wonach eine Auszahlung in Höhe von mehreren hunderttausend US-Dollar bereits genehmigt worden sei. Tatsächlich wurde jedoch kein Geld ausgezahlt.

Stattdessen erhielt der Anleger eine Nachricht von einer angeblichen Mitarbeiterin einer Blockchain-Finanzabteilung. Diese erklärte, die Auszahlung befinde sich aufgrund blockchaininterner Vorschriften in einer Sperre. Um die Auszahlung freizugeben, müsse zunächst ein erheblicher Geldbetrag überwiesen werden.

Der Anleger schlug daraufhin vor, die angeblichen Gebühren unmittelbar mit der Auszahlung zu verrechnen. Dies wurde abgelehnt. Stattdessen wurde auf einer Vorauszahlung bestanden.

Im weiteren Verlauf änderte sich die Begründung. Nachdem zunächst behauptet worden war, in das Blockchain-System könne technisch nicht eingegriffen werden, wurde später erklärt, die Auszahlung könne nun doch aufgeteilt werden. Dadurch sollten weitere Zahlungen ermöglicht werden.

Gerade diese wechselnden Erklärungen stellen aus unserer Sicht ein erhebliches Warnsignal dar.

Typisches Vorgehen bei Recovery-Scams

Der geschilderte Ablauf entspricht dem Muster sogenannter Recovery-Scams.

Hierbei handelt es sich um Betrugsmodelle, die häufig auf einen bereits zuvor erfolgten Anlagebetrug aufbauen. Die Täter wissen, dass die Betroffenen bereits erhebliche Geldbeträge investiert haben und sich eine Auszahlung wünschen.

Diesen Wunsch machen sie sich gezielt zunutze.

Zunächst wird behauptet, das Guthaben sei vorhanden oder die Auszahlung bereits genehmigt. Kurz vor der Auszahlung treten jedoch angebliche Probleme auf.

Typische Begründungen sind:

  • Blockchain-Gebühren,
  • Wallet-Freischaltungen,
  • AML-Prüfungen,
  • Compliance-Kosten,
  • Sicherheitsleistungen,
  • Steuern,
  • Liquiditätsnachweise,
  • Verifizierungskosten,
  • Netzwerkgebühren.

Fast immer wird behauptet, die Zahlung müsse vorab erfolgen. Erst danach könne das Guthaben freigegeben werden.

In zahlreichen Fällen erfolgt jedoch auch nach dieser Zahlung keine Auszahlung. Stattdessen werden weitere Forderungen erhoben.

Ist assistance-blockchain.org mit Blockchain.com identisch?

Nach den unserer Kanzlei vorliegenden Informationen kommunizierte die betreffende Person über die Domain assistance-blockchain.org.

Bereits der Domainname kann bei Betroffenen den Eindruck erwecken, es bestehe ein Zusammenhang mit Blockchain.com oder einer offiziellen Blockchain-Stelle.

Ein solcher Zusammenhang ergibt sich hieraus jedoch nicht automatisch.

Die Verwendung des Begriffs „Blockchain“ innerhalb einer Domain bedeutet nicht, dass diese von Blockchain.com betrieben wird oder zu diesem Unternehmen gehört.

Anleger sollten deshalb stets sorgfältig prüfen,

  • wer tatsächlich hinter einer Domain steht,
  • welche Unternehmensangaben vorhanden sind,
  • ob ein vollständiges Impressum existiert,
  • ob eine behördliche Zulassung vorliegt und
  • ob eine nachvollziehbare Unternehmenshistorie besteht.

Warum werden immer neue Gebühren verlangt?

Dieses Vorgehen gehört zu den auffälligsten Merkmalen organisierter Anlagebetrugsmodelle.

Sobald ein Anleger erstmals sein Geld zurückfordert, versuchen die Täter häufig, den Auszahlungsprozess möglichst lange hinauszuzögern.

Hierzu werden ständig neue Gründe erfunden.

In unserer anwaltlichen Praxis begegnen uns beispielsweise:

  • Blockchain-Gebühren,
  • Liquiditätsnachweise,
  • Wallet-Entsperrungen,
  • Steuerforderungen,
  • Sicherheitsleistungen,
  • Versicherungsgebühren,
  • Kreditrückzahlungen,
  • Börsengebühren,
  • Geldwäscheprüfungen,
  • internationale Transferkosten.

Gemeinsam ist diesen Forderungen, dass sie regelmäßig erst dann auftauchen, wenn eine Auszahlung verlangt wird.

Auffällige Widersprüche

Besonders kritisch sollten Anleger werden, wenn sich die Erklärungen ständig ändern.

Im unserer Kanzlei bekannten Sachverhalt wurde zunächst erklärt, dass das Blockchain-System geschlossen sei und keinerlei Änderungen vorgenommen werden könnten.

Kurze Zeit später wurde dieselbe Auszahlung jedoch angeblich aufgeteilt, sodass plötzlich mehrere Teilzahlungen möglich gewesen sein sollen.

Solche Widersprüche werfen erhebliche Fragen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der gemachten Angaben auf.

Welche Warnsignale sollten Anleger beachten?

Folgende Umstände sollten besonders aufmerksam machen:

  • hohe Gewinnversprechen,
  • angeblich garantierte Auszahlungen,
  • Kontaktaufnahme durch unbekannte Blockchain-Mitarbeiter,
  • Forderung weiterer Zahlungen vor einer Auszahlung,
  • Zeitdruck,
  • wechselnde Begründungen,
  • angebliche Sondergenehmigungen,
  • Kommunikation ausschließlich per E-Mail oder Messenger,
  • fehlende behördliche Zulassung,
  • Zahlungen an Privatpersonen oder unbekannte Wallet-Adressen.

Je mehr dieser Warnzeichen zusammentreffen, desto sorgfältiger sollte die gesamte Geschäftsbeziehung überprüft werden.

Was sollten Betroffene jetzt tun?

Wer bereits mit assistance-blockchain.org oder einer vergleichbaren Domain kommuniziert hat, sollte keine weiteren Zahlungen leisten, ohne den Sachverhalt sorgfältig prüfen zu lassen.

Sinnvoll ist insbesondere,

  • sämtliche E-Mails zu sichern,
  • Chatverläufe zu speichern,
  • Wallet-Adressen zu dokumentieren,
  • Transaktionshashes aufzubewahren,
  • Zahlungsbelege herunterzuladen,
  • Bankunterlagen zu sichern,
  • Strafanzeige zu erstatten und
  • die Zahlungsströme blockchainforensisch untersuchen zu lassen.

Je früher Wallets und Zahlungswege nachvollzogen werden können, desto größer sind die Chancen, weitere Ermittlungsansätze zu gewinnen.

FAQ

Ist assistance-blockchain.org eine offizielle Blockchain-Seite?

Aus dem Domainnamen allein lässt sich dies nicht ableiten. Anleger sollten eigenständig prüfen, wer Betreiber der Internetseite ist und ob tatsächlich eine Verbindung zu einem bekannten Unternehmen besteht.

Warum verlangt eine Blockchain-Abteilung Geld?

Seriöse Blockchain-Netzwerke verlangen grundsätzlich keine individuellen Freischaltungsgebühren für die Auszahlung eines Guthabens. Werden derartige Zahlungen gefordert, sollte der Sachverhalt sorgfältig überprüft werden.

Kann eine Blockchain-Auszahlung gesperrt werden?

Hierauf gibt es keine pauschale Antwort. Werden jedoch erhebliche Vorauszahlungen verlangt, bevor angeblich vorhandene Guthaben ausgezahlt werden sollen, ist besondere Vorsicht geboten.

Sind Blockchain-Gebühren vor einer Auszahlung üblich?

Pauschale Vorauszahlungen in erheblicher Höhe gehören nicht zu den typischen Abläufen seriöser Kryptotransaktionen. Entsprechende Forderungen sollten kritisch hinterfragt werden.

Was sollte ich tun, wenn ich bereits gezahlt habe?

Bewahren Sie sämtliche Unterlagen auf und lassen Sie den Sachverhalt möglichst früh rechtlich und blockchainforensisch prüfen. Häufig ergeben sich aus Wallet-Analysen und Zahlungswegen wichtige Ermittlungsansätze.

Unsere Einschätzung

Nach den unserer Kanzlei bekannten Informationen weist die Kommunikation über assistance-blockchain.org beziehungsweise sandra.champagne@assistance-blockchain.org deutliche Parallelen zu bekannten Fällen des Online-Anlagebetrugs und sogenannter Recovery-Scams auf. Eine abschließende rechtliche Bewertung bleibt den zuständigen Strafverfolgungsbehörden vorbehalten.

Anleger sollten bei Forderungen nach zusätzlichen Zahlungen vor einer angeblichen Auszahlung besondere Vorsicht walten lassen und sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Kanzlei Wilms – Rechtsanwalt für Kryptobetrug & Online-Investmentbetrug
📞 +49 69 380 781 603
📩 info@anwalt-wilms.de
🌐 https://anwalt-wilms.de/kontakt/