Trade Capital und Fibonetix: Täter vor Gericht

29.01.2026 87 Mal gelesen Autor: Arthur Wilms
Trade Capital und Fibonetix: Täter vor Gericht – Ein Meilenstein im Kampf gegen Online-Anlagebetrug

Der internationale Online-Anlagebetrug über vermeintliche Trading-Plattformen beschäftigt seit Jahren Ermittlungsbehörden, Gerichte und tausende geschädigte Anleger. Nun liegt ein besonders bedeutender Verfahrenskomplex vor: Vor dem Landgericht Bamberg müssen sich zentrale Akteure eines professionell organisierten Betrugsnetzwerks verantworten, das unter anderem über die Plattformen Trade Capital und Fibonetix agierte.

Die nun erhobene Anklage markiert einen wichtigen Wendepunkt – nicht nur strafrechtlich, sondern auch aus Sicht der geschädigten Anleger, die vielfach seit Jahren auf Aufklärung, Sanktionierung und mögliche Rückführung von Geldern warten.

Internationales Betrugsnetzwerk mit klarer Hierarchie

Nach den Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern handelte es sich bei dem Netzwerk nicht um vereinzelte Täter, sondern um eine hochgradig arbeitsteilig organisierte, hierarchische Struktur, die gezielt auf die fortlaufende Begehung von Betrugstaten ausgelegt war.

Die Täter betrieben mehrere Online-Trading-Plattformen, die ausschließlich dem Zweck dienten, Anleger zu Einzahlungen zu bewegen. Die angezeigten Gewinne waren – wie in vergleichbaren Cybertrading-Fällen – rein virtuell und dienten dazu, weitere Einzahlungen auszulösen.

Kern des Systems waren Callcenter in Kiew, Sofia und Belgrad, aus denen heraus Anleger kontaktiert, betreut und systematisch zu weiteren Investitionen gedrängt wurden. Die Täter agierten länderübergreifend, nutzten wechselnde Firmierungen, internationale Bankkonten und ein komplexes Firmen- und Scheinfirmengeflecht zur Verschleierung der Geldströme.

Trade Capital und Fibonetix als zentrale Tatmittel

Besonders relevant für den deutschsprachigen Raum waren die Plattformen Trade Capital und Fibonetix, über die hunderte Anleger zur Zahlung teils erheblicher Beträge veranlasst wurden. Nach den bislang bekannten Zahlen wurden allein in Deutschland 399 Geschädigte identifiziert. Der dokumentierte Schaden beläuft sich auf knapp 10 Millionen Euro, wobei die Ermittlungsbehörden von einem tatsächlichen Gesamtschaden von mindestens 27 Millionen Euro ausgehen.

Einzelne Geschädigte verloren sechsstellige Beträge; der höchste bekannte Einzelschaden liegt bei 584.000 Euro. Charakteristisch ist auch hier das typische Muster: anfängliche „Erfolge“, stetig steigende Kontostände, aggressive Betreuung durch angebliche Broker – und schließlich Auszahlungsverweigerungen sowie neue Forderungen.

Luxusfahrzeuge, Geldwäsche und internationale Zugriffe

Die Ermittlungen zeigen eindrucksvoll, wie professionell und gewinnorientiert das Netzwerk agierte. Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, aus den Betrugstaten mindestens 5,6 Millionen Euro persönlich erlangt zu haben. Bei Zugriffen wurden unter anderem Luxusuhren, Bargeld sowie ein Lamborghini und ein Rolls-Royce sichergestellt, die später für einen hohen sechsstelligen Betrag verwertet wurden.

Parallel wurden auch Geldwäschestrukturen zerschlagen, unter anderem mit Bezug nach Berlin. In diesem Zusammenhang kam es bereits zu rechtskräftigen Verurteilungen weiterer Beteiligter.

Auslieferung und Hauptverhandlung

Die beiden Hauptangeklagten wurden Ende 2021 in Israel festgenommen und im Jahr 2023 nach Deutschland ausgeliefert. Nach Einrichtung einer spezialisierten Cyber-Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Bamberg wurde die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen.

Zahlreiche Mittäter – insbesondere sogenannte „Retention Agents“ aus den Callcentern – wurden bereits zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Für gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vor.

Zusammenfassung

Die Anklage gegen die Betreiber der Plattformen Trade Capital und Fibonetix zeigt deutlich:
Online-Anlagebetrug ist kein rechtsfreier Raum. Auch international agierende Täter können identifiziert, ausgeliefert und vor deutschen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden. Gleichzeitig belegt der Fall, wie professionell, aggressiv und systematisch solche Betrugsmodelle aufgebaut sind – und wie hoch die Schäden für die Betroffenen ausfallen.

Für geschädigte Anleger ist das Verfahren ein wichtiges Signal: Die strafrechtliche Aufarbeitung schreitet voran, Vermögenswerte wurden gesichert, und in geeigneten Fällen können sich Anknüpfungspunkte für Rückgewinnung, Adhäsionsverfahren oder weitere zivilrechtliche Schritte ergeben.

Hinweis für Geschädigte

Wer über Trade Capital, Fibonetix oder vergleichbare Plattformen investiert hat und wissen möchte,

  • welche rechtlichen Möglichkeiten aktuell bestehen,
  • ob eine Beteiligung am Strafverfahren sinnvoll ist oder
  • welche Chancen auf Rückführung von Geldern realistisch sind,

kann sich gerne direkt an mich wenden. Eine individuelle Prüfung des Einzelfalls ist entscheidend, da die Erfolgsaussichten maßgeblich von Zahlungswegen, Zeitpunkten und der konkreten Einbindung in das Tatgeschehen abhängen.

Kanzlei Wilms – Rechtsanwalt für Krypto- & Online-Investmentrecht
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