Compliance in Familienunternehmen

Fachartikel aus dem Bereich Steuern und Steuerstrafrecht - 04.03.2012 - 454 mal gelesen.
Compliance in Familienunternehmen – Trend oder Schnick-Schnack? Mit dem Stichwort Compliance wird etwas scheinbar Selbstverständliches umschrieben: die Verantwortung der Unternehmensleitung, für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien zu sorgen.
Compliance in Familienunternehmen

Für kapitalmarktorientierte Unternehmen wurde 2007 im Dunstkreis der Schmiergeld-Affäre bei Siemens die Verpflichtung auf das Compliance-Konzept in den Deutschen Corporate Governance Codex aufgenommen (Ziff. 4.1.3). Das Institut der Wirtschaftsprüfer hat einen Entwurf für die Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung von Compliance Management Systemen (CMS) vorgelegt (IdW EPS 980, download unter http://www.idw.de/idw/portal/n281334/n281114/n281116/index.jsp). Idealtypisch verantwortet ein unabhängiger Compliance-Manager (Chief Compliance Officer, CCO) die effektive Organisation der Risiken (u.a. Kenntnis aller relevanten Regeln im In- und Ausland, Information und Schulung der Mitarbeiter, Kontrolle der Einhaltung etc.).

In Familienunternehmen wird dem Thema noch nicht dieselbe Bedeutung beigemessen. Das mag daran liegen, dass man Kosten für die Einrichtung eines CMS scheut und/oder die Risiken für die Unternehmensleitung falsch einschätzt. Das Spektrum der Sanktionen reicht von der Strafbarkeit der Unternehmensleitung (z.B. wg. Untreue, Bestechungsdelikten) oder Bußgeldern, der persönlichen Haftung für Schäden des Unternehmens, erhöhten Kosten für Beraterhonorare (insbesondere der Verteidigung) bis zum Imageschaden. Gerade für Markenunternehmen oder viele Hidden Champions ist die Rufschädigung eine gravierende Gefahr.

Häufig unterschätzt der Mittelstand nach Expertenmeinung das Thema Korruption. So sind auch die Steuerbehörden verpflichtet, die Staatsanwaltschaft zu informieren, sobald z.B. im Zuge einer Betriebsprüfung ein Anfangsverdacht entsteht. Weitere Gefahren lauern z.B. bei kartellwidrigen Absprachen, Geldwäsche, Sozialabgaben, Diskriminierungen, Datenschutz, Umweltrecht, um nur einiges zu nennen.

Es ist eine der zentralen Aufgaben der Unternehmensleitung auch bei Familienunternehmen, die organisatorischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, um das Risiko eines Schadens aus der Missachtung von Regeln zu begrenzen. Die Einführung eines CMS bietet erhebliche Chancen, die Risikostruktur des Unternehmens zu verbessern. Konzeption, Angemessenheit, Implemetierung und Wirksamkeit sollten regelmäßig kontrolliert werden.

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