Aktuell zum Champions League Halbfinale – Sind Fußball Live Streams legal oder illegal?

Fachartikel aus dem Bereich Internet, IT und Telekommunikation - 30.04.2013 - 9.995 mal gelesen, 1 mal kommentiert.
Viele Fußball-Fans nutzen Streaming-Angebote im Internet. Allerdings betreten sie damit einen rechtlichen Graubereich und sollten sich vor Anpfiff fragen: Sind Fußball Live Streams erlaubt oder illegal? Welche Risiken gehe ich durch das Anschauen ein? Antwort auf die wichtigsten Fragen.
Aktuell zum Champions League Halbfinale – Sind Fußball Live Streams legal oder illegal?

Welche Arten von Fußball Live Streams gibt es?

Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten, die Begegnung online anzusehen. Zum einen überträgt  der Schweizer Fernsehsender SF2 die Begegnung und bietet auch einen entsprechenden Live Stream im Internet an. Zwar verwendet der Sender eine sogenannte IP-Geosperre, die Nutzer aus Deutschland anhand ihrer IP-Adresse erkennt und von dem Online-Angebot ausschließt. Findige User setzen aber Dienste wie Cyberghost, OkayFreedom oder Hotspot Shield ein, die über ausländische Proxy-Server oder virtuelle Netzwerke (VPN) auf das Stream-Angebot diesen Mechanismus so leicht austricksen.

Daneben lassen sich sogar die Fußball-Übertragungen des Bezahlsenders Sky kostenlos über das Internet empfangen. Angeboten wird dies oft von ausländischen, z.B. russischen oder chinesischen Plattformen, wobei zu unterscheiden ist: Bei einigen Angeboten empfängt der Nutzer lediglich das Sky-Signal und kann den Stream auf seinem Rechner ansehen.

Andere Dienste, für die meist eine spezielle Software installiert werden muss, funktionieren dagegen so, dass der User das Signal nicht nur empfängt, sondern zugleich auch weiterleitet. Ein solches p2p-Broadcasting ähnelt damit stark der Technologie, die auch bei Filesharing-Netzwerken eingesetzt wird.

Darf man den Live Stream des Schweizer Fernsehens legal nutzen?

Ja. Nach meiner Auffassung begehen Fußball-Fans, die mit Hilfe der beschriebenen Proxy- oder VPN-Diensten dieses Angebot ansehen, weder eine Urheberrechtsverletzung, noch eine strafbare Handlung, sondern handeln legal.

Zum einen fertigen sie von der Sendung nämlich keine Kopie im Sinne des Urheberrechtsgesetzes an (näher dazu unten) und verbreiten das Signal auch nicht an andere Personen weiter. Zum anderen ist das Austricksen der Geosperre nicht als Verstoß gegen das gesetzliche Verbot zu werten, so genannte wirksame technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. Strafbar ist dies nämlich nur, wenn die Umgehung nicht ausschließlich zum privaten Gebrauch  stattfindet – genau das trifft aber regelmäßig auf Fußball-Fans zu, die Spiele online zum Vergnügen ansehen. Und auch zivilrechtliche Folgen treten hier nur ein, wenn die  eingesetzten technischen Mittel in der Praxis zumindest einen nennenswerten Schutz bewirken. Angesichts dessen, dass selbst nur wenig mit dem Internet vertraute User durch Proxy- oder VPN-Dienste eingesetzte IP-Geosperren umgehen, kann davon aber überhaupt keine Rede sein.

Zwar sind sich Fachleute bei dieser rechtlichen Frage uneinig und klärende Gerichtsurteile fehlen bislang. Das Risiko für Fußball-Fans, etwa von Abmahnungen, ist aber dennoch äußerst gering. In Praxis ist das Streaming nämlich nur schwer zu verfolgen, weil Rechteinhaber zwei Anfragen – beim ausländischen Proxy-Betreiber und beim deutschen Internet-Provider des Nutzers – stellen müssten.

Sind auch Streams von Sky-Sendungen online legal?

Jein, das heißt es ist nach den verschiedenen Übertragungsarten zu unterscheiden. Bei Live-Streams, die nur passiv empfangen werden, vertrete ich schon lange die Rechtsauffassung, dass der Nutzer sie legal ansehen darf. Auf seinem Rechner entsteht nämlich gar keine unerlaubte Kopie im Sinne des Gesetzes. Zwar werden während des Streamings Teile des Videos in den Arbeitsspeicher (RAM) des Computers geladen. Dies geschieht aber nur flüchtig und zu keinem Zeitpunkt wird die vollständige Video-Datei auf der Festplatte abgelegt. Das Anschauen selbst ist dann überhaupt nicht mehr als urheberrechtliche Nutzung zu werten und deshalb legal. Weil es noch keine Gerichtsentscheidungen dazu gibt, handeln User aber in einer rechtlich unsicheren Grauzone.

Illegal sind aber die beschriebenen p2p-Broadcasting-Dienste wie zum Beispiel Sopcast. Sobald der Nutzer nämlich eine solche Übertragung streamt, leitet er gleichzeitig auch das Sky-Signal weiter und verbreitet damit an andere User urheberrechtlich geschützte Inhalte. Nach dem Gesetz ist das eine Urheberrechtsverletzung, die beispielsweise Abmahnungen und damit hohe Kosten zur Folge haben kann. Selbst strafrechtliche Sanktionen sind hier möglich.

Fazit

Von Broadcasting-Angeboten wie Sopcast & Co. sollte man in jedem Fall die Finger lassen. Reine Live-Streams von Sky-Übertragungen dagegen sind ebenso wie das Umgehen von Geosperren legal. Aufgrund der verbleibenden rechtlichen Unsicherheiten kann es für Fußball-Liebhaber unter Umständen aber dennoch eine Überlegung wert sein, das heutige Spiel nicht zu Hause per Stream, sondern in öffentlichen Lokalen oder Kneipen mit Sky-Abo anzuschauen. Dann lässt sich Champions League gemeinsam mit anderen Fans genießen – und nach 90 Minuten hoffentlich jubeln!

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Autor: David H. Schneider Datum: 03.05.2013, 18:04

Vielen Dank an den Autor für diesen gelungenen Beitrag, der die verschiedenen Übertragungswege einmal kennzeichnet. Allerdings habe ich zumindest in einem Punkt eine differenzierte Ansicht: Der Autor kennzeichnet das Streaming-Angebot, welches nicht peer-to-peer weiter gegeben wird, sondern lediglich als Stream über einen zentralen Server läuft, als für den Nutzer legal. Dabei bezieht sich der Autor insbesondere auf die Annahme, dies sei legal, weil keine Kopie angefertigt werde. Dies kann allerdings auch gegenteilig gesehen werden. Bereits Kopien kleinerer Teile sind nach herrschender Auffassung als Verletzung des Urheberrechts zu werten, sofern sie nicht ausschließlich flüchtig sind. Flüchtig sind daher zum Beispiel Daten im Arbeitsspeicher (RAM). Im Normalfall wird der Stream aber nicht nur im Arbeitsspeicher abgelegt, sondern auch auf der Festplatte zwischengespeichert (gepuffert). Diese Daten fallen zuweilen recht umfangreich aus. Es ist meiner Meinung daher nicht grundsätzlich davon auszugehen, dass das Ansehen eines Streams von einem Zentralen Server legal ist.

Ich würde mich aber freuen, wenn der Autor zu diesem Argument Stellung nehmen könnte.

Mit herzlichem Dank,

David H. Schneider