Schwangerschaftskonfliktberatung

Rechtswörterbuch

 Normen 

§§ 218 ff. StGB

SchKG

 Information 

1. Einführung

Jede Frau und jeder Mann hat das Recht, sich zu den in § 1 SchKG genannten Zwecken in Fragen der Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung sowie in allen eine Schwangerschaft unmittelbar oder mittelbar berührenden Fragen von einer hierfür vorgesehenen Beratungsstelle informieren und beraten zu lassen.

2. Schwangerschaftskonfliktberatung

2.1 Allgemein

Das bestehende Hilfesystem ist darauf ausgerichtet, für alle problematischen Situationen, in die Frauen durch eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes geraten können, eine Lösung zu finden. Insbesondere kann dem Wunsch der Frau, Schwangerschaft und Geburt gegenüber Dritten geheim zu halten, entsprochen werden. Die Frau kann bereits während der Schwangerschaft in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden, ihr Kind gebären und anschließend zur Adoption freigeben. Der Schutz ihrer Daten und der des Kindes kann - bei einer Gefahrensituation - durch einen Sperrvermerk gewährleistet werden und alle Personen, denen sie sich anvertraut, unterliegen der strafrechtlich sanktionierten Schweigepflicht.

Dabei sind die Behörden gemäß § 1 Abs. 4 SchKG verpflichtet, sämtliche Hilfen für Schwangere und Mütter den betroffenen Frauen gegenüber bekannt zu machen. Dies umfasst auch die Möglichkeit sowie die Rahmenbedingungen einer vertraulichen Geburt.

2.2 Anonyme Beratung

Dabei kann gemäß § 2 SchKG auch die Beratung selbst auf Wunsch anonym erfolgen. Durch die unbedingte Zusage anonymer Beratung soll das Vertrauen gestärkt und Zugangshindernisse abgebaut werden.

3. Beratung als Voraussetzung für eine Abtreibung

Das Schwangerschaftskonfliktgesetz verlangt von einer Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage, die eine Schwangerschaft abbrechen lassen will, die Beratung in einer anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle. Der dort ausgestellte Beratungsschein ist Voraussetzung, um in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten eine zwar rechtswidrige, aber straffreie Abtreibung vornehmen lassen zu können. Nach § 219 StGB dient die Beratung dem Schutz des ungeborenen Lebens.

Hinweis:

Die katholischen Beratungsstellen mit Ausnahme einzelner Bistümer stellen auf Anordnung des damaligen Papstes Johannes Paul II. keine Beratungsscheine aus. Katholische Laienorganisationen, wie z.B. die Organisation "Donum Vitae" haben ihre Aufgaben übernommen.

Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG 15.07.2004 - 3 C 48/03) haben aber auch die Beratungsstellen, die keine Schwangerschaftskonfliktberatung durchführen, einen Anspruch auf eine öffentliche Förderung gemäß § 4 SchKG.

4. Notruf

Der Bund ist gemäß § 1 Abs. 5 SchKG verpflichtet, für schwangere Frauen einen 24 Stunden erreichbaren zentralen Notruf einzurichten. Die Beratungskraft des Notrufs bietet Erstberatung und Krisenintervention und vermittelt die Schwangere an eine Beratungsstelle in ihrer Nähe. Bei einer unmittelbar bevorstehenden Geburt wird sie die Schwangere an eine geburtshilfliche Einrichtung vermitteln.

Der Bund stellt durch den bundesweiten zentralen Notruf sicher, dass Schwangere in Konfliktlagen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen, jederzeit und unverzüglich an eine Beratungsstelle nach den §§ 3 und 8 SchKG vermittelt werden. Er macht den Notruf bundesweit bekannt und betreibt kontinuierlich Öffentlichkeitsarbeit für den Notruf.

 Siehe auch 

BVerwG 25.06.2015 - 3 C 1.14 (Voraussetzungen der staatlichen Förderung katholischer Schwangerenberatungsstellen)

BVerwG 03.07.2003 - 3 C 26/02 (Förderung der Beratungsstellen)

Amend-Traut/Bongartz: Der Schwangerschaftsabbruch bei Minderjährigen - rechtliche Perspektiven zwischen Selbstbestimmung und elterlicher Verantwortung; Zeitschrift für das gesamte Familienrecht - FamRZ 2016, 5

Satzger: Der Schwangerschaftsabbruch (§§ 218 ff. StGB); Jura 2008, 424

Suerbaum: Berufsfreiheit und rechtswidriger Schwangerschaftsabbruch; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2000, 849

Woopen/Rummer: Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch. Pflichten der Ärzte und Ansprüche der schwangeren Frauen; Medizinrecht - MedR 2009, 130