Mutterschaftsgeld

Rechtswörterbuch

 Normen 

§§ 13, 14 MuSchG

§ 24i SGB V

§§ 9 ff. KVLG

§ 1 Abs. 2 AAG

 Information 

1. Allgemein

Das Mutterschaftsgeld ist der Gehaltsersatz während der Mutterschaftsschutzfristen.

Das Arbeitsentgelt wird während der Mutterschaftsschutzfristen zu einem Teil durch das von der gesetzlichen Krankenversicherung gezahlte Mutterschaftsgeld, zum anderen durch den vom Arbeitgeber zu zahlenden Zuschuss zum Mutterschaftsgeld ersetzt.

2. Voraussetzungen

§ 13 Abs. 1 MuSchG beinhaltet keinen eigenständigen Anspruch auf Mutterschaftsgeld, sondern verweist auf die Vorschriften des SGB V. Diese regeln in § 24i Abs. 1 SGB V die Anspruchsvoraussetzungen:

  • Nach § 24i Abs. 1 S. 1 SGB V:

    • Die Arbeitnehmerin hätte bei Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Krankengeld.

      oder

    • Ihr wird wegen der Schutzfristen nach § 3 Absatz 2 und § 6 Absatz 1 des Mutterschutzgesetzes kein Arbeitsentgelt gezahlt.

      Hierzu gehören Arbeitnehmerinnen, deren Arbeitsverhältnis wegen Geringfügigkeit nicht krankenversicherungspflichtig ist und die aus anderen Gründen in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind (Studentinnen, freiwillig Versicherte, Bezieherinnen einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung).

      Keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben familienversicherte Frauen, da sie nicht selbst Mitglied der Krankenkasse sind.

  • Nach § 24i Abs. 1 S. 2 SGB V:

    • Nunmehr ist seit dem 23.07.2015 die Rechtslage auch für bislang zwei nicht geklärte Fälle geregelt:

      • Das Beschäftigungsverhältnis endet unmittelbar am Tag vor Beginn der Mutterschutzfrist:

        Um die soziale Absicherung der betroffenen Schwangeren sicherzustellen, wird ausdrücklich klargestellt, dass auch in den Fällen ein Anspruch auf Mutterschaftsgeld besteht, in denen Frauen mit Beginn der Schutzfrist nicht mehr Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung mit Anspruch auf Krankengeld sind. Durch die Regelung wird der Anspruch auf Mutterschaftsgeld ausdrücklich auf die in der Praxis vorkommenden Fälle erstreckt, in denen Frauen bis unmittelbar vor Beginn der Schutzfrist in einem Arbeitsverhältnis standen, wenn sie am letzten Tag des Arbeitsverhältnisses (versicherungspflichtiges oder freiwilliges) Mitglied einer Krankenkasse waren. Bei Frauen, die zuletzt während der Beschäftigung freiwilliges Mitglied waren, beinhaltet die über das Ende des Arbeitsverhältnisses fortbestehende freiwillige Mitgliedschaft ebenfalls einen Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

      • Daneben wurde der Anspruch auf Mutterschaftsgeld ausdrücklich auch auf diejenigen Frauen erstreckt, die zu Beginn der Mutterschutzfrist allein deshalb keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld hatten, weil ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld wegen einer Urlaubsabgeltung oder wegen einer Sperrzeit ruht und eine Mitgliedschaft mit einem Krankengeldanspruch nicht begründet werden kann. Mit der Neuregelung erhalten die betroffenen Frauen unabhängig von ihrem versicherungsrechtlichen Status in der gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes. Der Anspruch auf Mutterschaftsgeld ruht, solange Anspruch auf Urlaubsabgeltung besteht.

        Dabei wird klargestellt, dass die betroffenen Frauen nicht gleichzeitig Urlaubsabgeltung und Mutterschaftsgeld erhalten können.

    • Die Arbeitnehmerin muss bei Beginn der Schutzpflicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein.

Zur Anspruchsberechtigung haben sich die Spitzenverbände der Krankenkassen in einem gemeinsamen Rundschreiben auf einheitliche Regelungen festgelegt (Gemeinsames Rundschreiben zu den Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft vom 23. Februar 2005).

3. Dauer

Das Mutterschaftsgeld wird während der gesamten Dauer der Beschäftigungsverbote (Mutterschaftsschutz) gezahlt.

4. Höhe

4.1 Mutterschaftsgeld

Das von der Krankenversicherung zu zahlende Mutterschaftsgeld beträgt höchstens 13,00  EUR täglich.

4.2 Zuschuss des Arbeitsgebers zum Mutterschaftsgeld

Liegt der tägliche Nettolohn der Arbeitnehmerin über diesem Betrag, so hat der Arbeitgeber die Differenz zwischen dem täglichen Nettolohn und dem Mutterschaftsgeld als Zuschuss zu zahlen.

Der tägliche Nettolohn wird aus dem durchschnittlichen Arbeitsentgelt der letzten drei abgerechneten Monate vor Beginn der Schutzfrist berechnet. Bei einem Steuerklassenwechsel ist diejenige Steuerklasse maßgebend, die bei der letzten "normalen" Gehaltsabrechnung gültig war. Einmalige Zahlungen, wie z.B. Weihnachts- oder Urlaubsgelder, werden nicht berücksichtigt.

Im Regelfall entspricht der abgerechnete Verdienst dem im Bemessungszeitraum erzielten Verdienst. Fallen Abrechnungszeitraum und Verdienstzeitraum jedoch auseinander, ist eine Zuordnung des Entgelts zum Berechnungszeitraum notwendig:

Ein Entgelt, das für längerfristige Perioden als einen Kalendermonat zugesagt worden ist, wird nach der Entscheidung BAG 14.12.2011 - 5 AZR 439/10 "in den einzelnen Monaten des Bezugszeitraums anteilig verdient. Kennzeichnend für eine solche Regelung ist die Einbindung in das vertragliche Synallagma und die Zahlung eines anteiligen Betrags proratatemporis im Falle des vorzeitigen Ausscheidens und des unterjährigen Eintritts (...). Überschneiden sich Leistungszeitraum und Berechnungszeitraum (...), ist das Entgelt proratatemporis in den Durchschnittsverdienst für die Ermittlung des Zuschusses einzustellen."

4.3 Erstattung des Zuschusses

Arbeitgeber sind verpflichtet, an die gesetzlichen Krankenkassen eine Umlage (U 2) zu zahlen und erhalten dafür ihre Aufwendungen erstattet, die ihnen durch die Mutterschaft von Arbeitnehmerinnen entstehen.

Gemäß § 1 Abs. 2 AAG (Aufwendungsausgleichsgesetz) haben bei den Mutterschaftsleistungen unabhängig von der Größe des Betriebes alle Arbeitgeber Anspruch auf folgende Leistungen:

  • Zuschuss zum Mutterschaftsgeld

  • Zahlung des Arbeitsentgelts der Arbeitnehmerin im Falle eines Beschäftigungsverbotes

  • Zahlung der Arbeitgeberanteile der entsprechenden Sozialversicherungskosten

Die Höhe der Umlage ergibt sich aus der Satzung der zuständigen Krankenkasse. Sie wird erhoben von den Gehältern der Angestellten, die im Krankheitsfall Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben und von der Vergütung der Auszubildenden, und zwar auch dann, wenn lediglich männliche Arbeitnehmer beschäftigt werden. Maßgebend ist das "rentenversicherungspflichtige Arbeitsentgelt".

5. Geringfügige Beschäftigungen

Geringfügig beschäftigte Arbeitnehmerinnen sind nicht pflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und haben insofern auch keinen Anspruch auf das von der gesetzlichen Krankenversicherung gezahlte Mutterschaftsgeld.

Gemäß § 13 Abs. 2 MuSchG wird das Mutterschaftsgeld in diesen Fällen von dem Bundesversicherungsamt gezahlt. Es ist in der Höhe jedoch auf 210,00 EUR begrenzt.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld zu zahlen, jedoch nur in Höhe von dem 13,00 EUR täglich übersteigenden Nettoentgelt (auch wenn dieser Betrag tatsächlich nicht gezahlt wird), sodass sich in der Praxis nur ein sehr geringfügiger Anspruch der Arbeitnehmerin ergibt.

6. Weitere Schwangerschaft

Wird die Arbeitnehmerin während der Elternzeit erneut schwanger, ändert sich für den Arbeitgeber nichts. Das Ruhen des Arbeitsverhältnisses wird nicht durch die erneute Schwangerschaft überlagert.

Dies wurde erstmals in dem Urteil BAG 29.01.2003 - 5 AZR 701/01 höchstrichterlich bestätigt. Nach der Entscheidung besteht kein Anspruch auf den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, wenn das Arbeitsverhältnis aufgrund der Elternzeit ruht und die Arbeitnehmerin zudem keine zulässige Teilzeitarbeit leistet.

7. Sozialversicherungen

Sowohl das Mutterschaftsgeld als auch der Arbeitgeberzuschuss sind für die Arbeitnehmerin sozialversicherungs- und steuerfrei, die Mitgliedschaft bleibt aber bestehen. Der Zeitraum wird in der Rentenversicherung angerechnet.

 Siehe auch 

BAG 25.02.2004 - 5 AZR 160/03 (Mutterschaftsgeld während des Sonderurlaubs)

BAG 31.07.1996 - 5 AZR 9/95

BAG 18.09.1991 - 5 AZR 581/90

BAG 03.06.1987 - 5 AZR 592/86

BAG 11.06.1986 - 5 AZR 365/85

Roos/Bieresborn: MuSchG - BEEG: Mutterschutz - Elterngeld - Elternzeit; Kommentar; 1. Auflage 2014

Diese Artikel könnten Sie interessieren

10 Tipps zum Mutterschutz und zur Elternzeit

10 Tipps zum Mutterschutz und zur Elternzeit

Die praktische Umsetzung von Mutterschutz und Elternzeit wirft immer wieder Fragen auf, sowohl seitens der Arbeitnehmerinnen als auch der Arbeitgeber. Wir beantworten Ihnen die Wichtigsten. mehr

Mutterschutzzeiten bei betrieblicher Zusatzversorgung (VBL)

Mutterschutzzeiten bei betrieblicher Zusatzversorgung (VBL)

Das Bundesverfassungsgericht hat die VBL verpflichtet, Mutterschutzzeiten als Umlagemonate nach § 29 Abs. 7 und Abs. 10 VBLS a.F zu behandeln. Entsprechend sind diese Zeiten auf die Wartezeit… mehr

Zehn wichtige Verhaltensregeln für gekündigte Arbeitnehmer

Zehn wichtige Verhaltensregeln für gekündigte Arbeitnehmer

Der eigene Arbeitsplatz dient nicht nur der Sicherung des laufenden Lebensunterhaltes, sondern bildet nach dem Selbstverständnis der meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eine wesentliche… mehr