BVerfG, 21.12.2010 - 1 BvR 506/09 - Verfassungsbeschwerde hinsichtlich der Frage der Verletzung verfassungsmäßiger Rechte von Urhebern durch die Ablehnung einer Vergütungspflicht ("Geräteabgabe") für Personalcomputer (PCs) durch eine gerichtliche Entscheidung; Vereinbarkeit des Unterlassens einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Vorlagepflicht zum EuGH mit dem Recht auf den gesetzlichen Richter

Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 21.12.2010, Az.: 1 BvR 506/09
Gericht: BVerfG
Entscheidungsform: Beschluss
Datum: 21.12.2010
Referenz: JurionRS 2010, 31310
Aktenzeichen: 1 BvR 506/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG München I - 23.12.2004 - AZ: 7 O 18484/03

OLG München - 15.12.2005 - AZ: 29 U 1913/05

BGH - 02.10.2008 - AZ: I ZR 18/06

BGH - 15.01.2009 - AZ: I ZR 18/06

nachgehend:

BGH - 21.07.2011 - AZ: I ZR 30/11

BGH - 03.07.2014 - AZ: I ZR 30/11

Rechtsgrundlagen:

§ 54a UrhG a.F.

Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG

Art. 267 Abs. 3 AEUV

Fundstellen:

CR 2011, 85-86

GRUR 2011, 225-227 "PC"

GRUR-Prax 2011, 62

MMR 2011, 749-750

ZUM 2011, 309-311

Verfahrensgegenstand:

Verfassungsbeschwerde
der Verwertungsgesellschaft W...,
gegen
a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 15. Januar 2009 - I ZR 18/06 -,
b) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 2. Oktober 2008 - I ZR 18/06 -

Redaktioneller Leitsatz:

Liegt das Bestehen einer Vorlagepflicht an den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft, wie hinsichtlich der Frage des Bestehens einer Vergütungspflicht ("Geräteabgabe") für Personalcomputer (PCs) auf der Grundlage von § 54a UrhG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung, nahe, verstößt ein Urteil, das sich nicht mit der Vorlagepflicht zum Gerichtshof auseinandersetzt, gegen Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG.

In dem Verfahren
...
hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts
durch
die Richterin Hohmann-Dennhardt und
die Richter Gaier, Paulus
am 21. Dezember 2010
einstimmig beschlossen:

Tenor:

  1. 1.

    Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 2. Oktober 2008 - I ZR 18/06 - verletzt die Beschwerdeführerin in ihrem grundrechtsgleichen Recht aus Artikel 101 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes. Das Urteil wird aufgehoben. Die Sache wird an den Bundesgerichtshof zurückverwiesen. Damit wird der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 15. Januar 2009 - I ZR 18/06 - gegenstandslos.

  2. 2.

    Die Bundesrepublik Deutschland hat der Beschwerdeführerin ihre notwendigen Auslagen zu erstatten.

  3. 3.

    Der Wert des Gegenstandes der anwaltlichen Tätigkeit wird auf 333.000 € (in Worten: dreihundertdreiunddreißigtausend Euro) festgesetzt.

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