BGH, 15.05.2014 - III ZR 368/13 - Ausreichen der bloßen Abrufbarkeit einer Widerrufsbelehrung auf einer gewöhnlichen Webseite des Unternehmers für die formgerechte Mitteilung der Widerrufsbelehrung an den Verbraucher; Vergütungsanspruch für Lehrgänge des Naturheilverfahrens

Bundesgerichtshof
Urt. v. 15.05.2014, Az.: III ZR 368/13
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 15.05.2014
Referenz: JurionRS 2014, 15798
Aktenzeichen: III ZR 368/13
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Ettlingen - 11.10.2012 - AZ: 1 C 98/12

LG Karlsruhe - 26.07.2013 - AZ: 1 S 146/12

Fundstellen:

CR 2014, 736-739

DB 2014, 1366-1370

EBE/BGH 2014, 196-200

EWiR 2014, 621

IR 2014, 286-287

ITRB 2014, 199-200

JZ 2014, 419

K&R 2014, 519-524

MDR 2014, 790-791

MMR 2014, 525-529

NJW 2014, 2857-2860

NWB 2014, 1926

NWB direkt 2014, 676

VersR 2014, 838

WM 2014, 1146-1151

WuB 2014, 625-626

ZIP 2014, 45-46

ZIP 2014, 1485-1490

Amtlicher Leitsatz:

BGB § 242 Cd, § 309 Nr. 12 Buchst. b, § 312d Abs. 1 [F: 2. Januar 2002], § 355 [F: 29. Juli 2009]

  1. a)

    Die bloße Abrufbarkeit einer Widerrufsbelehrung auf einer gewöhnlichen Webseite ("ordinary website") des Unternehmers reicht für die formgerechte Mitteilung der Widerrufsbelehrung an den Verbraucher nach § 355 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 Satz 1, § 126b BGB nicht aus (Anschluss an BGH, Urteil vom 29. April 2010 - I ZR 66/08, NJW 2010, 3566).

  2. b)

    Die vom Unternehmer in einem Online-Anmeldeformular vorgegebene, vom Kunden (Verbraucher) bei der Anmeldung zwingend durch Anklicken mit einem Häkchen im Kontrollkasten zu versehende Bestätigung

    "Widerrufserklärung

    □ Widerrufsbelehrung zur Kenntnis genommen und ausgedruckt oder abgespeichert?"

    ist gemäß § 309 Nr. 12 Buchst. b BGB sowie deshalb unwirksam, weil sie von den verbraucherschützenden Regelungen in § 355 Abs. 2 und 3, § 360 Abs. 1 BGB zum Nachteil des Verbrauchers abweicht.

  3. c)

    Ist eine vom Unternehmer vorformulierte Bestätigung des Kunden unwirksam, so kann der Unternehmer dem Widerruf des Kunden nicht den Einwand unzulässiger Rechtsausübung entgegenhalten und gegen den Kunden auch keinen Schadensersatzanspruch wegen arglistiger Täuschung oder sonstiger Treuepflichtverletzung geltend machen, indem er den Vorwurf erhebt, dass der Kunde diese Bestätigung wahrheitswidrig erteilt habe.

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 15. Mai 2014 durch den Vizepräsidenten Schlick und die Richter Dr. Herrmann, Hucke, Tombrink und Dr. Remmert

für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision der Klägerin gegen das Urteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe vom 26. Juli 2013 wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Revisionsrechtszugs hat die Klägerin zu tragen.

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