BGH, 29.11.2011 - XI ZR 370/10 - Notierung der PIN auf der Karte durch einen Karteninhaber als Beweis des ersten Anscheins bei der missbräuchlichen Abhebung an einem Geldautomaten unter Eingabe der richtigen PIN

Bundesgerichtshof
Urt. v. 29.11.2011, Az.: XI ZR 370/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 29.11.2011
Referenz: JurionRS 2011, 32714
Aktenzeichen: XI ZR 370/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Göppingen - 23.04.2010 - AZ: 7 C 115/10

LG Ulm - 20.10.2010 - AZ: 1 S 81/10

Fundstellen:

BB 2011, 3009 (Pressemitteilung)

BB 2012, 265

BB 2012, 1119-1120

BKR 2012, 128-132

CR 2012, 194

DB 2012, 343-346

EBE/BGH 2012, 37-40

EWiR 2012, 171

GWR 2012, 89

JuS 2012, 11

Kreditwesen 2012, 489-490

MDR 2011, 8

MDR 2012, 239-240

MMR 2012, 10

MMR 2012, 225-227

NJ 2012, 206-207

NJW 2012, 8

NJW 2012, 1277-1280

NWB 2011, 4087

NWB direkt 2011, 1275

RÜ 2012, 144-146

V&S 2012, 8

VuR 2012, 78

VuR 2012, 105-107

wistra 2012, 4

WM 2012, 164-168

WuB 2012, 273-275

ZBB 2012, 69

ZIP 2011, 5

Amtlicher Leitsatz:

ZPO§ 286 C BGB § 280 Abs. 1

  1. a)

    Bei missbräuchlicher Abhebung an einem Geldautomaten unter Eingabe der richtigen persönlichen Geheimzahl (PIN) spricht der Beweis des ersten Anscheins nur dann dafür, dass der Karteninhaber pflichtwidrig die PIN auf der Karte notiert oder gemeinsam mit dieser verwahrt hat, wenn bei der Abhebung die Originalkarte eingesetzt worden ist (Bestätigung des Senatsurteils vom 5. Oktober 2004 - XI ZR 210/03, BGHZ 160, 308, 314 f.).

  2. b)

    Zur Auslegung einer Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer kartenausgebenden Bank, nach der der Karteninhaber vor Anzeige des Verlustes der Karte lediglich bis zu einem bestimmten Höchstbetrag haftet.

  3. c)

    Legt eine kartenausgebende Bank in Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Höchstbetrag für Bargeldauszahlungen an Geldautomaten pro Tag fest, schützt diese Klausel auch den Karteninhaber, sodass dessen Haftung im Falle eines Kartenmissbrauchs auf diesen Betrag begrenzt sein kann, wenn die Bank ihrer Pflicht, die Einhaltung des Höchstbetrags zu sichern, nicht genügt hat.

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 29. November 2011 durch den Vorsitzenden Richter Wiechers, die Richterin Mayen sowie die Richter Dr. Grüneberg, Maihold und Pamp für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Ulm vom 20. Oktober 2010 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

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