BGH, 16.06.2009 - XI ZR 539/07 - Ausschluss der Sittenwidrigkeit bei Bürgschaften oder Mithaftungsübernahmen finanziell krass überforderter Ehepartner; Auswirkung der Unklarheit vorformulierter Bankbedingunen nicht zu Lasten des finanziell krass überforderten Bürgen oder Mithaftenden; Verhältnis von Möglichkeit der Restschuldbefreiung zur Sittenwidrigkeit ruinöser Bürgschaften oder Schuldbeitritte

Bundesgerichtshof
Urt. v. 16.06.2009, Az.: XI ZR 539/07
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 16.06.2009
Referenz: JurionRS 2009, 17873
Aktenzeichen: XI ZR 539/07
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Wiesbaden - 02.09.2005 - AZ: 3 O 23 /05

OLG Frankfurt am Main - 15.09.2006 - AZ: 23 U 250/05

Fundstellen:

BB 2009, 1946

BGHReport 2009, 993-995

DB 2009, 1646-1649

DNotI-Report 2009, 140-141

DNotZ 2010, 51-54

EWiR 2009, 527

FamRZ 2009, 1575

GuT 2009, 327

GWR 2009, 276

JurBüro 2009, 667

Kreditwesen 2010, 79-80

Life&Law 2009, 732-735 (Volltext mit amtl. LS)

MDR 2009, 1056-1057

NJ 2009, 471-472

NJW 2009, 2671-2674 "anderweitige Sicherheit"

NJW-Spezial 2009, 645-646

NotBZ 2009, 458

NWB 2009, 2464-2465

NWB direkt 2009, 829-830

NZI 2009, 609-612

RÜ 2009, 545-549

StX 2009, 686

VersR 2010, 1223-1226

VuR 2009, 421-422

WM 2009, 1460-1464

WuB 2009, 675-677

ZBB 2009, 316

ZFE 2009, 442

ZfIR 2009, 610

ZGS 2009, 391-392

ZInsO 2009, 1551-1555

ZIP 2009, 1462-1466

Amtlicher Leitsatz:

  1. a)

    Eine anderweitige Sicherheit schließt die Sittenwidrigkeit von Bürgschaften oder Mithaftungsübernahmen finanziell krass überforderter Ehepartner bzw. Lebenspartner für eine Darlehensschuld des anderen Teils nur dann aus, wenn gewährleistet ist, dass den Betroffenen allenfalls eine seine Finanzkraft nicht übersteigende "Ausfallhaftung" trifft.

  2. b)

    Bei der Frage, ob die Grundschuld nach dem Inhalt der vorformulierten Bankbedingungen auch künftige Forderungen gegen den Darlehensnehmer sichert, darf eine Unklarheit im Sinne von § 5 AGBG (§ 305c Abs. 2 BGB) nicht zu Lasten des finanziell krass überforderten Bürgen oder Mithaftenden gehen.

  3. c)

    Die gemäß § 286 ff. InsO schließt eine Anwendung des § 138 Abs. 1 BGB auf ruinöse Bürgschaften oder Schuldbeitritte finanzschwacher Ehepartner bzw. Lebenspartner nicht aus.

Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 16. Juni 2009
durch
den Richter Dr. Joeres als Vorsitzenden und
die Richter Dr. Müller, Dr. Ellenberger, Maihold und Dr. Matthias
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Rechtsmittel der Klägerin werden, im Kostenpunkt und soweit die Klageanträge zu I. und III. zurückgewiesen worden sind, das Urteil des 23. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 15. September 2006 aufgehoben und das Urteil der 3. Zivilkammer des Landgerichts Wiesbaden vom 2. September 2005 abgeändert.

Es wird festgestellt, dass die Mitverpflichtungserklärung der Klägerin aus dem Darlehensvertrag vom 8. Mai 2001 (Kontonummer ... ) und das vollstreckbare Schuldanerkenntnis vom 26. Juni 2001 (UR-Nr. ... des Notars Dr. B. ) nichtig sind.

Im Übrigen wird die Revision der Klägerin zurückgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte.

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