BGH, 12.10.2011 - IV ZR 199/10 - Wirksamkeit einer Sanktionsregelung bei Verletzung vertraglich vereinbarter Obliegenheiten (hier: § 11 Nr. 2 S. 1 bis S. 3 VGB 88)

Bundesgerichtshof
Urt. v. 12.10.2011, Az.: IV ZR 199/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 12.10.2011
Referenz: JurionRS 2011, 27744
Aktenzeichen: IV ZR 199/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Köln - 21.01.2010 - AZ: 24 O 458/09

OLG Köln - 17.08.2010 - AZ: 9 U 41/10

Rechtsgrundlagen:

§ 11 Nr. 2 S. 1 - 3 VGB 88

§ 28 Abs. 2 S. 2 VVG

§ 81 Abs. 2 VVG

Fundstellen:

BGHZ 191, 159 - 173

EWiR 2012, 141

GuT 2011, 296-297

IBR 2012, 295

Info M 2012, 25

MDR 2011, 9

MDR 2012, 27-28

NJ 2011, 6-7

NJ 2012, 6

NJW 2012, 217-222

NJW-Spezial 2011, 745

NWB 2011, 3593-3594

NWB 2011, 4087

NWB direkt 2011, 1129-1130

NWB direkt 2011, 1275

NZM 2012, 365-368

r+s 2011, 464 (Pressemitteilung)

r+s 2012, 9-14

SVR 2012, 57-58

VersR 2011, 1550-1554

VK 2011, 201-203

VRR 2012, 60-61

VRS 2012, 95-104

VuR 2011, 6

VuR 2012, 74-75

zfs 2011, 688-692

ZIP 2011, 6

ZWE 2012, 122-124

Amtlicher Leitsatz:

EGVVG Art. 1 Abs. 3; VVG §§ 28 Abs. 2 Satz 2, 81 Abs. 2; VGB 88 § 11 Nr. 2

  1. 1.

    Die Sanktionsregelung bei Verletzung vertraglich vereinbarter Obliegenheiten (hier: § 11 Nr. 2 Satz 1 bis Satz 3 VGB 88) ist unwirksam, wenn der Versicherer von der Möglichkeit der Vertragsanpassung gemäß Art. 1 Abs. 3 EGVVG keinen Gebrauch gemacht hat. Der Versicherer kann deshalb bei grob fahrlässiger Verletzung vertraglicher Obliegenheiten kein Leistungskürzungsrecht gemäß § 28 Abs. 2 Satz 2 VVG geltend machen.

  2. 2.

    Auf die Verletzung gesetzlicher Obliegenheiten (hier: grob fahrlässige Herbeiführung des Versicherungsfalles gemäß § 81 Abs. 2 VVG) kann sich der Versicherer weiterhin berufen.

    Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch d ie Vorsitzende Richterin Dr. Kessal-Wulf, die Richter Wendt, Felsch, Lehmann und die Richterin Dr. Brockmöller auf die mündliche Verhandlung vom 12. Oktober 2011

    für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 17. August 2010 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Leistungskürzungen der Versicherung – zu Recht?

Leistungskürzungen der Versicherung – zu Recht?

Der Artikel befasst sich mit der Frage, ob sich eine Versicherung bei einer Leistungskürzung auf die Verletzung von Vertragspflichten berufen kann, wenn die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen… mehr

BGH bestätigt: Obliegenheitsverletzung unerheblich, wenn Versicherer die Versicherungsbedingungen nicht an das neue VVG angepasst hat

BGH bestätigt: Obliegenheitsverletzung unerheblich, wenn Versicherer die Versicherungsbedingungen nicht an das neue VVG angepasst hat

Der BGH bestätigt die Vorinstanzen: wenn der Versicherer die Versicherungsbedingungen nicht an das seit 2008 geltende Recht anpasst, führen Verstöße gegen vertragliche Obliegenheiten (z.B.… mehr

Versicherungsbedingungen: Klauseln in alten Versicherungsverträgen sind unwirksam

Versicherungsbedingungen: Klauseln in alten Versicherungsverträgen sind unwirksam

Berlin, den 20. Oktober 2011. Der Bundesgerichtshof hat in einem aktuellen Urteil entschieden, dass die nicht an das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG 2008) angepassten Klauseln in Altverträgen… mehr