Teilungsversteigerung

Rechtswörterbuch

 Normen 

§§ 180 - 185 ZVG

§ 753 BGB

 Information 

1. Allgemein

Die Teilungsversteigerung ist ein Verfahren zur Auseinandersetzung von unbeweglichem Vermögen, das sich im Eigentum einer Bruchteilsgemeinschaft oder einer Gesamthandsgemeinschaft befindet.

Die Durchführung entspricht weitestgehend den Vorschriften der Zwangsversteigerung. Ein Titel ist nicht Voraussetzung, der Antrag eines Berechtigten ist ausreichend.

Folge der Teilungsversteigerung ist, dass sich die Gemeinschaft am Erlös fortsetzt, der nicht durch das Vollstreckungsgericht verteilt wird, sondern bei Uneinigkeit der Parteien hinterlegt wird.

2. Voraussetzungen

Die Voraussetzungen einer Teilungsversteigerung sind:

  • Antrag einer berechtigten Person, d.h. der Antragsteller ist Teilhaber einer Bruchteilsgemeinschaft oder Gesamthandsgemeinschaft.

  • Sachlich und örtlich zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk sich das unbewegliche Vermögen befindet.

  • Vorliegen der materiellen Voraussetzungen zur Auseinandersetzung:

3. Ablauf des Teilungsversteigerungstermins

Das Verfahren der Teilungsversteigerung entspricht grundsätzlich dem allgemeinen Verfahren der Zwangsversteigerung: So wird nach der Eröffnung des zumeist durch einen Rechtspfleger geführten Verfahrens der Inhalt des Grundbuchs verlesen. Anschließend werden die Versteigerungsbedingungen sowie die Höhe des geringsten Gebots bekannt gegeben.

Nur soweit sich aus den §§ 181 - 185 ZVG Abweichungen ergeben, sind diese spezieller.

Für die Gebotsabgabe ist zu berücksichtigen, ob im Grundbuch noch nicht gelöschte Belastungen eingetragen sind, die von dem Ersteher zu übernehmen sind.

4. Rechtsbehelf

Als Rechtsbehelf kann die Einstellung des Teilungsverfahrens gemäß § 180 Abs. 2, 3 ZVG beantragt werden. Das Verfahren kann für sechs Monate eingestellt werden, eine einmalige Wiederholung ist zulässig. Wird durch die Teilungsversteigerung das Wohl der gemeinsamen Kinder gefährdet, kann das Verfahren bis zu fünf Jahre ausgesetzt werden.

5. Im Scheidungsverfahren

Mithilfe der Teilungsversteigerung kann z.B. im Ehescheidungsverfahren bei Uneinigkeit der Eheleute die Verwertung des Hausgrundstücks erzwungen werden.

Stellt das Objekt der Teilungsversteigerung das wesentliche Vermögen der Eheleute dar und leben diese im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, so benötigt der die Teilungsversteigerung beantragende Ehepartner gemäß § 1365 BGB die Zustimmung des anderen Ehegatten (BGH 14.06.2007 - V ZB 102/06).

Wird die Zustimmung nicht erteilt und entspricht die Aufhebung der Gemeinschaft einer ordnungsgemäßen Verwaltung, so kann die Zustimmung gemäß § 1365 Abs. 2 BGB durch das Familiengericht ersetzt werden.

Liegt die Zustimmung nicht vor, kann der sich widersetzende Ehegatte die Teilungsversteigerung aufgrund der fehlenden Zustimmung mit der Drittwiderspruchsklage anfechten, wenn unklar ist, ob das Grundstück das wesentliche Vermögen darstellt. Übergeht das Vollstreckungsgericht bewusst den § 1365 BGB, so ist die Vollstreckungserinnerung der richtige Rechtsbehelf.

 Siehe auch 

BGH 25.04.2005 - II ZR 224/03 (Teilungsversteigerung nach Kündigung der Gesellschaft)

BGH 25.06.2004 - IXa ZB 267/03 (Keine Einstellung der Zwangsvollstreckung trotz dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen eines Beteiligten )

OLG Köln 26.05.2004 - 16 Wx 80/04

OLG Düsseldorf 25.01.1995 - 5 UF 171/93

OLG Düsseldorf 12.07.1994 - 20 W 26/94

Braeuer: Die Ehewohnung in der Teilungsversteigerung; Familie - Partnerschaft - Recht - FPR 2000, 198

Brudermüller: Das Familienheim in der Teilungsversteigerung; Zeitschrift für das gesamte Familienrecht - FamRZ 1996, 1516

Hamme: Die Teilungsversteigerung: Voraussetzung, Verfahren, Rechtsfolgen; 3. Auflage 2005

Mock: Die Teilungsversteigerung unter familien- und erbrechtlichen Gesichtspunkten: Zeitschrift für die Anwaltspraxis - ZAP

  • Teil 1: Zweck und Funktion des Verfahrens: 2008, 101
  • Teil 2: Verfahrenseinleitung und Einstellungsmöglichkeiten: 2008, 259
  • Teil 3: Wertermittlung und Vorbereitung des Versteigerungstermins: 2008, 1193
  • Teil 4: Geringstes Gebot und Versteigerungstermin: 2009, 1045

Najdecki: Teilungsversteigerung bei Vor- und Nacherbschaft; Deutsche Notar-Zeitschrift - DNotZ 2007, 643

Storz: Praxis der Teilungsversteigerung; 4. Auflage 2008

Zimmer/Pieper: Die Anwendung des § 1365 BGB in der Teilungsversteigerung. Zugleich Anmerkung zu BGH, B. v. 14.06.2007 - V ZB 102/06; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2007, 3104

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Die Drohung mit der Teilungsversteigerung des Familienheims während Trennung und Scheidung

Die Drohung mit der Teilungsversteigerung des Familienheims während Trennung und Scheidung

Die Teilungsversteigerung ist gemäß den Paragrafen 749, 753 BGB ein gesetzlicher Anspruch jedes Miteigentümers, die Miteigentümergemeinschaft aufzuheben. mehr

BGH: Grundstück: hat ein halber Miteigentumsanteil wirklich einen Wert von 50 % des Ganzen?

BGH: Grundstück: hat ein halber Miteigentumsanteil wirklich einen Wert von 50 % des Ganzen?

Man könnte die Frage auch formulieren: wer kauft schon einen hälftigen Miteigentumsanteil an einem Hausgrundstück? mehr

BGH vom 03.12.2014: Schwiegerkind muss geschenktes Haus ggf. zurückgewähren nach der Scheidung - RAe Sagsöz&Euskirchen -Bonn/ Familienrecht

BGH vom 03.12.2014:  Schwiegerkind muss geschenktes Haus ggf. zurückgewähren nach der Scheidung - RAe Sagsöz&Euskirchen -Bonn/ Familienrecht

Schwiegereltern können Grundeigentum, das sie dem eigenen Kind und dessen Ehepartner geschenkt haben, bei Scheitern der Ehe unter Umständen zurückfordern, wenn bei der Schenkung für das Schwiegerkind… mehr