Kaufvertrag - Gewährleistung

 Normen 

§§ 433 - 453 BGB

 Information 

1. Allgemein

Haftung für Mängel bzw. fehlende Eigenschaften der Kaufsache.

Es bestehen folgende kaufvertraglichen Gewährleistungsrechte:

  1. a)
  2. b)

    Rücktritt

    oder

    Minderung

    und (in beiden Fällen) ggf.

    Schadensersatz

    oder

    Aufwendungsersatz

Die Ansprüche Nacherfüllung und Rücktritt / Minderung stehen zueinander in einem Stufenverhältnis: Erst wenn die (erste oder weitere) Nacherfüllung ausgeschlossen ist, kann der Käufer zwischen Rücktritt und Minderung wählen. Daneben hat er bei Vorliegen der Voraussetzungen einen Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung.

Andererseits hat der Verkäufer bei einem unberechtigten Mangelbeseitigungsverlangen des Käufers einen Schadensersatzanspruch, sofern die Ursache für die Fehlfunktion dem Verantwortungsbereich des Käufers zuzuordnen ist (BGH 23.01.2008 - VIII ZR 246/06).

2. Mangel

Voraussetzung eines Gewährleistungsanspruchs ist, dass die Kaufsache mit einem Mangel behaftet ist, d.h. fehlerhaft ist. Mangel kann sowohl ein Rechts- als auch ein Sachmangel sein. Bei beiden Mangelarten hat der Käufer dieselben Rechte. Beide Mangelarten sind im Gesetz definiert:

Eine Kaufsache ist nach § 434 BGB mit einem Sachmangel behaftet, wenn sie nicht von der vereinbarten Beschaffenheit ist.

Fehlt eine Beschaffenheitsvereinbarung, ist die Kaufsache mangelhaft, wenn

  • sie sich nicht für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet,

  • sie sich nicht für die gewöhnliche Verwendung eignet bzw. nicht eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer erwarten kann,

  • die vereinbarte Montage durch den Verkäufer oder die von ihm beauftragten Personen unsachgemäß durchgeführt worden ist oder

  • die Montageanleitung bei einer zur Montage bestimmten Sache fehlerhaft ist, es sei denn die Kaufsache ist trotzdem durch den Käufer fehlerfrei montiert worden.

§ 434 Abs. 1 S. 2 BGB erweitert den Beschaffenheitsbegriff: Der Beschaffenheitsbegriff umfasst auch Eigenschaften, die der Käufer nach den öffentlichen Äußerungen des Verkäufers, des Herstellers oder seines Gehilfen insbesondere in der Werbung erwarten kann. Die Haftung ist ausgeschlossen, wenn der Verkäufer die Äußerung nicht kannte oder nicht kennen musste oder sie die Kaufentscheidung nicht beeinflusst hat.

Die Kaufsache ist mit einem Rechtsmangel behaftet, wenn

  • Dritte in Bezug auf die Kaufsache Rechte gegen den Käufer geltend machen können oder

  • Dritte mehr als die im Vertrag übernommenen Rechte gegen den Käufer geltend machen können.

Einem Rechtsmangel gleichgestellt ist der Fall, dass im Grundbuch ein Recht eingetragen ist, das nicht besteht.

Hinweis:

Auch eine auf dem Grundstück liegende öffentliche Abgabenlast u.Ä. kann einen Rechtsmangel darstellen. Daher bestimmt § 436 Abs. 2 BGB, dass der Verkäufer für öffentliche Abgaben und andere öffentliche Lasten, die zur Eintragung in das Grundbuch nicht geeignet sind, nicht haftet.

Insbesondere durch § 436 Abs. 2 BGB wird der Käufer eines Grundstücks verpflichtet, Erschließungsbeiträge und sonstige Anliegerbeiträge für die Maßnahmen zu tragen, die bis zum Tage des Vertragsschlusses bautechnisch begonnen sind.

3. Rücktritt

Gemäß § 437 BGB hat der Käufer einer mangelhaften Sache einen Anspruch auf Rücktritt von dem Kaufvertrag.

Der kaufvertragliche Rücktritt ist abgesehen von den §§ 437,  440 BGB nicht ausdrücklich im Kaufvertragsrecht geregelt. Es wird insofern auf die §§ 323,  326 Abs. 1 S. 3 BGB des allgemeinen Schuldrechts verwiesen.

Die Voraussetzungen des kaufvertraglichen Rücktritts sind:

  • Der Kaufgegenstand ist mangelhaft.

  • Der Mangel ist nicht unerheblich.

    Hinweis:

    Entscheidungserheblicher Zeitpunkt für die Frage, ob der Mangel erheblich ist, ist der Zeitpunkt der Rücktrittserklärung (BGH 15.06.2011 - VIII ZR 139/09).

  • Es ist dem Verkäufer eine Frist zur ordnungsgemäßen Leistung gesetzt worden.

  • Diese Frist ist abgelaufen.

  • Der Käufer hat den Rücktritt erklärt.

Die Fristsetzung ist gemäß §§ 323, 440 BGB entbehrlich, wenn

  • der Verkäufer die Vertragsleistung ernsthaft und endgültig verweigert,

  • die Nacherfüllung fehlgeschlagen oder unzumutbar ist,

  • der Verkäufer beide Arten der Nacherfüllung verweigert,

  • ein Fixgeschäft vorliegt oder

  • besondere Umstände die sofortige Geltendmachung des Rücktrittsrechts rechtfertigen.

Hinweis:

Der Rücktritt erfordert kein Verschulden des Verkäufers!

Bei der Rückabwicklung des Kaufs einer Eigentumswohnung ist der Nutzungsvorteil des Käufers abzuziehen, der nach dem Urteil BGH 06.10.2005 - VII ZR 325/03 zeitanteilig linear aus dem Erwerbspreis zu ermitteln ist. Im Falle der Mangelhaftigkeit der Wohnung ist der Nutzungsvorteil gemäß des Mangels zu mindern. Bei einer selbst genutzten Wohnung kann jedoch nicht als Nutzungsvorteil eine vergleichbare ortsübliche Miete berechnet werden.

In dem obigen Urteil bestimmten die Richter darüber hinaus, dass sich die Sachmängelhaftung bei einem Altbau bzw. einer Altbauwohnung nach dem Gewährleistungsrecht des Werkvertrages richtet, wenn der Verkäufer

  • vertraglich Bauleistungen übernommen hat, die nach dem Umfang und der Bedeutung mit Neubauarbeiten vergleichbar sind

    oder

  • die Herstellungspflicht verletzt ist.

Bei der Frage der Ersatzpflichtigkeit der Eigennutzung des Grundstücks im Rahmen der Rückabwicklung eines Grundstückskaufvertrages ist nach dem Urteil BGH 31.03.2006 - V ZR 51/05 wie folgt zu unterscheiden:

  • Verlangt der Käufer auch seine Kosten der Finanzierung bzw. der Unterhaltung des Grundstücks, so muss er sich im Gegenzug eine Eigennutzung in Höhe des üblichen Miet- oder Pachtzinses anrechnen lassen.

  • Beschränkt sich der Käufer auf die Rückabwicklung des Vertrages und den Ersatz der Vertragskosten, kommt es nur zur Anrechnung der abnutzungsbedingten, zeitanteilig linear zu berechnenden Wertminderung der Immobilie.

4. Kenntnis vom Mangel

Die Rechtsfolgen der Kenntnis des Käufers sind in § 442 BGB geregelt:

Danach sind die Gewährleistungsrechte ausgeschlossen, wenn der Käufer bei Vertragsschluss den Mangel kannte oder er ihm infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt geblieben ist, es sei denn der Verkäufer hat den Mangel arglistig verschwiegen oder eine Garantie für eine Eigenschaft der Kaufsache übernommen.

 Siehe auch 

BGH 27.05.2011 - V ZR 122/10

BGH 14.04.2010 - VIII ZR 145/09 (Ersatz des Nutzungsausfallschadens nach Rücktritt)

BGH 12.03.2009 - VII ZR 26/06 (Finanzierungskosten als Schadensersatz bei Rückabwicklung Wohnungskauf)

BGH 12.03.2008 - VIII ZR 253/05 (Verschweigen eines Unfallschadens als Mangel)

BGH 20.01.2006 - V ZR 124/05 (kein Untergang des Rücktrittsrechts)

BGH 06.07.2005 - VIII ZR 136/04 (Keine Einschränkung des vereinbarten Gewährleistungsausschlusses durch handschriftlichen Zusatz "gekauft wie gesehen" bei Kaufvertrag zwischen Privatpersonen)

Andreae: Die aktuelle Rechtsprechung zum Gebrauchtwagenkauf; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2007, 3457

Brand: Probleme bei der "Ikea-Klausel"; Zeitschrift für das gesamte Schuldrecht - ZGS 2003, 96

Derleder: Sachmängel- und Arglisthaftung nach neuem Schuldrecht; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2004, 969

Emmert: Vereinbarte Beschaffenheit der Kaufsache und Haftungsausschluss des Verkäufers; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2006, 1765

Faust: Rückabwicklung eines Neuwagenkaufs unter Inzahlungnahme eines Gebrauchtwagens; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2009, 3696

Lieder: Nutzungsersatz beim Rücktritt vom Kaufvertrag; Jura 2010, 612

Lorenz: Rücktritt, Minderung und Schadensersatz wegen Sachmängeln in neuen Kaufrecht: Was hat der Verkäufer zu vertreten? Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2002, 2497

Lorenz: Selbstvornahme der Mängelbeseitigung im Kaufrecht; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2003, 1417

Peters: Verjährungsfristen bei Minderung und mangelbedingtem Rücktritt; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2008, 119

Prütting/Wegen/Weinreich: BGB Kommentar; 8. Auflage 2013

Wertenbruch: Gewährleistung beim Kauf von Kunstgegenständen nach neuem Schuldrecht; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2004, 1977