BVerwG, 19.08.2010 - BVerwG 5 C 14.09 - Bestimmung der Leistung i.S.v. § 111 S. 1 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X) nach dem zuständigkeitsrechtlichen Leistungsbegriff des Kinderhilferechts und Jugendhilferechts für jugendhilferechtliche Kostenerstattungsansprüche nach § 89d Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII); Geltendmachung eines Anspruchs auf Erstattung der Kosten für jugendhilferechtliche Maßnahmen und Hilfen nach Beginn der Leistung zur Wahrung der Ausschlussfrist des § 111 S. 1 SGB X

Bundesverwaltungsgericht
Urt. v. 19.08.2010, Az.: BVerwG 5 C 14.09
Gericht: BVerwG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 19.08.2010
Referenz: JurionRS 2010, 26829
Aktenzeichen: BVerwG 5 C 14.09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

VG Karlsruhe - 20.03.2006 - AZ: VG 5 K 1248/04

VGH Baden-Württemberg - 01.07.2008 - AZ: VGH 12 S 2508/06

Fundstellen:

BVerwGE 137, 368 - 377

DÖV 2011, 83

DVBl 2010, 1582

FamRZ 2010, 2075

FStBay 2012, 519

Jugendhilfe 2011, 311

NVwZ-RR 2011, 67-69

Städtetag 2011, 49

ZfF 2011, 238

ZfSH/SGB 2010, 737-740

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Für jugendhilferechtliche Kostenerstattungsansprüche (hier: nach § 89d SGB VIII) ist die Leistung im Sinne von § 111 Satz 1 SGB X nach dem zuständigkeitsrechtlichen Leistungsbegriff des Kinder- und Jugendhilferechts zu bestimmen.

  2. 2.

    Zur Wahrung der Ausschlussfrist des § 111 Satz 1 SGB X für einen Anspruch auf Erstattung der Kosten für Maßnahmen und Hilfen, die jugendhilferechtlich als eine Leistung zu werten sind, genügt jede - innerhalb dieser Frist erfolgende - Geltendmachung des Anspruchs nach Beginn der (Gesamt-)Leistung (insoweit Änderung der Rechtsprechung des Senats im Urteil vom 10. April 2003 - BVerwG 5 C 18.02 - Buchholz 435.12 § 111 SGB X Nr. 3).

...
hat der 5. Senat des Bundesverwaltungsgerichts
auf die mündliche Verhandlung vom 19. August 2010
durch
den Vizepräsidenten des Bundesverwaltungsgerichts Hund,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Berlit,
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Stengelhofen und
die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Störmer und Dr. Häußler
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision des Klägers werden die Urteile des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 1. Juli 2008 und des Verwaltungsgerichts Karlsruhe vom 20. März 2006 geändert.

Der Beklagte wird verurteilt, dem Kläger 21 749,75 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz ab Rechtshängigkeit zu erstatten.

Der Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens in allen Rechtszügen.

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