BVerwG, 09.12.2010 - BVerwG 10 C 13.09 - Ausscheiden einer Entscheidung im vereinfachten Berufungsverfahren ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss nach § 130a S. 1 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) bei Aufweisen außergewöhnlich großer Schwierigkeiten in rechtlicher und/oder tatsächlicher Hinsicht; Verletzung der Sachaufklärungspflicht sowie des Grundsatzes der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme durch Feststellung einer nach Auffassung des Berufungsgerichts für die Flüchtlingsanerkennung wesentlichen inneren Tatsache allein aufgrund der Aktenlage

Bundesverwaltungsgericht
Urt. v. 09.12.2010, Az.: BVerwG 10 C 13.09
Gericht: BVerwG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.12.2010
Referenz: JurionRS 2010, 32603
Aktenzeichen: BVerwG 10 C 13.09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

VG Düsseldorf - 14.05.2007 - AZ: VG 9 K 3140/05.A

OVG Nordrhein-Westfalen - 30.07.2009 - AZ: 5 A 1999/07.A

Fundstellen:

BVerwGE 138, 289 - 301

DÖV 2011, 371-372

DVBl 2011, 366-370

InfAuslR 2011, 170-173

NVwZ 2011, 629-632

NWVBl 2011, 173-176

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Eine Entscheidung im vereinfachten Berufungsverfahren ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss nach § 130a Satz 1 VwGO scheidet aus, wenn die Rechtssache außergewöhnlich große Schwierigkeiten in rechtlicher und/oder tatsächlicher Hinsicht aufweist (wie Urteil vom 30. Juni 2004 - BVerwG 6 C 28.03 - BVerwGE 121, 211).

  2. 2.

    Stellt das Berufungsgericht eine nach seiner Auffassung für die Flüchtlingsanerkennung wesentliche innere Tatsache (hier: Ernsthaftigkeit der Glaubensüberzeugung), zu der das Verwaltungsgericht sich keine abschließende Überzeugung gebildet und über die das Bundesamt nicht entschieden hat, allein aufgrund der Aktenlage fest, verletzt es in aller Regel die Sachaufklärungspflicht sowie den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme.

In der Verwaltungsstreitsache
...
hat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts
auf die mündliche Verhandlung vom 9. Dezember 2010
durch
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Dörig,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter,
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Beck,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Kraft und
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revision der Beklagten wird der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 30. Juli 2009 aufgehoben.

Die Sache wird an das Oberverwaltungsgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.

Die Kostenentscheidung bleibt der Schlussentscheidung vorbehalten.

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