BGH, 29.09.2011 - IX ZR 170/10 - Anspruch auf Vergütung eines Rechtsanwalts bei Kündigung des Mandatsverhältnisses durch den Rechtsanwalt ohne Veranlassung zur Kündigung durch vertragswidriges Verhalten des anderen Teils

Bundesgerichtshof
Urt. v. 29.09.2011, Az.: IX ZR 170/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 29.09.2011
Referenz: JurionRS 2011, 25996
Aktenzeichen: IX ZR 170/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Frankfurt am Main - 04.03.2010 - AZ: 2-23 O 258/09

OLG Frankfurt am Main - 21.09.2010 - AZ: 18 U 18/10

Rechtsgrundlagen:

§ 13 BRAGO

§ 15 RVG

§ 627 BGB

§ 628 BGB

Fundstellen:

AGS 2012, 169-172

AnwBl 2011, 962-964

BRAK-Mitt 2011, 282

DB 2011, 2429-2432

DStR 2012, 482-483

DStRE 2012, 587-590

EWiR 2011, 773

FamRZ 2011, 1941

HRA 2011, 7-9

Info M 2011, 550

JurBüro 2012, 78

Life&Law 2012, 144-145

MDR 2011, 1387-1388

NJW 2011, 8

NJW-RR 2012, 294-296

NWB 2011, 3834

NWB direkt 2011, 1203

RENOpraxis 2012, 9

RÜ 2012, 4-7

RVGreport 2012, 238-239

StuB 2012, 207

StX 2012, 799

VersR 2012, 106-108

WM 2011, 2110-2113

WuB 2012, 163-164

ZAP 2011, 1194

ZAP EN-Nr. 786/2011

zfs 2012, 40-43

ZGS 2011, 534

ZIP 2011, 2309-2311

Amtlicher Leitsatz:

BGB §§ 627, 628 Abs. 1 Satz 2; BRAGO § 13; RVG § 15

  1. a)

    Kündigt der Rechtsanwalt das Mandatsverhältnis, ohne durch vertragswidriges Verhalten des anderen Teils dazu veranlasst zu sein, steht ihm ein Anspruch auf Vergütung insoweit nicht zu, als der Mandant einen anderen Prozessbevollmächtigten neu bestellen muss, mit dessen Vergütung auch die Tätigkeit des kündigenden Anwalts abgegolten wäre.

  2. b)

    Von einem Interessenwegfall ist auch auszugehen, soweit die aufgrund der Kündigung neu beauftragten Rechtsanwälte fristgebundene Verfahrenshandlungen nicht mehr vornehmen, fristgebundene Erklärungen nicht mehr abgeben und an vergangenen Terminen nicht mehr teilnehmen können, wenn mit der ihnen geschuldeten gesetzlichen Vergütung auch diese Handlungen abgegolten gewesen wären.

Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 29. September 2011 durch die Richter Vill, Raebel, Dr. Pape, Grupp und die Richterin Möhring

für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision gegen das Urteil des 18. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 21. September 2010 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

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