BGH, 15.09.2010 - XII ZR 148/09 - Erfordernis des Vorliegens eines Verschuldens des Unterhaltsberechtigten i.R.e. Verwirkung wegen schwerer Verfehlung; Auswirkung der Störung familiärer Beziehungen i.S.d. § 1611 BGB zur Annahme einer unbilligen Härte i.R.d. Ausschlusses eines Anspruchsübergangs auf den Träger der Sozialhilfe

Bundesgerichtshof
Urt. v. 15.09.2010, Az.: XII ZR 148/09
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 15.09.2010
Referenz: JurionRS 2010, 25503
Aktenzeichen: XII ZR 148/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

AG Bottrop - 14.11.2008 - AZ: 14 F 187/08

OLG Hamm - 06.08.2009 - AZ: 2 UF 241/08

Fundstellen:

EBE/BGH 2010, 356-360

FamRB 2010, 360-361

FamRZ 2010, 1888-1892

FF 2010, 498-502

FF 2011, 42

FF 2010, 382-383 (Pressemitteilung)

FK 2011, 7-8

FuR 2011, 49-52

JA 2011, 231-232

JR 2011, 474-478

JurBüro 2011, 165

JuS 2011, 71

MDR 2010, 1393-1395

NJ 2011, 119-120

NJW 2010, 3714-3717

NWB 2010, 3096

NWB 2010, 3088-3089

NWB direkt 2010, 1006-1007

NWB direkt 2010, 1014

RPsych (R&P) 2011, 230-232

WuM 2011, 232-233

ZFE 2011, 190

ZFE 2011, 42

ZfSH/SGB 2010, 679-684

Amtlicher Leitsatz:

BGB §§ 242 Cc, 1611; SGB XII § 94 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2

  1. a)

    Gemäß § 1611 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 BGB setzt die Verwirkung wegen einer schweren Verfehlung ein Verschulden des Unterhaltsberechtigten voraus. Es genügt nicht, wenn er in einem natürlichen Sinne vorsätzlich gehandelt hat.

  2. b)

    Eine Störung familiärer Beziehungen im Sinne des § 1611 BGB genügt grundsätzlich nicht, um eine unbillige Härte im Sinne des § 94 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB XII zu begründen und damit einen Anspruchsübergang auf den Träger der Sozialhilfe auszuschließen.

Etwas anderes gilt nur dann, wenn der nach § 1611 BGB zu beurteilende Lebenssachverhalt aus Sicht des Sozialhilferechts auch soziale Belange erfasst, die einen Übergang des Anspruches nach öffentlichrechtlichen Kriterien ausschließen (Klarstellung zum Senatsurteil vom 21. April 2004 - XII ZR 251/01 - FamRZ 2004, 1097).

Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 15. September 2010
durch
die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und
die Richter Dose, Dr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Günter
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision gegen das Urteil des 2. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Hamm vom 6. August 2009 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

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