BGH, 14.04.2011 - I ZR 133/09 - Als Garantieerklärung gilt nur die Willenserklärung zum Abschluss eines Vertrages und nicht die lediglich zur Bestellung auffordernde Werbung ohne rechtsverbindliche Versprechung einer Garantie; Erfordernis der in § 477 Abs. 1 S. 2 BGB geforderten Angaben bereits in der Werbung eines Unternehmers für den Verkauf eines Verbrauchsguts mit einer Garantie

Bundesgerichtshof
Urt. v. 14.04.2011, Az.: I ZR 133/09
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 14.04.2011
Referenz: JurionRS 2011, 16610
Aktenzeichen: I ZR 133/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Bielefeld - 20.03.2009 - AZ: 15 O 233/08

OLG Hamm - 13.08.2009 - AZ: 4 U 71/09

Rechtsgrundlagen:

§ 477 Abs. 1 BGB

Art. 6 Abs. 1 RL 1999/44/EG

Art. 6 Abs. 2 RL 1999/44/EG

§ 4 Nr. 11 UWG

Fundstellen:

BB 2011, 1684

BB 2011, 1409-1410

BB 2011, 1090 (Pressemitteilung)

CR 2011, 525-528

DB 2011, 1271-1274

DB 2011, 17-18 (Pressemitteilung)

DB 2011, 6

EBE/BGH 2011, 179-182

EWiR 2011, 721

GRUR 2011, 16

GRUR 2011, 638-641 "Werbung mit Garantie"

GRUR-Prax 2011, 276

ITRB 2011, 202-203

ITRB 2011, 145

K&R 2011, 501-504

MDR 2011, 870-871

Mitt. 2011, 381 "Werbung mit Garantie"

MMR 2011, 451-453

NJ 2011, 7-8

NJW 2011, 2653-2656 "Werbung mit Garantie"

NJW 2011, 8 "Werbung mit Garantie"

VersR 2011, 4 (Pressemitteilung)

WM 2011, 1628-1631

WRP 2011, 866-870 "Werbung mit Garantie"

ZAP 2011, 815

ZAP EN-Nr. 516/2011

ZGS 2011, 244 (Pressemitteilung)

ZIP 2011, 5

ZIP 2011, 2272-2275

Verfahrensgegenstand:

Werbung mit Garantie

Amtlicher Leitsatz:

UWG § 4 Nr. 11; BGB § 477 Abs. 1; Richtlinie 1999/44/EG Art. 6 Abs. 1 und 2

  1. a)

    Unter den Begriff der Garantieerklärung im Sinne des § 477 Abs. 1 Satz 1 BGB fällt nur die zum Abschluss eines Kaufvertrages oder eines eigenständigen Garantievertrages führende Willenserklärung, nicht dagegen die Werbung, mit der eine Garantie im Zusammenhang mit Verkaufsangeboten noch nicht rechtsverbindlich versprochen wird, sondern die den Verbraucher lediglich zur Bestellung auffordert.

  2. b)

    Wirbt ein Unternehmer für den Verkauf eines Verbrauchsguts mit einer Garantie, müssen die in § 477 Abs. 1 Satz 2 BGB geforderten Angaben (Hinweis auf die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers sowie darauf, dass sie durch die Garantie nicht eingeschränkt werden; Inhalt der Garantie und alle wesentlichen Angaben, die für die Geltendmachung der Garantie erforderlich sind) nicht bereits in der Werbung gemacht werden. Aus Art. 6 Abs. 2 der Richtlinie 1999/44/EG, deren Umsetzung § 477 Abs. 1 Satz 2 BGB dient, ergibt sich nichts anderes.

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
auf die mündliche Verhandlung vom 1. Dezember 2010
durch
den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und
die Richter Prof. Dr. Büscher, Dr. Schaffert, Dr. Koch und Dr. Löffler
für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Revisionen des Beklagten werden die Urteile des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 13. August und vom 17. September 2009 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als zum Nachteil des Beklagten erkannt worden ist.

Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil der 6. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Bielefeld vom 20. März 2009 wird zurückgewiesen.

Die Kosten der Rechtsmittelverfahren hat die Klägerin zu tragen.

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