BGH, 09.11.2011 - IV ZR 115/10 - Ausschluss des Versicherungsschutzes für Gefahren einer ungewöhnlichen und gefährlichen Beschäftigung in den Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen (BBR) einer Privathaftpflichtversicherung

Bundesgerichtshof
Urt. v. 09.11.2011, Az.: IV ZR 115/10
Gericht: BGH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.11.2011
Referenz: JurionRS 2011, 30463
Aktenzeichen: IV ZR 115/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LG Chemnitz - 20.11.2009 - AZ: 4 O 1064/09

OLG Dresden - 31.03.2010 - AZ: 7 U 1916/09

Rechtsgrundlagen:

§ 1 Nr. 1 BBR Privathaftpflichtversicherung

§ 100 VVG

Fundstellen:

EBE/BGH 2012, 2-3

MDR 2012, 155-156

NJ 2012, 4

NJW 2012, 6

NJW-RR 2012, 551-552

r+s 2012, 21-23

RdW 2012, 81-82

VersR 2012, 172-174

VK 2012, 29-30

VuR 2012, 118-119

WuM 2012, 40-42

ZfIR 2012, 141

zfs 2012, 96-97

Amtlicher Leitsatz:

VVG § 100; AHB§ 1 Nr. 1 BBR Privathaftpflichtversicherung (hier: A. I.)

Der Ausschluss des Versicherungsschutzes für Gefahren einer ungewöhnlichen und gefährlichen Beschäftigung in den Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen (BBR) für die Privathaftpflichtversicherung setzt ein Verhalten voraus, das auf längere Dauer angelegt ist und so einen von den normalen Gefahren des täglichen Lebens abgrenzbaren Bereich besonderer Gefahrenlagen bildet, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholt eintreten (Fortführung der Senatsurteile vom 17. Januar 1996 IV ZR 86/95, VersR 1996, 495 unter II 2 a; vom 25. Juni 1997 IV ZR 269/96, BGHZ 136, 142, 146 f.; vom 10. März 2004 IV ZR 169/03, VersR 2004, 591 unter 3 a).

Allein das Fällen dreier großer Bäume innerhalb eines Tages ist keine solche Beschäftigung.

Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Vorsitzende Richterin Dr. Kessal-Wulf, die Richter Wendt, Felsch, Lehmann und die Richterin Dr. Brockmöller auf die mündliche Verhandlung vom 9. November 2011

für Recht erkannt:

Tenor:

Auf die Rechtsmittel des Klägers wird das Urteil des 7. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 31. März 2010 aufgehoben und das Urteil des Landgerichts Chemnitz vom 20. November 2009 geändert.

Es wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger aus dem Haftpflichtversicherungsvertrag Nr. ... Deckung wegen des Vorfalles vom 9. Februar 2009 (behaupteter Schaden auf dem Grundstück der K. -GmbH, B. 61, B. , infolge Baumfällens) zu gewähren.

Die Beklagte wird verurteilt, dem Kläger 661,16 € zu zahlen.

Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits

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