BFH, 27.01.2011 - V R 21/09 - Abgrenzung der Unternehmereigenschaft von privater Sammeltätigkeit; Verhalten des Sammlers bereits während des Aufbaus der Sammlung wie ein Händler

Bundesfinanzhof
Urt. v. 27.01.2011, Az.: V R 21/09
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 27.01.2011
Referenz: JurionRS 2011, 13603
Aktenzeichen: V R 21/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Hessen - 22.04.2009 - AZ: 6 K 2821/02

Rechtsgrundlagen:

§ 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UStG

§ 15 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UStG

Art. 17 Abs. 2 Buchst. a RL 77/388/EWG

Fundstellen:

BFHE 233, 77 - 86

BB 2011, 1318-1319

BFH/NV 2011, 949-952

BFH/PR 2011, 224-225

BStBl II 2011, 524-528 (Volltext mit amtl. LS)

DAR 2011, 351

DB 2011, 1088-1091

DB 2011, 8

DStRE 2011, 769-773

DStZ 2011, 387

DStZ 2011, 10

HFR 2011, 672-674

KÖSDI 2011, 17421

NWB 2011, 1304-1305

NWB direkt 2011, 394-395

StB 2011, 140

StBW 2011, 393

StC 2011, 9

StuB 2011, 391

StX 2011, 250

UR 2011, 379-383

UStB 2011, 174-175

V&S 2011, 8

Jurion-Abstract 2011, 225243 (Zusammenfassung)

Redaktioneller Leitsatz:

  1. 1.

    Für die Beurteilung der Frage, ob ein Gegenstand für Zwecke einer wirtschaftlichen Tätigkeit erworben wird, die zum Vorsteuerabzug berechtigt, ist in Fällen, in denen jemand eine Sammlung von Gegenständen, die im Wesentlichen einen Liebhaberwert verkörpern (wie z.B. Briefmarken und Münzen), aus privaten Neigungen aufbaut und diese oder Teile davon später veräußert, zur Abgrenzung darauf abzustellen, ob die äußeren Umstände beim Ankauf und Verkauf von Gegenständen der betreffenden Art der eines Händlers entsprechen oder ob daraus geschlossen werden kann, dass die Sammlungsstücke nur aus privaten Neigungen erworben worden sind (vgl. BFH-Urteile vom 29. Juni 1987 X R 23/82, BFHE 150, 218, BStBl II 1987, 744, Briefmarkensammlung; in BFHE 150, 224, [BFH 16.07.1987 - X R 48/82] BStBl II 1987, 752, Münzsammlung; vom 13. Februar 1992 V R 112/87, BFH/NV 1993, 59, Verkauf von Edelmetallmengen).

  2. 2.

    Eine zum Vorsteuerabzug berechtigende unternehmerische Betätigung und keine private Sammlertätigkeit liegt nur dann vor, wenn sich der Sammler auch bereits während des Aufbaus der Sammlung wie ein Unternehmer verhält, was nicht der Fall ist, wenn der Käufer von Oldtimer- und Neufahrzeugen nicht beabsichtigt, diese laufend zu veräußern, sondern zunächst ca. 20 bis 30 Jahre in einer Tiefgarage zu lagern.

  3. 3.

    Eine hochspekulative, mit erheblichen geschäftlichen Risiken verbundene Tätigkeit, spricht gegen eine wirtschaftliche Tätigkeit, auch wenn ein beherrschender Gesellschafter bereit ist, hierfür ohne Rücksicht auf die Risiken beträchtliche Geldsummen aufzuwenden.

Diese Artikel im Bereich Steuern und Steuerstrafrecht könnten Sie interessieren

Das Fortbestehen der eigenen Praxis planen und sichern

Das Fortbestehen der eigenen Praxis planen und sichern

Wer sich eine eigene Praxis aufbaut arbeitet an seinem persönlichen Lebenswerk. mehr

Steuerrechtliche Gleichbehandlung gesetzlicher und privater Krankenversicherungen

Steuerrechtliche Gleichbehandlung gesetzlicher und privater Krankenversicherungen

Steuerrechtliche Gleichbehandlung gesetzlicher und privater Krankenversicherungen mehr

Wirtschaftlichkeit der eigenen Praxis sichern

Wirtschaftlichkeit der eigenen Praxis sichern

Viele Ärzte setzten die Existenzgrundlagen ihrer Praxis durch wirtschaftliches Fehlverhalten aufs Spiel. mehr