BFH, 21.10.2009 - I R 114/08 - Fiktive Steuerpflicht von Betriebsstätteneinkünften als Voraussetzung für dieAnwendbarkeit der Umschaltklauseln des § 20 Abs. 2 und 3 Missbrauchsbekämpfungsgesetz (AStG); Eine Besteuerung nach §§ 7 ff. AStG als Verstoß gegen die gemeinschaftsrechtlich verbürgte Niederlassungsfreiheit; Schlussurteil "Columbus Container Services": § 20 Abs. 2 und 3 i.V.m. §§ 7 ff. AStG a.F. verstößt gegen Gemeinschaftsrecht

Bundesfinanzhof
Urt. v. 21.10.2009, Az.: I R 114/08
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 21.10.2009
Referenz: JurionRS 2009, 29483
Aktenzeichen: I R 114/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Münster - 11.11.2008 - AZ: 15 K 1114/99 F,EW

Rechtsgrundlagen:

Art. 100 Abs. 1 GG

Art. 43 EG

Art. 234 Abs. 2 EG

§ 7 Abs. 1 AStG a.F

§ 7 Abs. 2 AStG a.F.

§ 8 AStG a.F.

§ 10 Abs. 6 AStG a.F.

§ 20 Abs. 2 AStG

§ 20 Abs. 3 AStG

§ 10 Abs. 6 S. 2 StMBG

§ 3 Abs. 1 KStG

Art. 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 DBA-Belgien

Fundstellen:

BFHE 227, 64 - 73

BB 2010, 149

BB 2010, 618

BFH/NV 2010, 279-283

BFH/PR 2010, 113

BStBl II 2010, 774-778 (Volltext mit amtl. LS)

DB 2010, 94-96

DStR 2010, 37-40

DStRE 2010, 192

EuZW 2010, 233-236

EWiR 2010, 271

FR 2010, 393-397

GmbHR 2010, 215-219

GmbH-StB 2010, 31-32

GStB 2010, 11

GWR 2010, 73

IStR 2010, 149-152

IWB 2010, 34

KSR direkt 2010, 6-7

NVwZ 2010, 6

NWB 2010, 254

NWB direkt 2010, 84

NZG 2010, 234-237

NZG 2010, 260

PIStB 2010, 31-32

RIW/AWD 2010, 412-415

StB 2010, 60

StBW 2010, 1-2

StuB 2010, 328

StX 2010, 43-44

SWI 2010, 84

ZBB 2010, 61

ZIP 2010, 224-227

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Die sog. Umschaltklauseln des § 20 Abs. 2 und 3 AStG i.d.F. des Mißbrauchsbekämpfungs- und Steuerbereinigungsgesetzes vom 21. Dezember 1993 setzen die fiktive Steuerpflicht der Betriebsstätteneinkünfte nach Maßgabe der §§ 7 ff. AStG voraus. Eine solche ist nicht gegeben, soweit eine Besteuerung nach §§ 7 ff. AStG gegen die gemeinschaftsrechtlich verbürgten Grundfreiheiten verstößt.

  2. 2.

    Die §§ 7 ff. AStG i.d.F. des Mißbrauchsbekämpfungs- und Steuerbereinigungsgesetzes vom 21. Dezember 1993 verstoßen gegen die in Art. 43 EG garantierte Niederlassungsfreiheit (Anschluss an die Urteile des EuGH vom 6. Dezember 2007 C-298/05 "Columbus Container Services", Slg. 2007, I-10451, und vom 12. September 2006 C-196/04 "Cadbury Schweppes", Slg. 2006, I-7995).

Diese Artikel im Bereich Steuern und Steuerstrafrecht könnten Sie interessieren

„Gewerbliche Infizierung“ durch Integrierte Versorgung

„Gewerbliche Infizierung“ durch Integrierte Versorgung

Wegen einer sogenannten „gewerblichen Infizierung“ durch integrierte Versorgung können die gesamten Einkünfte der ärztlichen Gemeinschaftspraxis der Gewerbesteuer unterliegen. mehr

Freiberuflichkeit selbstständiger Ärzte wird durch Beschäftigung angestellter Ärzte nicht aufgehoben

Freiberuflichkeit selbstständiger Ärzte wird durch Beschäftigung angestellter Ärzte nicht aufgehoben

Die Zuhilfenahme von qualifiziertem Personal greift die Freiberuflichkeit des einstellenden Arztes nicht an. Solange dieser bei der Erledigung der einzelnen Aufträge aufgrund eigener Fachkenntnisse… mehr

Gewerbesteuer für Gemeinschaftspraxen mit Nullbeteiligungsgesellschafter

Gewerbesteuer für Gemeinschaftspraxen mit Nullbeteiligungsgesellschafter

Das Aufnehmen von eigenverantwortlich tätigen Ärzten in die GbR kann eine Gewerbesteuerpflicht für Gemeinschaftspraxen nach sich ziehen. Nämlich dann, wenn von den Mitunternehmern kein… mehr