BFH, 09.06.2011 - VI R 55/10 - Zulässigkeit des Innehabens von mehr als einer regelmäßigen Arbeitsstätte durch einen Arbeitnehmer; Kriterien zur Bestimmung des ortsgebundenen Mittelpunktes einer dauerhaft angelegten beruflichen Tätigkeit; Zeitlich regelmäßiges Aufsuchen einer Tätigkeitsstätte durch einen Arbeitnehmer als Kriterium für die Annahme einer regelmäßigen Arbeitsstätte

Bundesfinanzhof
Urt. v. 09.06.2011, Az.: VI R 55/10
Gericht: BFH
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.06.2011
Referenz: JurionRS 2011, 21901
Aktenzeichen: VI R 55/10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

FG Münster - 19.01.2010 - AZ: 1 K 4306/07 E (EFG 2010, 1986)

Fundstellen:

BFHE 234, 164 - 168

ArbRB 2011, 307-308

ArbRB 2011, 257

AuA 2011, 540

AuR 2011, 418

AuR 2011, 403-404

AuR 2012, 213

AUR 2011, 418

AUR 2012, 213

AUR 2011, 403-404

BB 2011, 2133 (Pressemitteilung)

BB 2011, 2661-2662

BBK 2011, 846-847

BeSt 2011, 33-34

BFH/NV 2011, 1764-1766

BFH/PR 2011, 411

BStBl II 2012, 38-40 (Volltext mit amtl. LS)

DB 2011, 1897-1899

DStR 2011, 1609-1611

DStRE 2011, 1164

DStZ 2011, 699-700

FR 2011, 1106-1107

GStB 2011, 41

HFR 2011, 1110-1112

KÖSDI 2011, 17570-17571

KSR direkt 2011, 8

LGP 2011, 151-152

MBP 2011, 165

NJW 2011, 3392

NWB 2011, 2920-2921

NWB direkt 2011, 930-931

NZA 2011, 1332

NZA-RR 2011, 537-539

RdW 2012, 72-73

StB 2011, 337

StC 2011, 8

StuB 2011, 677

StuB 2011, 682

StX 2011, 533-534

WISO-SteuerBrief 2013, 11-12

ZAP 2011, 1084-1085

ZAP EN-Nr. 697/2011

Jurion-Abstract 2011, 225366 (Zusammenfassung)

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Ein Arbeitnehmer kann nicht mehr als eine regelmäßige Arbeitsstätte innehaben, auch wenn er fortdauernd und immer wieder verschiedene Betriebsstätten seines Arbeitgebers aufsucht. In einem solchen Fall ist der ortsgebundene Mittelpunkt der dauerhaft angelegten beruflichen Tätigkeit (regelmäßige Arbeitsstätte) zu bestimmen (Fortentwicklung von BFH-Urteilen vom 11. Mai 2005 VI R 25/04, BFHE 209, 523, BStBl II 2005, 791, und vom 14. September 2005 VI R 93/04, BFH/NV 2006, 53).

  2. 2.

    Hierbei ist insbesondere zu berücksichtigen, welcher Tätigkeitsstätte der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber zugeordnet worden ist, welche Tätigkeit er an den verschiedenen Arbeitsstätten im Einzelnen wahrnimmt oder wahrzunehmen hat und welches konkrete Gewicht dieser Tätigkeit zukommt.

  3. 3.

    Allein der Umstand, dass der Arbeitnehmer eine Tätigkeitsstätte im zeitlichen Abstand immer wieder aufsucht, reicht für die Annahme einer regelmäßigen Arbeitsstätte jedenfalls nicht aus. Ihr muss vielmehr zentrale Bedeutung gegenüber den weiteren Tätigkeitsorten zukommen (Anschluss an BFH-Urteil vom 4. April 2008 VI R 85/04, BFHE 221, 11, BStBl II 2008, 887).

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